Nach der Nato-Luftattacke auf zwei von den Taliban geraubte Tanklastzüge nahe Kundus bedauert EU-Chefdiplomat Solana die zahlreichen Todesopfer. Die Bundeswehr hatte die Luftunterstützung angefordert.

Erstmals hat die Bundeswehr in Afghanistan einen Luftangriff auf die Taliban ausgelöst, bei dem bis zu 90 Menschen getötet wurden. Bislang ist noch unklar, ob dabei nur Aufständische oder auch Zivilisten ums Leben kamen.

Afghanistan Kundus Nato Taliban Tanklastzüge , AFP

Völlig zerstört: Einer der von den Taliban gekaperten Tanklastzüge nach dem Angriff der Isaf (© Foto: AFP)

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Der Angriff in der nordafghanischen Provinz Kundus in der Nacht galt der Zerstörung zweier gekaperter Tanklastzüge, die von den Taliban für Selbstmordanschläge hätten genutzt werden können.

Ein Sprecher der Bundeswehr bestätigte, dass bei dem Vorfall "mehr als 50 Aufständische" getötet worden. Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam sprach gegenüber sueddeutsche.de davon, dass "unbeteiligte Zivilisten vermutlich nicht" unter den Opfern seien. Einige Medien berichteten hingegen von mindestens 40 zivilen Opfern.

Auch in Brüssel scheint man davon auszugehen, dass es zivile Opfer gibt: EU-Chefdiplomat Javier Solana drückte den Angehörigen möglicher ziviler Toter sein Bedauern aus. "Ich denke, das war sehr dramatisch. Und es tut mir für die Familien der Menschen, die bei der Explosion der Benzintankwagen getötet wurden, sehr leid", sagte Solana am Rande eines EU-Außenministertreffens in Stockholm. "Ich bin darüber sehr traurig."

Die Bundeswehr stellt den Hergang des Vorfalls folgendermaßen dar: Die Aufständischen hätten gegen 1:50 Uhr Ortszeit in der Nähe von Kundus an einem vorgetäuschten Checkpoint zwei beladene Tanklastzüge gekapert, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos.

Sie hätten den Treibstoff in den Unruhedistrikt Char Darah bringen und selbst nutzen wollen. Die Aufständischen seien dabei entdeckt und gegen 2:30 Uhr Ortszeit erfolgreich bekämpft worden. Zivilisten und deutsche Soldaten seien nicht verletzt worden.

Der Bundeswehrsprecher bestätigte sueddeutsche.de, dass das deutsche Wiederaufbauteam (PRT) in Kundus die Luftunterstützung erbeten habe. Deutsche Flugzeuge seien nicht an dem Luftschlag beteiligt gewesen.

Der Gouverneur der Provinz, Mohammed Omar, sprach indes von 90 Toten. Es sei zu einer Explosion gekommen, als die Aufständischen gerade dabei waren, Benzin an die Bevölkerung zu verteilen. 45 der Getöteten seien Taliban-Kämpfer gewesen, auch ihr Kommandeur sei ums Leben gekommen.

Die BBC berichtete zuvor, unter den Toten seien so viele Zivilisten, weil Dorfbewohner versucht hätten, Treibstoff aus den Tanklastern zu stehlen.

Der Bundeswehrsprecher sagte zu sueddeutsche.de, die Causa werde von der Isaf untersucht. An der Untersuchungskommission seien auch Afghanen beteiligt.

USA: Mehr Hilfe für Afghanistan

Die USA plädieren indes auf mehr Hilfe in Afghanistan. Nach den Worten von US-Generalstabschef Michael Mullen brauchen die USA weiter die Hilfe der Alliierten im Afghanistan-Krieg.

Um zu verhindern, dass Afghanistan wieder ein sicherer Hafen für Terroristen werde, "brauchen wir die Hilfe anderer (Geheim-)Dienste und anderer Länder. Ebenso brauchen wir die Unterstützung der lokalen Bevölkerung", sagte Admiral Mullen in Washington auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Verteidigungsminister Robert Gates.

Der Pentagonchef wandte sich entschieden gegen die lauter werdenden Forderungen in den USA nach einem Rückzug aus Afghanistan. Die von Präsident Barack Obama initiierte neue Strategie sei der "richtige Ansatz, um Fortschritte zu erzielen". Allerdings sei die Lage in Afghanistan ernst. "Die Zeit ist nicht auf unserer Seite."

Er sei aber zuversichtlich, dass die USA in Afghanistan letztendlich erfolgreich sein werden. Die entscheidende Herausforderung sei, die Sicherheit der afghanischen Zivilbevölkerung garantieren zu können, betonte Gates.

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(dpa/Reuters/cag/odg)