Nazi-Motive auf Briefmarken Braune Post

Es ist als netter Service gedacht: Seit kurzem können Postkunden personalisierte Briefmarken versenden. Doch so kamen Briefe mit dem Konterfei des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß in Umlauf.

Die Deutsche Post dachte wohl vor allem an Blumenmotive und Familienbilder, als sie ihren "Plusbrief Individuell" einführte: Mit diesem Service können Kunden seit kurzem im Internet Briefmarken personalisieren und so ihre Post nach Lust und Laune verzieren. Doch einem Bericht der Berliner taz zufolge haben auch Neonazis das Angebot für sich entdeckt und Briefe mit dem Konterfei des einstigen Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß verschickt.

Der verurteilte Kriegsverbrecher wird seit seinem Selbstmord in einem Berliner Gefängnis 1987 in der Szene als Märtyrer verehrt. Dass sein Gesicht nun, fast pünktlich zu seinem 114. Geburtstag, auf Briefen der Deutschen Post erschien, wird in der aktuellen Ausgabe der NPD-Monatszeitung Deutsche Stimme freudig aufgegriffen - und mittlerweile von der Post mit Bedauern bestätigt.

Leider ja, "trotz Kontrollmechanismen"

"Ja, wir haben diese Briefe mit einem Konterfei von Rudolf Heß ausgeliefert", sagte Pressesprecher Dirk Klasen der taz, "leider, trotz Kontrollmechanismen". Denn die gibt es. Zwar ist es für Kunden möglich, Motive aus dem eigenen Bildarchiv hochzuladen und zu verwenden, doch bevor die Ergebnisse an den Kunden verschickt werden, prüfen Mitarbeiter der Deutschen Post die Umschläge.

Auf Nachfrage von sueddeutsche.de versucht Klasen zu erklären, wie es dennoch zu den Heß-Briefen kommen konnte. Bei einem Angebot wie dem "Plusbrief Individuell" werde es "keine 100-prozentige Sicherheit geben".

Man könne schließlich "keine Expertengruppe von 500 Leuten beschäftigen", um das Produkt zu betreuen und jedes von Kunden gewählte Motiv im Detail zu prüfen.

Außerdem seien von den Briefen mit Heß-Abbild "nur 20 Stück in Umlauf gekommen, zum Glück". Das Ganze sei also letztlich "kein Drama", der Service an sich laufe "in den allermeisten Fällen problemlos".