Nelson Mandela und der Westen Angst vor dem "schwarzen Terroristen"

Britische konservative Abgeordnete nennen ihn in den Achtzigern noch den "schwarzen Terroristen": Nelson Mandela und seine damalige Frau Winnie im Jahr 1990 nach seiner Freilassung aus der Haft im Fußballstadion von Soweto vor 100.000 Anhängern

Ronald Reagan sprach sich gegen Nelson Mandelas Freilassung aus, Franz Josef Strauß begeisterte sich für die Rassentrennung. Konservative Politiker im Westen taten sich lange Zeit schwer mit der Gleichberechtigung der Schwarzen in Südafrika - und mit deren bekanntestem Verfechter.

Von Johannes Kuhn

Ein Winterabend im Jahr 1988: Seit einem Vierteljahrhundert sitzt Nelson Mandela bereits in Haft, trotz aller Bemühungen um seine Freilassung und ein Ende der Apartheid bleibt Südafrikas weiße Regierung stur. Bei einem Dinner mit der Polit-Elite des Landes platzt dem Gast aus Deutschland der Kragen. "Nie in meinem 40-jährigen politischen Leben habe ich eine so ungerechte und unfaire Behandlung eines Landes erlebt, wie sie Südafrika widerfährt", wettert der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß.

Ein Plädoyer für die Öffnung des Landes? Ein Affront vor 500 Gästen? Das genaue Gegenteil. Strauß verteidigt die weiße Regierung des Landes. "Da dröhnt die Halle vom Beifall starker Burenhände. Selbst alten Herren laufen Tränen über die Wangen", schildert Spiegel-Journalist Jürgen Leinemann später süffisant die Szene.

Der bayerische Ministerpräsident ist in Südafrika schon lange ein gern gesehener Gast. Anders als der liberale Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher hat er Verständnis für die Unterdrückung der schwarzen Mehrheit durch die weiße Bevölkerung. Nicht, dass er die Apartheid befürworten würde - für ihn existiert sie nicht. Es sei schlicht "unzulässig, schlechterdings vom Apartheidsystem zu sprechen", schreibt er einmal an seinen CDU-Kollegen Helmut Kohl. In den Sechzigern lobt er die "hohe religiöse und moralische Verantwortlichkeit" der politischen Führung als mögliches "Modellbeispiel" für die Welt.

Strauß, als bayerischer Landeschef stets auch Außenpolitiker mit eigener Agenda, treibt dabei nicht nur seine Vorliebe für autoritäre Herrschaftsformen an. Vielmehr lassen sich mit den Südafrikanern gute Geschäfte machen. 1983 will Strauß der südafrikanischen Regierung U-Boote verkaufen. Weil jedoch ein internationales Embargo existiert, wird getrickst: Südafrika bestellt ein Kreuzfahrtschiff, Diplomaten schmuggeln aber auch Blaupausen für Untersee-Boote ins Land. Die "U-Boot-Affäre" beschäftigt jahrelang einen Untersuchungsausschuss im Bundesstag.

Kämpfer für die Freiheit

mehr...

"Schwarzer Terrorist"

Der Afrikanische Nationalkongress (ANC) und sein inhaftierter Chef Mandela gelten in den Achtzigern nicht nur für Strauß als eine unwillkommene Bedrohung des Status quo. Seit den Jugendaufständen von Soweto 1976 ist der Ruf der Apartheid-Regierung zwar ruiniert, doch auf politischer Ebene wehren sich gerade Konservative gegen einen Kurswechsel.

Diese Politik treibt bisweilen bizarre Blüten: Als internationale Stars 1988 in London ein elfstündiges Geburtstagskonzert für Mandela organisieren, blendet der Bayerische Rundfunk die Übertragung als einziges drittes Programm mehrere Stunden aus, stattdessen läuft eine Wiederholung der Lindenstraße. Die BBC wiederum muss sich für ihre Live-Berichterstattung von konservativen britischen Politikern vorwerfen lassen, Aktivismus zu betreiben.