Nato-Manöver Schweden und Finnland üben den Ernstfall

US-Kampfflugzeuge in Schweden. Im Rahmen der Nato-Übung "Arctic Challenge" fliegen sie in diesen Tagen über Nordeuropa.

(Foto: AP)
  • Schweden, Finnland und die Schweiz nehmen in diesen Tagen an der Nato-Übung "Arctic Challenge" mit 4000 Beteiligten im nördlichen Europa teil.
  • Die Übung fällt in eine Zeit, in der sich die Beziehungen zu Russland durch die Ukraine-Krise verschlechtert haben.
  • Schweden und Finnland versuchen, ihre Kooperationen mit anderen Ländern so weit auszubauen, wie es ihnen als Nicht-Nato-Mitgliedern möglich ist.
Von Silke Bigalke, Stockholm

Fast einhundert Kampfflugzeuge donnern in diesen Tagen in der Nato-Übung "Arctic Challenge" über den nördlichsten Teil Europas. Neben sechs Bündnis-Staaten nehmen Schweden, Finnland und die Schweiz teil, die keine Nato-Mitglieder sind. Seit Anfang dieser Woche und bis zum 5. Juni üben etwa 4000 Beteiligte unter Leitung Norwegens für den Ernstfall, darunter Deutsche, Amerikaner und Briten. Ihre Flieger starten von Bodø in Norwegen, Rovaniemi in Finnland und Luleå in Schweden.

Die Übung, die erstmals 2013 stattfand, war bereits geplant, bevor sich die Beziehungen zu Russland durch die Ukraine-Krise verschlechtert haben. Nun fällt sie in eine Zeit, in der sich Schweden und Finnland wegen dieser Spannungen stärker an die Nato annähern. Die beiden Länder sind seit Monaten darum bemüht, ihre Verteidigung zu stärken. Gleichzeitig betonen sie aber weiterhin ihre Bündnisfreiheit, auch um keinen Konflikt mit Moskau zu provozieren.

In den vergangenen Monaten sind russische Flieger verstärkt an die Grenzen des schwedischen und finnischen Luftraums geflogen. Erst vergangenen Donnerstag hat die schwedische Luftwaffe Kampfjets aufsteigen lassen, als sich zwei russische Bomber schwedischem Territorium näherten. Noch am selben Tag, an dem die Nato-Übung begann, kündigte Moskau überraschend ein eigenes Manöver an, fast dreimal so umfangreich wie das in seinen Nachbarländern. 12 000 Soldaten und 250 Kampfflieger seien an der Übung im Norden Russlands und am Kaspischen Meer beteiligt, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Ähnlich hatte es nach einer Militärübung Norwegens im Februar reagiert.

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Auf die Übung im Norden folgt das Nato-Manöver "Baltops" in der Ostsee

Schweden und Finnland versuchen derweil, ihre Kooperationen mit anderen Ländern so weit auszubauen, wie es ihnen als Nicht-Nato-Mitgliedern möglich ist. Vergangene Woche traf sich der schwedische Verteidigungsminister Peter Hultqvist mit dem stellvertretenden US-Verteidigungsminister Robert Work in Washington, um über eine engere Zusammenarbeit zu sprechen.

Direkt im Anschluss an die Übung im nordischen Luftraum findet das Nato-Marinemanöver "Baltops" in der Ostsee statt. Dabei sollen erstmals US-Bomber des Typs B-52 üben, Minen über schwedischem Territorium abzuwerfen. Hauptziel beider Übungen, so der schwedische Generalmajor Karl Engelbrektson, sei es, die operativen Fähigkeiten zu erhöhen, "aber auch ein klares sicherheitspolitisches Signal zu senden, dass wir diese Dinge zusammen mit anderen tun".

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Im April gaben die fünf nordischen Verteidigungsminister bekannt, dass sie enger kooperieren wollen, Schweden und Finnland mit den Nato-Mitgliedern Norwegen, Dänemark und Island. Sie begründeten ihre Entscheidung mit dem aggressiven Verhalten Russlands in der Ukraine. "Als eine Konsequenz hat sich die Sicherheitslage in den an die nordischen Länder angrenzenden Gebieten im vergangenen Jahr erheblich verschlechtert", schrieben sie. "Wir müssen darauf vorbereitet sein, möglichen Krisen oder Vorfällen zu begegnen." Angedacht sind gemeinsame Übungen, Austausch von Geheimdienstinformationen und engere Zusammenarbeit mit den baltischen Ländern.