Ein Kommentar von Christoph Schwennicke

Schwarz-Grün, Rot-Rot-Grün? Die Koalitions-Wechselspiele sind im vollen Gang. Doch warum jetzt? Und: Zu wessen Nutzen? Freuen können sich vor allem die Grünen: Sie sind in jedem Fall dabei.

Nachdenken schadet nicht, öffentliches Nachdenken manchmal schon. Insofern werden sich Wolfgang Schäuble (CDU) und Klaus Wowereit (SPD) gut überlegt haben, weshalb sie zwei Koalitionsoptionen jenseits der Großen Koalition ventilieren. Dabei sind nicht die dargelegten Neigungen interessant. Dass Schäuble, der Schwarz-Grün anregt, eine konservativ-ökologische Grundeinstellung hat, war seit langem bekannt. Dass Klaus Wowereit, der Rot-Rot ins Spiel bringt, sich als linke Alternative zu Kurt Beck sieht, ist ebenfalls wenig überraschend.

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Künast mit Anti-Merkel-PLakat aus dem Jahr 2000: Fröhliche Farbenlehre (© Foto: dpa)

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Warum aber jetzt? Und: Zu wessen Nutzen? Frage eins ist einfach: Weil die Große Koalition sich selbst nicht mehr leiden kann. Weil sie sich satt hat. Die Frage nach dem Nutzen ist komplexer. So viel steht fest: Den beiden großen Volksparteien nutzt die Debatte nicht. Wer zusammen regiert und sich nach anderen Partnern sehnt, verliert Rückhalt bei den Wählern. Außerdem schafft ein solcher Anstoß Abneigungen und Gelüste in den eigenen Reihen, und Abneigungen versus Gelüste bedeutet im Ergebnis Streit. Streit findet der Wähler schlecht.

Wer bei dieser Debatte gewinnt, sind die Grünen. Denn im Kern geht es um die Leitrolle der Oppositionsparteien. Und da heißt die Bilanz solcher Farbenspiele: Die Grünen gewinnen sehr, die Linken ein bisschen (an Salonfähigkeit), die FDP verliert. Die Liberalen sind im Begriff, ihre natürliche Rolle des Kanzlermachers zu verlieren. Sie sind im Unterschied zu den Grünen nur in zwei von drei Dreiervarianten vertreten, die Grünen in jeder. Dreiervarianten sind die einzige Alternative zur Großen Koalition bei parlamentarischer Existenz der Linken. Die Grünen sind als Dreh- und Angelpunkt von Dreierbünden, so wie es früher die Liberalen in den zwei denkbaren Zweierbünden waren.

Die Grünen gewinnen derzeit auch das Duell mit der FDP im Ringen um die bessere solide Langeweile. Richtig was los ist nur bei der Linkspartei, die es zuletzt schaffte, den FDP-Parteitag komplett zu überlagern und selbst Lautsprecher Westerwelle zum Verstummen zu bringen. Das Fundament der Grünen ist stabiler, weil sie weniger auf Leihstimmen angewiesen sind als die FDP. Deren Zwischenhoch scheint vorbei zu sein.

Zwischen Gelb und Grün geht es in den kommenden Monaten darum: Wer wird bei einem Dreierbündnis das fünfte Rad am Wagen, der Wurmfortsatz? Rot-Grün wird von den Grünen als Favorit behandelt werden, um so dem Rot-Gelb-Gefühl eines Kurt Beck etwas entgegenzuhalten. Darüber hinaus werden die Grünen danach trachten, in der Jamaika-Option nicht wie der grüne Wimpel an Schwarz-Gelb auszusehen.

Die Weichen werden bei der Bundespräsidentenwahl gestellt - falls Köhler auf eine zweite Amtszeit verzichtet. Mit Wolfgang Gerhardt könnte die FDP anmarschiert kommen, mit Joschka Fischer die Partei der Grünen. Das wäre eine echte Alternative.

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(SZ vom 2.7.2007)