Nato Bündnis beschließt neue Kommandozentralen

Die Militärallianz verstärkt ihre Befehlsstrukturen - erstmals seit dem Ende des Kalten Krieges.

Von Daniel Brössler, Brüssel

Erstmals seit Ende des Kalten Krieges verstärkt die Nato ihre Kommandostruktur. Die Verteidigungsminister des Bündnisses verständigten sich am Mittwoch auf die Schaffung zweier neuer Kommandozentralen. Sie sollen voraussichtlich in Deutschland und den Vereinigten Staaten errichtet werden. Aufgebaut werden soll überdies ein Zentrum für Cyber-Operationen. Es gehe um die Stärkung der "kollektiven Abschreckung und Verteidigung", sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Zum Ende des Kalten Krieges hatte die Nato 33 Hauptquartiere mit 22 000 Dienstposten unterhalten. Derzeit gibt es noch sieben Hauptquartiere mit einer Personalstärke von insgesamt 6800.

Mit der Aufstockung will die Nato nun der veränderten Lage seit der Annexion der Krim durch Russland und dem Beginn des Krieges im Osten der Ukraine 2014 Rechnung tragen. Das Bündnis zeigt mittlerweile mit rotierenden Truppen in Bataillonsstärke in seinen östlichen Mitgliedstaaten Präsenz und hat auch die Übungstätigkeit verstärkt. Die militärischen Befehlshaber in der Allianz beklagen seitdem logistische und bürokratische Schwierigkeiten. Eine neue Kommandozentrale soll deshalb künftig den Transport von Material und Personal koordinieren. Deutschland hat vorgeschlagen, dieses Kommando im Westen der Bundesrepublik anzusiedeln. "Deutschland hat angeboten, Rahmennation zu sein, und dafür sind die anderen sehr dankbar", sagte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

Voraussichtlich in den USA soll ein Kommando eingerichtet werden, das verantwortlich für die Sicherung des Seeweges für Truppen- und Materialtransporte zwischen Amerika und Europa ist. Über die Standorte wurde aber noch nicht formal entschieden. Endgültige Beschlüsse sollen beim Nato-Gipfel im Juli in Brüssel fallen. Bekräftigt wurde beim Treffen auch das Ziel, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen.