Im Streit um die Rolle der Bundeswehr in Afghanistan gibt es weitere Forderungen nach einer Ausweitung des Einsatzes. Der Organisator der Sicherheitskonferenz in München, Horst Teltschik, hält sogar ein Scheitern der Mission für möglich.

Der Organisator der Münchner Sicherheitskonferenz, Horst Teltschik, hält ein Scheitern des Nato-Einsatzes in Afghanistan für möglich. "Die Befürchtung ist leider berechtigt", sagte der frühere Politiker und Industriemanager der in Hannover erscheinenden Neuen Presse.

Sicherheitskonferenz-Organisator Horst Teltschik fordert eine Ausweitung des deutschen Bundeswehreinsatzes in Afghanistan. (© Foto: dpa)

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Die Partner müssten sich fragen, ob sie sich nicht auf ein Abenteuer eingelassen haben, das am Ende das Bündnis in seinen Grundfesten erschüttert. Wenn sie den Einsatz fortsetzen wollten, müssten dafür auch die notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt werden.

"Es ist völlig klar, dass das internationale Engagement nicht ausreichend ist - also auch das deutsche nicht", sagte der 67-Jährige der Zeitung. Daher solle auch ein deutscher Einsatz im Süden des Landes erwogen werden.

Auch der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr und frühere Vorsitzende des Nato-Militärausschusses, Klaus Naumann, setzte sich erneut für die Entsendung von deutschen Truppen in den Süden des Landes ein.

"Ohne die USA keine Sicherheit für Europa"

"Lasten, Risiken und Verantwortung werden solidarisch und gemeinsam getragen, Sonderrollen gibt es nicht", sagte Naumann der Bild-Zeitung. Der ehemalige Vier-Sterne-General fürchtet, dass der Einfluss Deutschlands im Bündnis "gegen Null" tendieren werde, wenn sich das Land weiterhin den Aufgaben im Süden entziehe.

Naumann unterstrich die Bedeutung des Bündnisses für Deutschland: "Die Nato bindet die USA vertraglich an Europa, und ohne die USA gibt es keine Sicherheit für Europa." Keinesfalls müsse Deutschland den Amerikanern jeden Wunsch erfüllen.

Allerdings gehöre Deutschland "der Nato 53 Jahre an und hat noch nie den Amerikanern jeden Wunsch erfüllt, wohl aber haben die Verbündeten, allen voran die Amerikaner, den Deutschen im Kalten Krieg und auch danach nahezu jeden Wunsch erfüllt."

Naumann bemängelte, dass die Politik nicht ausreichend klargemacht habe, dass die Bundeswehr in Afghanistan zur Not auch kämpfen muss. "Es wird verniedlichend von humanitärem Einsatz gesprochen", sagte er.

Der Beauftragte für deutsch-amerikanische Beziehungen der Bundesregierung, Karsten Voigt, erwartet steigenden Druck aus den USA zum Einsatz der Bundeswehr im Süden Afghanistans. Unter einem neuen US-Präsidenten, der möglicherweise von den Demokraten gestellt werde, könnte sich der vorhandene Druck noch verstärken, sagte Voigt der Frankfurter Rundschau.

"Keine Mehrheit im Bundestag"

"Die Amerikaner wollen, dass Europa sich militärisch, aber auch beim Aufbau der Polizei sowie im zivilen Bereich stärker engagiert", sagte Voigt. Er sage seinen amerikanischen Gesprächspartnern allerdings immer, dass es im Bundestag keine Mehrheit für einen solchen Einsatz deutscher Soldaten gebe und auch nicht geben werde, wird der SPD-Politiker zitiert.

Die Bundesregierung hatte zuletzt trotz massiven Drängens von Nato und USA ihr Nein zu Bundeswehreinsätzen im umkämpften Süden Afghanistans bekräftigt. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) will sich am Mittwoch zu dem Thema äußern.

Am Donnerstag kommen die Nato-Verteidigungsminister in der litauischen Hauptstadt Vilnius zusammen. Am Wochenende diskutieren dann Minister und Militärexperten auf der weltweit beachteten Münchner Sicherheitskonferenz, die von Teltschik geleitet wird.

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(AP/Reuters/gal/dpa/dpa)