Nebenverdienst von Peer Steinbrück Reisender in eigener Sache

Hier ein Buch mit dem Altkanzler, da ein Vortrag bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Peer Steinbrück hat ganz schön viel zu tun, wenn er nicht gerade im Bundestag sitzt. Und es lohnt sich: Der SPD-Politiker gehört zu den Topnebenverdienern im Deutschen Bundestag. Das weiß auch der politische Gegner.

Von Thomas Öchsner, Berlin

Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ist ein viel beschäftigter Mann. Wenn er nicht gerade die Belange des Volkes im Parlament vertritt oder Bücher schreibt, ist der frühere Bundesfinanzminister gerne als Vortragsreisender unterwegs. In dieser Legislaturperiode war er schon bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall, der französischen Großbank BNP Paribas, beim Bundesarbeitgeberverband Chemie oder der Deutschen Bank. Wenn es gewünscht wird, macht es Steinbrück aber auch eine Nummer kleiner und redet bei der Alliance Möbel Marketing GmbH & Co. KG in Rheinbach oder bei der bbg Betriebsberatung in Bayreuth.

Gut 70 Vorträge mit einem Honorar von jeweils mehr als 7000 Euro hat Steinbrück in dieser Legislaturperiode gehalten. Wie viel er genau bekommen hat, ist nicht bekannt. Bundestagsabgeordnete müssen bezahlte Nebentätigkeiten angeben, dabei aber nur die Gehaltsstufen veröffentlichen.

[] Stufe eins sind Einkünfte über 1000 bis 3500 Euro brutto,

[] Stufe zwei Einkünfte bis 7000 Euro,

[] Stufe drei Einkünfte mit mehr als 7000 Euro.

Der SPD-Politiker hat demnach seit 2009 genau 89-mal in einer der drei Kategorien kassiert. Er dürfte so deutlich mehr als 500.000 Euro eingenommen haben. Steinbrück gehört damit zu den Topnebenverdienern im Parlament.

"Von einiger Selbstverachtung durchdrungen"

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Das liegt auch an einer anderen lukrativen Nebentätigkeit. Der SPD-Hoffnungsträger, der Gewerkschaftsmitglied bei der IG Bergbau, Chemie, Energie ist, saß bis Montag im Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp - für die Kapitalseite. Aus dem Vergütungsbericht des Industriekonzerns geht hervor, dass Mitglieder des Aufsichtsrats Grundbezüge von 50.000 Euro im Jahr erhalten. Hinzu kommen erfolgsabhängige Tantiemen, die von der Dividende und vom langfristigen Erfolg des Unternehmens abhängen.

Steinbrück kam so im Geschäftsjahr 2010/2011 auf eine Gesamtvergütung von 67.038 Euro. Viel weniger Geld oder gar nichts gibt es offenbar bei Borussia Dortmund, dem einzigen deutschen Fußballklub, der an der Börse notiert ist. Für seine Tätigkeit als Aufsichtsrat hat der SPD-Politiker hier nicht einmal die Stufe 1 angegeben.

Hinzu kommt das, was Steinbrück im Handbuch des Deutschen Bundestags "publizistische Tätigkeiten" nennt. Sein Buch "Unterm Strich", in dem er auf seine Amtszeit zurückblickt und sich als kompetenten Krisenmanager darstellt, stand seit September 2010 mehrmals auf der Bestseller-Liste des Spiegels. Das gilt auch für den Titel "Zug um Zug", in dem der Diplom-Ökonom mit Altkanzler und Parteifreund Helmut Schmidt über die politischen Weltläufe philosophiert.

Auf dem Internetportal abgeordnetenwatch.de hat am Wochenende deshalb bereits ein besorgter Bürger Steinbrück gefragt, wie er bei so hohen Nebeneinkünften seine Unabhängigkeit als Volksvertreter garantieren wolle. Eine Antwort hat er noch nicht gegeben. Und auch von der politischen Konkurrenz kommen kritische Töne: CSU-Chef Horst Seehofer legt dem SPD-Kanzlerkandidaten nahe, für Transparenz zu sorgen. "Für Nebeneinkünfte gibt es im Bundestag klare Regeln. Wer Transparenz von anderen, etwa von den Banken einfordert, muss sich daran messen lassen und darf sich auch nicht wundern, wenn sie von ihm persönlich eingefordert wird", sagte Seehofer der Bild-Zeitung.

Steinbrück kündigte dagegen im ZDF an, seinen Einkommensbescheid nicht zu veröffentlichen. Zu den Vorträgen sei er "von Unternehmen gebeten worden, die Gewinne erzielt haben", sagte Steinbrück am Montagabend in der ZDF-Sendung "Was nun?". Von Vereinen, von ehrenamtlichen Organisationen, Schulen und Universitäten nehme er für seine Vorträge kein Geld. "Und was ich spende von dem Honorar, geht niemanden etwas an", sagte der 65-Jährige.

Gegen die Veröffentlichung seines Einkommensbescheids spreche auch, dass er mit seiner Frau zusammen veranlagt werde. "Und ich werde meine Frau immer schützen im Hinblick darauf, was privat bei uns an Vermögens- oder Einkommenssituation vorliegt." Auch brauche niemand zu wissen, wie viel er an einem Buch verdiene, für das er lange gearbeitet habe, meinte Steinbrück. Er will allerdings ab sofort wegen seiner Kandidatur keine honorarpflichtigen Vorträge mehr halten.

Mit Material von dpa und dapd.