Man mache sich nichts vor: Der Westen kann in Afghanistan nicht gewinnen. Von Anfang an wurden zwei gravierende Fehler gemacht - auf die auch die neue Nato-Strategie keine Antwort gibt.
Parallel zu den Nachrichten über eine sich rapide verschlechternde Sicherheitslage in Afghanistan hat die Debatte über einen Strategiewechsel des Westens am Hindukusch eingesetzt: Die wachsende Aktivität der Taliban vor allem im Süden und Osten des Landes soll in zwei Schritten eingedämmt werden.
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US-Truppen in Afghanistan: Eine militärische Niederlage kann noch vermieden werden, doch das bedeutet keinen politischen Sieg. (© Foto: AFP)
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Zum einen wird die Stärke der Kampftruppen deutlich angehoben. Zum anderen soll die zivile Komponente der Stabilisierungsbemühungen verstärkt werden. Eine wirkliche Antwort auf die inzwischen immer bedrängender werdende Frage, ob und wie die hochgesteckten Ziele des Afghanistaneinsatzes erreicht werden können, bietet dieser Strategiewechsel nicht.
Das Grundproblem Afghanistans, die Entwicklung einer stabilen Friedensökonomie und die Herausbildung einer leidlich korruptionsresistenten Elite, wird damit nicht angegangen. Der Strategiewechsel kann dafür sorgen, dass die Nato-Truppen in Afghanistan den Krieg militärisch nicht verlieren. Aber er wird kaum dazu führen, dass sie ihn politisch gewinnen.
Unter den zwei genannten Defiziten, der Frage nach korruptionsresistenten Eliten und dem Erfordernis einer regulären Friedensökonomie, leidet die Afghanistanstrategie des Westens von Anfang an. Man hat auf der Petersberger Konferenz beide Probleme weitgehend ausgeklammert und darauf vertraut, dass sie sich mit der Vertreibung der Taliban und entsprechender wirtschaftlicher Hilfe aus dem Westen von selbst lösen würden. Das aber war eine Fehlkalkulation.
Man mag sie dem überstürzten Ablauf der Ereignisse im Winter 2001/2002 zuschreiben, aber auch dann wird man nicht umhinkommen, zwei gravierende Fehler zu konstatieren, die bei der Konzipierung der Afghanistanstrategie gemacht worden sind: einerseits der Kaprizierung auf den religiösen Extremismus und andererseits der weitgehende Verzicht auf eine gründliche Analyse des vorangegangenen sowjetischen Scheiterns am Hindukusch.
Irgendwann festigte sich die Vorstellung, bei den Taliban handele es sich um eine in den pakistanischen Madrassen ausgebildete religiös-extremistische Besatzungsarmee, die nur vertrieben werden müsse, um die Möglichkeit eines friedlichen Zusammenlebens und ökonomischer Prosperität in Afghanistan freizulegen.
Dass die Sowjets in Afghanistan gescheitert waren, wurde kurzerhand damit erklärt, dass sie die Unfreiheit mit sich gebracht hätten und damit auf den erbitterten Widerstrand eines freiheitsliebenden Volkes gestoßen seien.
Das sowjetische Scheitern
Man hätte es besser wissen können. Die Rolle der Sowjets in Afghanistan war nämlich zunächst die eines Unterstützers bei der sozialen und kulturellen Modernisierung des Landes.
Die nach dem Sturz des Königs in Kabul an die Macht gelangten Regierungen hatten dem Land eine beschleunigte Modernisierung verordnet, mit der die traditionellen Mentalitäten und sozialen Gepflogenheiten der Gesellschaft aufgebrochen werden sollten. Aber die Kabuler Modernisierungsdiktatur stieß auf den erbitterten Widerstand der Landbevölkerung.
Um das Scheitern der bündnispolitisch eher an Moskau als am Westen orientierten Modernisierer zu verhindern, ließ sich der Kreml zur militärischen Intervention verleiten. Dabei hatte man den Widerstand gegen die angestrebte Revolutionierung der gesellschaftlichen Strukturen unterschätzt.
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Was hier der Leser Wolfgang Endrich geschrieben hat, ist leider die traurige Wahrheit, wie ich es aus überzeugenden Dokumentationen des WDR weiß. Korruption, private und staatliche Kriminaliät durch regionale Gebietsfürsten mit Privatarmeen, die den Drogen- und Menschenhandel, willkürliche Morde usw. durchführen, die aber als Gouverneure Teil des von deutschen Truppen zu schützenden Staates sind. Das ist z.b. laut WDR-Bericht der Gouverneur Atta in der Region Balkh, der den Drogenhandel im nördlichen Afghanistan organisiert, vor den Augen deutscher Truppen. Und niemand tut etwas dagegen, im Gegenteil ist der Polizeichef sogar für die Abwicklung dieser Geschäfte zuständig. Auf der Ebene des 'normalen' Lebens ist es so, dass sich sogar jeder kleine Händler damit abfinden muss, der korrupten Polizei tägliche Abgaben zu entrichten. Auch hierzu gab es einen Bericht im WDR über einen Händler mit gebrauchten Schuhen, der der Polizei täglich etwas zahlen muß. Ich zitiere Herrn Endrich, auch wenn er es etwas krass ausdrückt: 'Das bedeutet, man arbeitet mit jeden Verbrecher, Mörder, Drogen Boss und Terroristen wie Warlords zusammen und betreibt mit diesen Leuten sogar Aufbau Projekten. Einige Warlords erhalten feste Gehälter in Afghanistan von der erbärmlichen Steinmeier Truppe und dem BMZ. Diese Irrsinnige Betrugs System hat Joschka Fischer schon angefangen, das man sich Kriminelle einfach einkauft. Deutschland wird aus dieser Selbst Vernichtung der Glaubwürdigkeit weder im Balkan noch in Afghanistan wieder mit diesen Leuten raus kommen und einen Neu Anfang finden'. Der Hauptfehler war es, die Warlords inklusive ihrer Privatarmeen zu staatlichen Gouverneuren zu machen und ihre Privattruppen zu (unkontrollierten) Teilen der afghanischen Armee. So vermischt sich dann die private mit der staatlichen Kriminalität. Ein 'Neuanfang' müßte diese Strukturen zerschlagen.
Wenn man keine Ahnung hat...
1.Die Nachfrage nach drogen aller Art ist vor allem im Westen vorhanden. Da die Vertriebswege aber illegal sind, sind die gewinnspannen besonders hoch, und die Qualität am Ende besonders schlecht. Denken Sie daran, dass die meisten Herointoten daran zugrundegehen, dass der Stoff stark verunreinigt und gestreckt ist, da die mafiösen Strukturen so noch höhere Gewinne erzielen können. Eine kontrollierte Abgabe aller Arten von Drogen könnte tatsächlich Abhilfe schaffen den Mafiasumpf in diesem Bereich auszutrocknen. Diese Methode ist die einzig Erfolgversprechende. Sie werden die Nachfrage nach Drogen im Westen nicht auslöschen in dem man User kriminalisiert oder indem sie die Bauern in Bolivien und Afghanistan in Marokko oder was weiß ich wo bekämpfen. Diese Politik ist seit Jahrzehnten gescheitert. Das einzige was man damit hinbekommt ist eine Preissteigerung auf den Absatzmärkten, da das Angebot verknappt wird.
2. Die Taliban hatten die Macht in Afghanistan seit ca. 1996 bis 2001 an der Macht, also nix mit 20 Jahren Talibandiktatur. Unabhängig davon: Wollen Sie die Ungerechtigkeiten und die Unterdrückung von Menschen und Menschengruppen in aller Welt tatsächlich mit militärischen Mitteln beseitigen? Dann viel Spaß...das bedeutet ewigen Krieg.
Sie sollten ihre ARgumente an Fakten ausrichten...
Der Westen zeigt sich auch hier als Tor.
Längst hat er seine moralische Autorität - die mal unter den Kennedys und unter Carter bestanden haben mag und unter Clinton in Ansätzen vorhanden war - verspielt.
Mit den Großmedien in der Hand neigt er zur Selbstbeweihräucherung und Selbsttäuschung. Nun tritt hier ein Artikelschreiber auf, welcher den Anschein erwecken soll, dass es Medien immer schon gewusst hatten. Nein, sie forcierten diese verdeckten Angriffskriege in der Vergangenheit mit.
Afghanistan ist ein imperiales Ziel. Der Westen spiegelt nur hohe Werte vor. Er ist die Ausgeburt des Materialismus, welcher nahezu gebündelt organisiert. Der neue Faschismus kommt im Gewande des Materialismus daher. Dieses dunkle Spiel durchschauen schon lange Afghanen. Bei den Deutschen dauert`s noch etwas.
cc.
"es ist und bleibt ein raubkrieg um das geostrategisch wichtige afghanistan unter us-kontrolle zu halten, was wichtig ist um die kaspische region zu kontrollieren incl. der pipelines, sowie als zange gegen den iran."
Volle Zustimmung. Wer da nicht erkennt, dass Irak und Afghanistan komischerweise beides Nachbarn des Iran sind und ungefähr zur gleichen Zeit von den Amerikanern angegriffen werden, der ist blind!
Es geht um die Erringung der Vormacht in einer Region die "dem Westen" so langsam gefährlich zu werden droht, weil die jahrelangen Zerrspiele zwischen Nato und Warschauer Pakt in dieser Region beendet wurden. Dadurch gibt es keinen Grund für diese Region mehr, sich unter den "Schutz" des Westens zu stellen, um nicht von Russland eingenommen zu werden. Also emanzipiert sich die Region so langsam von den Imperialisten aus West und Ost. Und das gefällt natürlich weder West NOCH Ost. Auch Russland mischt ja zumindest diplomatisch in der Region schon wieder gehörig mit, auch wenn es militärisch wohl zu schwach ist, um sich in direkte Konfrontationen einzumischen, zumal es erst noch die "Abtrünnigen" ehemaligen Sowjetstaaten wieder einzufangen gedenken, wenn diese sich allzuweit von der russischen Richtung abwenden.
Hier geht es um ganz klare imperialistische Ziele. Ausschaltung von Terrorlagern, Ergreifung von Terrorhintermännern... das hat das CIA doch zuvor weitaus zielgerichteter gelöst.
Ich hoffe nur, dass der Westen sich den Satz von "laVictoria" bald mal übergreifend zu Herzen nimmt:
"Halten "wir" uns besser raus aus Kulturen von denen wir nichts verstehen."
Zustimmung und Ihre Aufforderung
"Halten "wir" uns besser raus aus Kulturen von denen wir nichts verstehen."
verdient besondere Zustimmung.
Paging