Kaum hat die Föderalismuskommission II ihre Arbeit aufgenommen, gibt es bereits handfesten Streit über die künftige Verteilung der Steuergelder in Deutschland. So schlug der designierte Hamburger SPD-Spitzenkandidat Naumann vor, die Hilfszahlungen an den Osten zu überdenken - und bekam prompt prominenten Widerspruch.
Michael Naumann, dessen Kandidatur bei den Hamburger Bürgerschaftswahlen 2008 noch von einem Landesparteitag bestätigt werden muss, stellte in einem Spiegel-Interview den Solidarpakt II und den Länderfinanzausgleich in Frage. "Die Transferleistungen von bis zu 80 Milliarden Euro jedes Jahr in die neuen Länder können langfristig kein Tabu mehr bleiben", sagte der frühere Kulturstaatsminister. Darüber müsse eine Diskussion möglich sein: "Nichts ist in Beton gegossen in der Politik. Schon gar nicht bis 2019."
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Will für Hamburgs SPD 2008 das Rathaus erobern: Michael Naumann (© Foto: ddp)
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Dem widersprachen mit Nachdruck der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU), CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla und auch die Bundesregierung.
Oettinger, der die Föderalismuskommission II zusammen mit dem Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Peter Struck, leitet, wies die Überlegungen Naumanns zurück. Der Solidarpakt für Ostdeutschland laufe noch zwölf Jahre, "ihn zu kündigen, wäre vertragswidrig", sagte Oettinger im Südwestrundfunk. Zugleich kündigte er eine Ergänzung des Länderfinanzausgleichs durch neue Mechanismen an.
Pofalla erklärte in Berlin, die CDU werde ihre Solidarität mit den Menschen in den neuen Bundesländern nicht aufgeben. "Wer wie Naumann die Axt an den Solidarpakt legt, offenbart sich als Spalter unserer Gesellschaft. Wie Naumann in Hamburg mit populistischen Parolen Wahlkampf machen will, ist schlicht unsozial", sagte der CDU-Generalsekretär.
Hauptproblem Neuverteilung der Steuereinnahmen
Auch von der Bundesregierung wurden Naumanns Äußerungen zurückgewiesen. Der Sprecher des für die neuen Länder zuständigen Bundesverkehrsministeriums sagte in Berlin, es gebe keinen Grund, den Solidarpakts II in Frage zu stellen. Er sei mit Zustimmung der Länder beschlossen worden, und der Bund stehe zu seinen Verpflichtungen. "Ausgerechnet Hamburg, das zu den wohlhabenden Ländern gehört, sollte nicht einen bis 2019 vereinbarten Vertrag zur Disposition stellen", sagte der Sprecher.
Die Föderalismuskommission soll die Finanzbeziehungen von Bund und Ländern sowie der Länder untereinander neu ordnen.
In der ersten Sitzung der Kommission am Freitag in Berlin ist nach den Worten Oettingers deutlich geworden, dass der gute Wille aller Beteiligten generell vorhanden ist. Nach Einschätzung des CDU-Politikers wird das größte Problem die Neuordnung der Steuereinnahmen sein.
Bundestagspräsident Norbert Lammert warnte indessen die beteiligten Länder davor, die Kommissionsmitglieder zu Beginn mit Maximalforderungen zu konfrontieren.
Unter Verweis auf Forderungen nach einem generellen Verschuldungsverbot oder nach einer Verringerung der Zahl der Bundesländer sagte Lammert in einem Interview der Leipziger Volkszeitung: "Bestimmte Lösungen mögen sehr nahe liegend erscheinen. Macht man sie aber zur Auftakt-Bedingung, ist das die sicherste Methode, die Erfolglosigkeit der Kommissionsarbeit zu programmieren."
(AP)
Bundespräsident Gauck
Deutschland ist ohnehin von einer Ideologie beseelt, die Gleichmacherei als oberstes Gebot anstrebt. Aus dieser Optik ist es wohl angebracht, dass diese Ausgleichszahlungen bis ans Ende der Tage überwiesen werden.
Andererseits ist es natürlich ein Witz, diese Gelder ohne jegliche Auflagen und Nachkontrolle quasi den Leuten in die Tasche zu stopfen, damit diejenigen, die dort noch verblieben sind, ihr seliges Sowjetleben weiterführen können. Früher kam das Geld aus Moskau und seither eben aus Bonn/Berlin.
Da Wettbewerb in Deutschland politisch gesehen ein Unwort ist, darf man diese Einstellung den Ostdeutschen eigentlich gar nicht verargen.
Günther Oettinger ist der Hauptgegner der jetzigen Finanzausgleichs der Länder. Ihm glaubt nun wirklich keiner, wenn er auf Naumanns Vorschlag kontert. Aber das Heucheln kennen wir doch von den "sogenannten" christlichen Parteien. Da ist nur der Judenvermächtnis- parteispendentrickser Roland Koch noch`n Tick besser.
Eine Erkenntnis darf man getrost mitnehmen. Michael Naumann weis, wie man bundesweit Schlagzeilen produziert und so den eigenen Bekanntheitsgrad steigert. Wenn er gegen den
smarten aber politisch blasse Ole van Beust mit dieser katastrophalen Hamburger SPD eine Chance haben will, muss er alle Gelegenheiten dazu nutzen.
Über Sinn und Unsinn der Äußerung von Michael Naumann mag man ja unterschiedlicher Meinung sein. Sicherlich sollte auch auf den Grundsatz "pacta sund servanda" mit Nachdruck verwiesen werden, aber was der Ministerpräsident Oettinger vom Stapel läßt,kann nur mit der charakterlichen Deformation süddeutscher Politiker erklärt werden.
Dieser Typ, der lieber heute als morgen die Zahlungen einstellen würde, andere Ausgleichszahlungen sogar als Druckmittel zum Durchsetzen für sein größenwahnsinniges Projekt "Stuttgart 21" einsetzt, geriert sich hier als großer Bundesdeutscher und Fan der neuen Bundesländer.
Unerträglich, aber "DEUTSCHE Wirklichkeit"!