Aus der veröffentlichten Liste gehen interessante Informationen über die Nebeneinkünfte von Bundestagsabgeordneten hervor. Doch Jochen Bäumel von Transparency International glaubt nicht, dass die Liste vollständig ist - und alle Parlamentarier ehrlich waren.
sueddeutsche.de: Das Verfassungsgericht hat die Klage von neun Parlamentariern abgewiesen: Die Nebeneinkünfte der Bundestagsabgeordneten sind nun frei für jedermann unter www.bundestag.de einsehbar. Was ist von dieser Liste zu halten?
Jochen Bäumel von Transparency International - Deutschland bleibt skeptisch: Die Angaben der Abgeordneten könnten noch nicht vollständig sein. Hier müsse der Bundestagspräsident tätig werden. (© Foto: Transparency International)
Anzeige
Jochen Bäumel: Zunächst sind wir froh, dass das Gericht sich so entschieden hat. Ein Blick auf die jetzt zugänglichen Nebeneinkünfte zeigt auch, dass in manchen Fällen sehr wohl Unregelmäßigkeiten bestehen.
Ich habe die Liste angesehen und mir fiel eine ganze Reihe von Rechtsanwälten, aber auch Unternehmern auf, deren Angaben offensichtlich den Anforderungen des Gesetzes nicht genügen - die ihre Einkünfte also nicht pflichtgemäß angaben.
Ich kann mir bei einigen schlichtweg nicht vorstellen, dass sie Einkünfte unter tausend Euro haben. Erklären lässt es sich vielleicht so: Sie dachten wohl, das Bundesverfassungsgericht würde der Klage zustimmen, und machten nur vorsichtshalber unzureichende Angaben zu ihren Nebeneinkünften. Ich kann nur hoffen, dass diese Angaben bald ergänzt werden.
sueddeutsche.de: Nennen Sie uns konkrete Beispiele?
Bäumel: Ich möchte die Abgeordneten nicht öffentlich an den Pranger stellen. Jeder kann sich die Liste anschauen und wird sich dann zwangsläufig die Frage stellen: Kann das sein - oder kann das nicht sein? Allerdings gibt es für den Fall, dass die Angaben nicht korrekt und unvollständig sind, natürlich Sanktionsmöglichkeiten. In den Ausführungsbestimmungen ist vermerkt, dass der Präsident (der Bundestagspräsident Norbert Lammert, d. Red.) tätig werden muss, sollte es Anhaltspunkte für eine Pflichtverletzung geben. Und diese Anhaltspunkte gibt es, das kann jeder sehen.
sueddeutsche.de: Es gab aber auch Kritik an der Regelung. Zu unklar sei, welche Nebeneinkünfte auf welche Weise offengelegt werden müssten. Ist diese Kritik berechtigt?
Bäumel: Weil das jetzt bestehende System ein Kompromiss ist, kann man daran natürlich Kritik üben. Wir hatten ursprünglich genaue, ganz konkrete Angaben gefordert, wie sie in den Niederlanden vorgelegt werden müssen. Das war nicht möglich in Deutschland. Doch wir sind zufrieden und unterstützen die Regelung, die wir hierzulande erreicht haben. Ein bisschen mehr Klarheit und Transparenz ist damit sicherlich schon gewonnen. Das ist der erste Schritt - er ist zwar nicht perfekt, aber ein Schritt in die richtige Richtung.
sueddeutsche.de: Ist der pauschalen Verurteilung der Parlamentarier nun nicht Tür und Tor geöffnet?
Bäumel: Das kann ich nicht nachvollziehen. Alle Einkünfte werden in drei Stufen angegeben. Es wird angegeben, wo diese verdient werden und wie die Abgeordneten zu ihnen kommen. Jeder kann das nachlesen. Ein Pauschalverdacht ist überhaupt nicht gerechtfertigt. Dass dieser überhaupt im Raume steht, liegt an der mangelhaften Umsetzung der Regelung.
sueddeutsche.de: Werden sich jene Parlamentarier mit zahlreichen Nebeneinkünften in Zukunft wegen der Pflicht zur Offenlegung - von der Politik abwenden?
Bäumel: Ich glaube nicht. Diesen Pseudo-Nachteil, der den Freiberuflern unter den Abgeordneten durch die Offenlegung entstehen soll, kann ich nicht erkennen. Auch die Äußerungen aus dem Bundesverfassungsgericht sprechen diese Sprache: Die Nachteile, die man eventuell konstruieren könnte, ließen sich leicht aufwiegen mit den Vorteilen, die beispielsweise die Anwälte davon haben, dass sie zugleich auch Abgeordnete sind.
Jochen Bäumel ist Mitglied des Vorstands von Transparency International - Deutschland.
(sueddeutsche.de)
UN-Tourismusorganisation
Aus verdeckter Korruption wurde nun offene Korruption.
Hr. Bäumel mag nicht prangern, ich hingegen schon.
Ein Beispiel: der Klever MdB Friedhoff (FDP). Als Geschäftsführer der Bruker-Quantron GmbH verdient er, den eigenen Angaben gemäß, unter 1.000 Euro pro Jahr. Das kann doch nur möglich sein, wenn man einen "leistungsbezogenen Vertrag mit hoher Variabilität" hat, sprich nur per Gewinnbeteiligung (Tantiemen, Boni, etc.) entlohnt wird. Die Jahresausbeute spricht also dafür, dass diese Firma derart schlecht läuft, dass man dem Chef noch nicht einmal den H4-Satz zahlen kann. Soweit, so leistungsschwach.
Als Beirat ebendieser Firma kassiert Friedhoff jedoch mind. das 7fache seines GF-Gehalts, nämlich die Stufe 3.
Das eröffnet den Weg für weitere Interpretationen. Zum Beispiel, dass Friedhoff keine Sozialabgaben für sein Kirchenmausgehalt abführt, sondern diese auch umgeht, indem er eine Rechnung für Beratertätigkeit schreibt (gemäß seiner Beiratsfunktion). Man muss auch hinterfragen, warum ein Geschäftsführer gleichzeitig Beirat des eigenen Ladens ist. Weiß er als Beirat mehr als in seiner Funktion als Geschäftsführer?
Straightflush: Ich geh mal davon aus daß unserer MdBs in Deutschland ihre Steuer zahlen. Wer es Glaubt wird selig.
Ich bin dafür, das Politiker recht viele Nebenjobs haben und dabei sehr viel verdienen.
Dieses Einkommen ist jedoch während ihrer politischen Tätigkeit dem Staate, also dem Finanzamt zu überwiesen. Ich Glaube es werden dann sehr wenige noch einen Nebenjob haben. Leider auch nicht zu realisieren, Politiker beschließen die Gesetze und wer gibt schon gerne etwas ab. Und wenn doch, dann gibt es halt Strohmänner / -frauen. Politiker sind einfallsreich, besonders wenn es sich um ihr Wohl geht.
... könnte dies doch überprüfen. Bei jedem Bafögantrag o.ä. wird auch mein gesamtes Vermögen und meine Einkünfte gecheckt. Warum soll das hier nicht gehen. Ich geh mal davon aus daß unserer MdBs in Deutschland ihre Steuer zahlen.
Na dann guckt mal in den Plenarsaal des Bundestages, wo die lieben Abgeordneten so sind. Da müssen viele Kollegen wohl viele Nebentätigkeiten ausüben, sonst hätten die mal Zeit Sitzungen/Debatten zu besuchen.
Wenn ich von meinem Arbeitgeber schon Gehalt verlange, will der auch, dass ich vorort bin.
Bürgernähe oder Vertrauen erzeugt weder das Verhalten so manchen Abgeordneter noch die Veröffentlichung der Nebeneinkünfte in drei vagen Stufen.
PS: Warum heisst das eigentlich Nebeneinkünfte? Ich denke dass für einige Kollegen die Entlohung Ihres Mandats eine Nebeneinkunft darstellt.
Werdet endlich wach versucht auch mal Eure Wähler bzw. Steuer- und Gehaltszahler ernster zu nehmen.
Paging