Nato Von der Leyen beschwört in Litauen Stärke der Nato

Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaitė und Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen mit Soldaten der Bundeswehr.

(Foto: dpa)
  • Im litauischen Rukla sind die ersten Soldaten des Nato-Bataillons zur Abschreckung des Nachbarlandes Russland eingetroffen.
  • Verteidigungsministerin von der Leyen macht bei einer Stippvisite klar, dass die Nato ihre Mitgliedsstaaten schützen werde.
  • Ihre Botschaft richtet sich nicht so sehr nach Moskau wie nach Washington - an US-Präsident Donald Trump.
Von Christoph Hickmann, Rukla

Was die Nato am Dienstagmittag vorführt, ist schon eine besondere Form von Tapferkeit. In Rukla, Litauen, ist es nicht nur kalt, sondern sehr kalt, wohl zweistellig unter Null, und auf dem Appellplatz der Kaserne zieht es auch noch gewaltig. Doch die Soldaten aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden und anderen Nationen stehen unbewegt da, Minute um Minute, lassen die Zeremonie über sich ergehen, eine Rede nach der anderen, wobei die letzte, gehalten von einem italienischen General, besonders lang ausfällt. Die Soldaten harren aus. Was bleibt ihnen auch übrig, schließlich geht es in den Reden um Dinge wie Freiheit, Frieden, Unabhängigkeit. Da muss man schon mal ein paar steifgefrorene Zehen in Kauf nehmen.

Im Sommer sollen in Litauen 1000 Soldaten stationiert sein

Was hier auf dem Appellplatz in Rukla läuft, ist die Begrüßungszeremonie für eine multinationale Battle Group, ein Bataillon, das sich aus Soldaten verschiedener Streitkräfte zusammensetzt. Das Ganze ist Teil der sogenannten "enhanced Forward Presence", jener verstärkten vorgeschobenen Präsenz der Nato, die gemäß den Beschlüssen ihres Gipfels im vergangenen Jahr in Warschau derzeit vier solcher Battle Groups in den baltischen Staaten und in Polen aufstellt. In Litauen hat Deutschland die Führung des Verbands übernommen, weshalb Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nach Rukla gereist ist und gemeinsam mit Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaitė diejenigen Soldaten begrüßt, die schon da sind.

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Bislang sind es gut 130 deutsche Soldaten, etwa 100 belgische und 17 aus den Niederlanden. Der Verband soll nun wachsen und im Juni voll einsatzbereit sein. Dann sollen hier insgesamt mehr als 1000 Soldaten zeitweise stationiert sein, von denen die Bundeswehr etwa 450 stellen wird. Den Kern stellt ein Panzergrenadierbataillon aus Oberviechtach, Bayern. Noch im Februar wird die Ankunft deutscher Kettenfahrzeuge erwartet, am Ende sollen es 20 Schützenpanzer des Typs Marder und sechs Kampfpanzer Leopard 2 sein.

Wozu das alles? Daran lässt Litauens Präsidentin Grybauskaitė in ihrer Rede keinen Zweifel. Was hier heute zu sehen sei, sagt sie zu den angetretenen Soldaten, sende eine "klare und wichtige Botschaft an alle": Die Nato sei stark und stehe zusammen. Gegen wen? Von einer "aggressiven Militarisierung" der Region um Kaliningrad spricht die Präsidentin später vor der Presse. Und die "Aggression" in der Ukraine zeige, dass Frieden und Sicherheit nicht selbstverständlich seien. Man müsse bereit sein, sie zu verteidigen.

Die Verbände hätten keinerlei Chance gegen einen russischen Verstoß

Litauen ist seit Längerem in Sorge. Russlands Gebaren auf der Krim und im Osten der Ukraine hat die baltischen Staaten in einen Zustand dauerhafter Nervosität versetzt. Mit der Präsenz von Nato-Truppen an der Nordostflanke des Bündnisses bekommen sie nun, was sie immer wieder gefordert hatten: eine sichtbare Absicherung der Verbündeten - auch wenn je-dem klar ist, dass diese Verbände keinerlei Chance hätten, einen ernsthaften russischen Vorstoß aufzuhalten. Stattdessen geht es viel um Symbolik: Die Präsenz der Partner, sagt Grybauskaitė, symbolisiere die Bereitschaft, "uns zu verteidigen".

Immer wieder wird diese Bereitschaft in Rukla beschworen. Verteidigungsministerin von der Leyen geht in ihrer Rede auf die Geschichte des Landes ein, dem immer wieder die Freiheit genommen worden sei, von sowjetischen, deutschen und wieder sowjetischen Besatzern. Dann sagt sie: "Litauen wird nie wieder allein stehen." Und: "Wir stehen zusammen, damit die Litauer ohne Angst leben können."

Die Botschaft des Tages soll vor allem in Washington gehört werden

Tatsächlich hat die Vorstellung deutscher Panzer in Litauen auch mehr als sieben Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg einen seltsamen Beigeschmack. Entsprechend sollen die deutschen Soldaten vor ihrem Einsatz mit der Geschichte vertraut gemacht werden. Doch von der Leyen geht es in Rukla vor allem um die Gegenwart. "Das, was wir heute sehen, das ist Nato", sagt sie. Man sehe, "dass wir jederzeit bereit sind, füreinander einzustehen".

Je häufiger sie diese Sätze in diversen Variationen wiederholt, desto klarer wird, dass die Botschaft dieses Tages nicht nur in Moskau gehört werden soll - sondern vor allem in Washington, wo nun ein Präsident regiert, von dem man noch nicht genau weiß, was ihm die Nato wert sein wird. Von der Leyen macht jedenfalls klar: "Wir sind entschlossen, Litauen zu schützen."

Das klingt dann fast schon so, wie bislang immer die Amerikaner geklungen haben, wenn es um Europa ging. Stellt sich da jemand auf eine neue Rolle ein? Es sei "klar, dass Europa in seine Fähigkeiten mehr investieren muss", sagt von der Leyen. Am Freitag allerdings will sie erst einmal ihren neuen Kollegen in Washington treffen. Sie habe keinen Zweifel an dessen "unverbrüchlicher Treue zur Nato". Ohne die Amerikaner wird es im Nato-Ostgebiet auch künftig nicht gehen.

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