Eine mindestens ebenso große, wenn nicht gar größere Herausforderung ist die Umstellung der irregulären Ökonomie der Drogen und des Schmuggels auf eine stabile Friedensökonomie. Wie das zu bewerkstelligen ist, ist eine offene Frage, und bislang ist nicht erkennbar, welche Antwort der Westen darauf geben will.
Der Politologe Herfried Münkler wendet sich gegen die Illusionen des Westens in Afghanistan. (© Foto: dpa)
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Die bisherige Praxis, das Problem weitgehend zu ignorieren, lässt sich nicht fortsetzen, wenn man Afghanistan stabilisieren will. Aber auch die Idee, mit Napalm die der Opiumgewinnung dienenden Mohnfelder zu vernichten, ist kaum überzeugend, da man auf diese Weise einen erheblichen Teil der Bauern definitiv in die Arme der Taliban treiben würde.
Ohne Mohn kein Geld
Wie heikel die Bekämpfung von Drogenökonomien ist, haben unterschiedliche US-Administrationen in Kolumbien erfahren müssen. Der Hebel dürfte darin liegen, den agrarischen Produzenten alternative Perspektiven zu eröffnen. Das wird freilich nicht verhindern können, dass die Hauptprofiteure der Drogenökonomie, die Händler und Warlords, mit verstärkten Angriffen gegen die westlichen Soldaten vorgehen, um sie aus dem Projekt der ökonomischen Konversion herauszudrängen.
Wenn der Westen hier zurückschreckt, hat er verloren. Wenn die Verstärkung der Kampftruppen eine Vorbereitung auf diese Auseinandersetzung ist, hat sie einen Sinn. Aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass die in den Drogenhandel involvierten Warlords den Interventionstruppen erheblich schwerere Verluste zufügen können als die eigentlichen Taliban.
Es ist ein Charakteristikum der "neuen Kriege", dass Erwerbsleben und Gewaltpraxis ineinanderfließen und partisanische Operationen von organisierter Kriminalität nicht immer klar zu unterscheiden sind.
Man kann jedoch die Frage der sozio-ökonomischen Grundlagen Afghanistans nicht unerledigt lassen: wegen der zentrifugalen Loyalitäten nicht, die aus der irregulären Ökonomie erwachsen, und auch nicht wegen der fehlenden Steuereinnahmen, die dazu führen, dass der afghanische Staat sein administratives, polizeiliches und militärisches Personal nicht angemessen bezahlen kann, um von ihnen Korruptionsresistenz erwarten zu können.
Man hatte gehofft, diese Lücke durch zeitweilige Finanzspritzen aus dem Westen schließen zu können, aber die waren nicht groß genug oder sind ihrerseits von den korrupten Eliten angeeignet worden, und vor allem stellt dies keine dauerhafte Lösung dar. Wer sich nicht zutraut, das Problem der Drogenökonomie anzugehen, sollte eher heute als morgen über eine Exit-Strategie nachdenken.
Der Staat ist keine Perspektive
Offenbar zählen nach wie vor Stammesbindungen und Clanbeziehungen mehr als die Ordnung des Staates. Es wird kaum möglich sein, in der verbleibenden Zeit des Afghanistaneinsatzes dieses Problem effektiv anzugehen. Also wird man, wie dies der US-General Petraeus im Irak erfolgreich praktiziert hat, auch hier auf ein Bündnis mit den Clans und Stämmen setzen müssen.
Das aber heißt, dass man das westliche Modell von Staatlichkeit als Perspektive aufgeben muss, und das wird Folgen für die Polizeiausbildung haben, um die sich unter anderem die Deutschen kümmern.
Eine Strategie der bloßen Stabilisierung Afghanistans wird jedenfalls ganz anders aussehen als das ursprüngliche Konzept, das auf politische Demokratisierung und gesellschaftliche Modernisierung setzte. Insofern ist der jetzt angekündigte Strategiewechsel selbst eine kleine Exit-Strategie: die aus dem normativen Überschwang der ersten Jahre.
Der Autor lehrt Politologie an der Humboldt-Universität in Berlin. Für seine Monographie "Die Deutschen und ihre Mythen" erhielt er im März den Preis der Leipziger Buchmesse.
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Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 06.04.2009/gal)
Russland unter Putin
Was hier der Leser Wolfgang Endrich geschrieben hat, ist leider die traurige Wahrheit, wie ich es aus überzeugenden Dokumentationen des WDR weiß. Korruption, private und staatliche Kriminaliät durch regionale Gebietsfürsten mit Privatarmeen, die den Drogen- und Menschenhandel, willkürliche Morde usw. durchführen, die aber als Gouverneure Teil des von deutschen Truppen zu schützenden Staates sind. Das ist z.b. laut WDR-Bericht der Gouverneur Atta in der Region Balkh, der den Drogenhandel im nördlichen Afghanistan organisiert, vor den Augen deutscher Truppen. Und niemand tut etwas dagegen, im Gegenteil ist der Polizeichef sogar für die Abwicklung dieser Geschäfte zuständig. Auf der Ebene des 'normalen' Lebens ist es so, dass sich sogar jeder kleine Händler damit abfinden muss, der korrupten Polizei tägliche Abgaben zu entrichten. Auch hierzu gab es einen Bericht im WDR über einen Händler mit gebrauchten Schuhen, der der Polizei täglich etwas zahlen muß. Ich zitiere Herrn Endrich, auch wenn er es etwas krass ausdrückt: 'Das bedeutet, man arbeitet mit jeden Verbrecher, Mörder, Drogen Boss und Terroristen wie Warlords zusammen und betreibt mit diesen Leuten sogar Aufbau Projekten. Einige Warlords erhalten feste Gehälter in Afghanistan von der erbärmlichen Steinmeier Truppe und dem BMZ. Diese Irrsinnige Betrugs System hat Joschka Fischer schon angefangen, das man sich Kriminelle einfach einkauft. Deutschland wird aus dieser Selbst Vernichtung der Glaubwürdigkeit weder im Balkan noch in Afghanistan wieder mit diesen Leuten raus kommen und einen Neu Anfang finden'. Der Hauptfehler war es, die Warlords inklusive ihrer Privatarmeen zu staatlichen Gouverneuren zu machen und ihre Privattruppen zu (unkontrollierten) Teilen der afghanischen Armee. So vermischt sich dann die private mit der staatlichen Kriminalität. Ein 'Neuanfang' müßte diese Strukturen zerschlagen.
Wenn man keine Ahnung hat...
1.Die Nachfrage nach drogen aller Art ist vor allem im Westen vorhanden. Da die Vertriebswege aber illegal sind, sind die gewinnspannen besonders hoch, und die Qualität am Ende besonders schlecht. Denken Sie daran, dass die meisten Herointoten daran zugrundegehen, dass der Stoff stark verunreinigt und gestreckt ist, da die mafiösen Strukturen so noch höhere Gewinne erzielen können. Eine kontrollierte Abgabe aller Arten von Drogen könnte tatsächlich Abhilfe schaffen den Mafiasumpf in diesem Bereich auszutrocknen. Diese Methode ist die einzig Erfolgversprechende. Sie werden die Nachfrage nach Drogen im Westen nicht auslöschen in dem man User kriminalisiert oder indem sie die Bauern in Bolivien und Afghanistan in Marokko oder was weiß ich wo bekämpfen. Diese Politik ist seit Jahrzehnten gescheitert. Das einzige was man damit hinbekommt ist eine Preissteigerung auf den Absatzmärkten, da das Angebot verknappt wird.
2. Die Taliban hatten die Macht in Afghanistan seit ca. 1996 bis 2001 an der Macht, also nix mit 20 Jahren Talibandiktatur. Unabhängig davon: Wollen Sie die Ungerechtigkeiten und die Unterdrückung von Menschen und Menschengruppen in aller Welt tatsächlich mit militärischen Mitteln beseitigen? Dann viel Spaß...das bedeutet ewigen Krieg.
Sie sollten ihre ARgumente an Fakten ausrichten...
Der Westen zeigt sich auch hier als Tor.
Längst hat er seine moralische Autorität - die mal unter den Kennedys und unter Carter bestanden haben mag und unter Clinton in Ansätzen vorhanden war - verspielt.
Mit den Großmedien in der Hand neigt er zur Selbstbeweihräucherung und Selbsttäuschung. Nun tritt hier ein Artikelschreiber auf, welcher den Anschein erwecken soll, dass es Medien immer schon gewusst hatten. Nein, sie forcierten diese verdeckten Angriffskriege in der Vergangenheit mit.
Afghanistan ist ein imperiales Ziel. Der Westen spiegelt nur hohe Werte vor. Er ist die Ausgeburt des Materialismus, welcher nahezu gebündelt organisiert. Der neue Faschismus kommt im Gewande des Materialismus daher. Dieses dunkle Spiel durchschauen schon lange Afghanen. Bei den Deutschen dauert`s noch etwas.
cc.
"es ist und bleibt ein raubkrieg um das geostrategisch wichtige afghanistan unter us-kontrolle zu halten, was wichtig ist um die kaspische region zu kontrollieren incl. der pipelines, sowie als zange gegen den iran."
Volle Zustimmung. Wer da nicht erkennt, dass Irak und Afghanistan komischerweise beides Nachbarn des Iran sind und ungefähr zur gleichen Zeit von den Amerikanern angegriffen werden, der ist blind!
Es geht um die Erringung der Vormacht in einer Region die "dem Westen" so langsam gefährlich zu werden droht, weil die jahrelangen Zerrspiele zwischen Nato und Warschauer Pakt in dieser Region beendet wurden. Dadurch gibt es keinen Grund für diese Region mehr, sich unter den "Schutz" des Westens zu stellen, um nicht von Russland eingenommen zu werden. Also emanzipiert sich die Region so langsam von den Imperialisten aus West und Ost. Und das gefällt natürlich weder West NOCH Ost. Auch Russland mischt ja zumindest diplomatisch in der Region schon wieder gehörig mit, auch wenn es militärisch wohl zu schwach ist, um sich in direkte Konfrontationen einzumischen, zumal es erst noch die "Abtrünnigen" ehemaligen Sowjetstaaten wieder einzufangen gedenken, wenn diese sich allzuweit von der russischen Richtung abwenden.
Hier geht es um ganz klare imperialistische Ziele. Ausschaltung von Terrorlagern, Ergreifung von Terrorhintermännern... das hat das CIA doch zuvor weitaus zielgerichteter gelöst.
Ich hoffe nur, dass der Westen sich den Satz von "laVictoria" bald mal übergreifend zu Herzen nimmt:
"Halten "wir" uns besser raus aus Kulturen von denen wir nichts verstehen."
Zustimmung und Ihre Aufforderung
"Halten "wir" uns besser raus aus Kulturen von denen wir nichts verstehen."
verdient besondere Zustimmung.
Paging