Obama - am Vormittag in Straßburg angekommen - muss sich beim Nato-Gipfel auf schwierige Debatten einstellen. Die USA fühlen sich beim Afghanistan-Einsatz im Stich gelassen.
Der Zustand jeder Beziehung lässt sich bekanntlich daran ablesen, wie viel die Partner sich noch zu sagen haben. Oder eben nicht: Wo Schweigen herrscht, so das psychologische Einmaleins, ruft die Krise.
US-Präsident Obama und Frankreichs Präsident Sarkozy mit ihren Ehefrauen beim Empfang im Palais Rohan in Straßburg. (© Foto: Reuters)
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Gemäß dieser Regel deutet Karen Donfried, Vize-Direktorin des German Marshall Fund in Washington, die alliierten Rituale zwischen Europa und Amerika. Die Europa-Expertin erzählt mit süffisantem Lächeln, wie ihr dieser Tage französische und deutsche Spitzendiplomaten unisono versicherten, niemand aus der Obama-Regierung habe Paris oder Berlin je gedrängt, eilig mehr Soldaten für den Nato-Kampfeinsatz in Afghanistan zu entsenden.
Das, da ist sich Donfried sicher, sei nun wirklich ein Alarmzeichen: "Warum bittet die US-Regierung nicht um mehr Truppen? - Weil sie längst die Antwort kennt! " Eben das Abwinken, das Non wie das Nein. Also fragt Washington nicht und schweigt.
Obama in Harmonie mit Europa
Obamas PR-Berater wollen des Präsidenten ersten Großauftritt auf internationaler Bühne in Harmonie mit Europa inszenieren - und in Kontrast zu dem miesen Renommee, das George W. Bush in der Alten Welt genoss. Also muss Obamas Sicherheitsberater Jim Jones sich selbst verleugnen: Fast vier Jahre lang hatte der pensionierte General als Nato-Oberbefehlshaber die Europäer einst bekniet, endlich mehr Mann und Gerät nach Afghanistan zu entsenden.
Nun, als Obamas nationaler Sicherheitsberater, erinnert er sich eher gequält an die Diskussionen, in denen es "meist um Truppen und Helikopter und Verstärkungen ging". Zwar sei die militärische Seite des Einsatzes weiterhin "eine wichtige Säule", aber Washington würde sich ebenfalls freuen, wenn die europäischen Verbündeten nun beim Training der afghanischen Polizei und Armee aushelfen könnten, in der Verwaltung, oder beim Wiederaufbau.
In der Zwischenzeit rüsten die Vereinigten Staaten am Hindukusch im Alleingang auf. Zur Umsetzung jener neuen (und von den europäischen Nato-Alliierten laut applaudierten) Strategie, mit der Obama Afghanistan und Pakistan stabilisieren will, setzt das Pentagon Tausende zusätzlicher GIs in Marsch: Statt derzeit etwa 38.000 werden im Herbst 68.000 US-Soldaten in Afghanistan stehen.
Am Mittwoch kündigte General David Petraeus, der Chef des für die Krisenregion zuständigen US-Zentralkommandos, vor dem Streitkräfteausschuss des Senats sogar an, 2010 würden nochmals weitere 10.000 Soldaten für den Kampf gegen Taliban und al-Qaida mobilisiert. Dann stünden 78.000 Amerikaner am Hindukusch. Zum Vergleich: Die Zahl der nicht-amerikanischen Soldaten aus allen 42 sonstigen Nationen in der Nato-Schutztruppe Isaf pendelt um 30.000.
Empörung über Ungleichgewicht
Im amerikanischen Kongress sorgt dieser Trend bereits für Empörung. Die republikanische Senatorin Susan Collins etwa schimpfte, die neue Regierung leiste zu viel: "Wir rufen zu schnell nach unseren eigenen Truppen und nehmen damit den Druck von unseren Alliierten." Ähnliche Kritik an den Europäern ist, freilich streng anonym, auch aus der Regierung selbst zu hören. "Der praktische Nutzwert der Nato sinkt gefährlich ab", sagt ein Demokrat, der soeben als politischer Beamter ins Außenministerium zurückgekehrt ist.
Nach Ansicht des Politologen Charles Kupchan wird sich die Entwicklung fortsetzen. Zwischen Europa und Amerika, glaubt der Georgetown-Professor, etabliere sich eine neue Arbeitsteilung. Afghanistan liefere das Exempel. "Das ist, nach dem Ende des Kalten Krieges, nur normal", glaubt Kupchan, "aber langfristig zersetzt es das Bündnis." Auch kurzfristig habe dies Folgen: Der neue Präsident habe seiner Nation versprochen, sein konzilianter Kurs werde eine neue Ära der Zusammenarbeit schaffen. Wenn Europa nun nicht liefere, so Kupchan, "ist das für Obama gefährlich".
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(SZ vom 03.04.2009/jree)
Szene München
Wie fühlt sich eigentlich deutschland? Und:
Geht es Frankreich gut?
Das darf man doch fragen angesichts des Satzes:
"Die USA fühlen sich beim Afghanistan-Einsatz im Stich gelassen. "
Herr NATO hat Schluckauf, und Frau EU kollert mit.
Welch ein journalistischer Stil, mit derartigen Laberformeln das vielfache verbrechen und Massenmorden zuzudecken!
Angeekelt von einem Herrn Obama und seinen Lohnschreibern verabschiede ich mich und Sie ins Wochenende.
wieso einfach schreiben, wenns auch kompliziert geht? deine politische kompetenz bezweifele ich gar nicht.. doch man muss sich auch dem niveau anpassen.
Außerdem verstehe ich wirklich niht was Sie/du bezwecken willst..
könnte es nicht sein, dass man einem grossen Irrtum, Aktionismus erliegt?
Selbstverständlich ist Afghanistan ein Planquadrat,das sich innert kürzestem Zeitplan im Sinne der Amerikaner erledigen liesse.
Selbstverständlch ist Irak ein Planquadarat, das sich innert kürzester Zeit erledigen liesse, ABER
die Zeiten, Kapazitäten sind nichts so - frei nach Herrn Brecht - denn eine tragfähige und entschlossene Poltik und Haltung liegen nicht mehr vor. Fast hätte ich noch Basta gesagt.
Man, wer?, hat sich entschieden für ein bisschen Bombardement, man hat im Zuge der Irak-Kriegsführung entschieden, ein bisschen zur Rechtfertigung zu lügen - es ist Krieg und "keiner" geht hin.
Inzwischen fuhrwerken wir alle zusammen mit zig Nebenkriegschauplätzen herum; Auf der Strecke bleibt die Priorität: und die liegt bei Gott nicht bei irgendwelchen Feldzügen im Moment.
Der neue Heilsbringer dieser Welt will also zuerst mal das Heil nach Afghanistan bringen. Da springt ihm als erster und ungefragt schon mal der Spanier Zapatero bei und liefert frische Truppen für den Krieg gegen Taliban und al-Qaida. Immerhin ein Zeichen, daß das europäische Land mit der doppelten Anzahl von Arbeitslosen auf diesem Kontinent da zuerst den Krieg als Heilmittel der innenpolitischen Probleme sucht. Aber lieber Herr Obama, mit solchen Verbündeten wie diesem Spanier Zapatero mit seinem instabilen und unzuverläßlichen Sozi-Regime kommen Sie nicht weit.
In Afghanistan ist nicht der richtige Platz, um eine Weltvision zu beweisen. Diese stammt aus der Neocon-Ecke und ist beerdigt worden. Also raus da...
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