Neue Enthüllungen aus Snowden-Dokumenten NSA sammelte fast 200 Millionen SMS pro Tag

Der US-Geheimdienst hat nicht nur Anrufe, sondern auch Millionen SMS-Nachrichten überwacht. Das geht dem "Guardian" zufolge aus weiteren Snowden-Geheimdokumenten hervor. Mit den gewonnenen Informationen wird es für die NSA noch leichter, Personen langfristig zu überwachen.

Einem neuen Medienbericht zufolge hat die NSA fast 200 Millionen SMS-Nachrichten pro Tag gesammelt. Das gehe aus einem Dokument aus dem Jahr 2011 hervor, berichtet die britische Zeitung Guardian am Abend unter Berufung auf geheime Dokumente des Whistleblowers Edward Snowden.

Das Programm mit dem Namen "Dishfire" sammele wahllos "so ziemlich alles, was es kann", zeigten Papieren des britischen Partnerdienstes GCHQ. Einer Präsentation des Nachrichtendienstes zufolge seien im April 2011 im Schnitt täglich 194 Millionen Textnachrichten gesammelt worden.

Der Guardian hat Teile der Präsentation veröffentlicht. Dort ist nachzulesen, wieso das Handy für die NSA so wichtig ist. Die Antwort liegt in Zahlen: 77 Prozent der Weltbevölkerung verfüge über Handyverträge, also 5,3 Milliarden Menschen. Dazu komme, dass viele Menschen nur über ihr Handy ins Internet gehen und beispielsweise auf Facebook surfen.

SMS sei Teil dieser Art von Kommunikation, 2010 wurden 200.000 Textnachrichten pro Sekunde verschickt. In Worten der NSA-Präsentation ist die "SMS immer noch der König des Nachrichtenverschickens per Handy." Die Präsentation zeigt vor allem eines: Die NSA nimmt, was sie kriegen kann.

In den SMS sind für die Geheimdienste eine ganze Reihe wertvoller Informationen enthalten. Neben persönlichen Gesprächen nutzen viele Handybesitzer Online-Banking-Verfahren, bei denen Informationen über Zahlungsvorgänge per SMS verschickt werden. Bei jedem verpassten Anruf werden SMS-Benachrichtigungen verschickt, ebenso wenn der Nutzer das Land verlässt und sich per Roaming in ein fremdes Netz einwählt.

Außerdem enthalten die Metadaten einer SMS, wie es in der Präsentation heißt, die Telefonnummern von Sender und Empfänger, sowie die sogenannte IMEI-Nummer. Über diese weltweit einzigartig vergebenen Codes lassen sich Smartphones und andere Handys eindeutig identifizieren - und erkennen, wenn in diesem Gerät plötzlich eine andere SIM-Karte und neue Telefonnummer genutzt wird. Mit diesen Informationen wird es für die Geheimdienste ein Leichtes, bestimmte Personen langfristig zu überwachen.

Nach Informationen des Guardian werden die SMS nicht einfach nur gespeichert, ein weiteres Programm mit dem Namen "Prefer" wertete die Daten systematisch aus. So filterten die Geheimdienste aus den Kurznachrichten Informationen etwa über Reisepläne, Adressbücher oder Finanz-Transaktionen heraus, so der Guardian. Außerdem gäben zum Beispiel Benachrichtigungen über entgangene Anrufe Informationen über den Bekanntenkreis eines Nutzers.

So habe die NSA zum Beispiel täglich mehr als fünf Millionen Benachrichtigungen über entgangene Anrufe und mehr als 1,6 Millionen Überschreitungen von Ländergrenzen erfassen können.