Die Nato hat sich im Kaukasus-Konflikt verrannt. Nun muss sie der Regierung in Tiflis endlich sagen, dass das Land nicht Mitglied im Bündnis werden kann.
Europa kann durchatmen. Russland hat Wort gehalten und seine Truppen aus dem georgischen Kerngebiet abgezogen. Nun beginnt die mühsame Arbeit an einer politischen Lösung des Konflikts, der ja über Georgien, und genau besehen, auch über den Kaukasus hinausreicht. Es geht um die Ausbalancierung der Sicherheitspolitik in Europa, nachdem Moskau nicht mehr gewillt ist, ein weiteres Vorrücken der Nato an seine Grenzen widerspruchslos hinzunehmen.
Bild vergrößern
Im diplomatischen Dilemma: die Nato (© Foto: Reuters)
Anzeige
Da niemand in Europa eine kalte, geschweige denn heiße Konfrontation mit Russland will, ist der vom französischen Präsidenten und gegenwärtigen EU-Ratsvorsitzenden Nicolas Sarkozy eingeschlagene Weg der einzig vernünftige, weil einzig gangbare. Die Abspaltung Südossetiens und Abchasiens von Georgien ist nicht akzeptabel.
Wie ernst es Russland ist, wird nur über Verhandlungen zu erfahren sein
Aber wer sich nicht im Gegeneinander eingraben will, der muss von den Fakten ausgehen, die der Krieg geschaffen hat. Mit der Vermittlung des Waffenstillstands und seiner Überwachung durch eigene Beobachter haben die Europäer sich in eine Position gebracht, die sie in die Lage versetzt, die nun beginnenden Verhandlungen mit Moskau wesentlich gestalten zu können. Diese Gespräche werden schwierig, sie sind aber nicht aussichtslos.
Der russische Präsident Dmitrij Medwedjew hat gerade seinen Vorschlag wiederholt und präzisiert, wie er sich eine neue Sicherheitsarchitektur für Europa vorstellt. Man sollte ihn beim Wort nehmen. Moskau hat Gesprächsbedarf, weil es seine Sicherheitsinteressen vernachlässigt sieht. Wie ernst es Russland mit einer friedlichen und partnerschaftlichen Lösung meint, wird nur über Verhandlungen zu erfahren sein.
Die Europäer haben dabei freilich ein Problem. Die Nato hat sich im Georgien-Konflikt verrannt. Den Gesprächsfaden mit Moskau zu zerreißen, war genauso dumm, wie die demonstrative Einladung an den georgischen Verteidigungsminister zum aktuellen Nato-Treffen in Budapest unsinnig ist. Das Bündnis hat es geschafft, sich durch eine fast blinde Solidarität mit Tiflis aus dem diplomatischen Spiel zu bringen. Das ist schon schlimm genug. Schlimmer aber ist, dass innerhalb der Nato ein neuer Konflikt mit Russland heranwächst.
Im Frühjahr hatte die Nato-Staatenbei ihrem Gipfeltreffen den Georgiern die Mitgliedschaft im Bündnis zugesagt, aber auf Druck Deutschlands und Frankreichs auf einen Beitrittstermin verzichtet. Es sollte nur alle halbe Jahr geprüft werden, ob Georgien reif für den nächsten Schritt Richtung Mitgliedschaft wäre. Was vor dem Georgien-Krieg als salomonische Lösung des Streits zwischen Freunden und Skeptikern einer Annäherung an die Nato galt, provoziert nun ein gewaltiges politisches Dilemma.
Dilemma zwischen Affront und Kuschen
Geben die Außenminister der Allianz bei ihrem Treffen im Dezember dem Drängen vieler osteuropäischer Staaten sowie der USA nach und nehmen die Georgier in den "Aktionsplan für die Mitgliedschaft" auf, dann muss Moskau das als Affront verstehen. Weist die Nato das georgische Begehren aber zurück, dann setzt sie sich dem Vorwurf aus, vor Russland zu kuschen. Vorerst schweigen die Bündnispartner, weil sie nicht wissen, was sie Georgien antworten sollen.
Doch Schweigen hilft nicht, und es geht auch nicht darum, den Georgiern einen Gefallen zu tun oder vor den Russen in die Knie zu gehen. Wer ein ernsthaftes Gespräch zwischen der EU, den USA und Russland über eine stabile Sicherheitsarchitektur will, der muss beim Status quo bleiben. Jeder Schritt in eine neue Nato-Erweiterungsrunde wäre einer in die falsche Richtung. Sarkozy hat Medwedjews Vorschlag aufgegriffen und will im nächsten Jahr mit den Verhandlungen beginnen. Georgien muss deshalb offen gesagt werden, dass sein Wunsch nach einem Bündnis-Beitritt jetzt nicht, wenn überhaupt jemals, erfüllt werden kann. Es wäre gut, wenn die Nato dazu wenigstens nun den Mut aufbrächte.
- Nato-Treffen Streit über Beitritt Georgiens 09.10.2008
- Sicherheitspolitik in Europa Russland macht der EU Avancen 09.10.2008
- Georgien "Der Krieg war vermeidbar" 07.10.2008
- Deutschland und Russland Reden über ein gestörtes Verhältnis 02.10.2008
- Konflikt im Kaukasus EU-Beobachter beginnen Einsatz in Georgien 01.10.2008
(SZ vom 10.10.2008/ihe)
Werter Tinus
Ihre Ansichten hier sind wirklich sehr eigenartig, man könnte denken, sie wären ein Teil der Bush-Administration.
Der Russe hat und hatte schon immer eine unendliche Geduld.
Der Vorschlag zu einer neuen europäischen Sicherheitsstruktur kam vor Jahren von den Russen,wurde aber nie ernsthaft von den Europäern aufgegriffen, warum auch.
Man war sich doch so sicher den Russen in die Bedeutungslosigkeit zu entlassen.
Nun dieses Desaster in Georgien, da schießt ein irrer Präsident seine eigenen Leute zusammen und der Russe schaut nicht zu. Peinlich, peinlich.
Mal im ernst. Das ist schwach, sehr schwach. Mir werfen sie vor ich könnte nicht selbständig denken. Und selber geben sie zu, das sie sich nicht im geringsten zu Themen informieren, über die sie reden.
Unterschiede Kosovo, Abchasien und Südosetien: Zum einen ist der Kosovo viel größer. Dann ist er fast ausschließlich von Albanern bewohnt. In Abchasien und Südosetien gibt es, oder gab es bis vor kurzem noch eine 30 - 40%ige georigsche Minderheit. Zum dritten gab es um den Kosovo langjähre Verhandlungen.
Ich schreibe nur zu Themen, bei denen ich mich auskenne. Sollten sie auch machen.
Wenn Merkel Glück hat, dann wird Obama US-Präsident und dieser wird seinen Segen zu allem geben, was den USA wirklich nützt.
Den USA nützt eine Konfrontation mit Russland aber gar nichts mehr, denn spätestens durch die Finanzkrise ist klar geworden, dass die Welt sich nicht mehr nach den Vorstellungen der Neocons gestalten lassen will und auf Entspannung aus ist.
Die USA haben durch das Verspielen ihrer Kreditwürdigkeit auch ihre Vormachtstellung in militärischen Fragen verspielt. Deshalb ist es nun erforderlich auch innerhalb der NATO mit falschen Vorstellungen aufzuräumen.
Ein Georgien, dass sich genauso wie die Amerikaner von falschem Führungspersonal in die Irre leiten lässt, kann deshalb auch nicht NATO-Mitglied werden.
Merkel hätte also wirklich nochmal Glück gehabt, wenn Obama US-Präsident wird, weil der ganz sicher völlig neue Richtlinien für eine Weltsicherheitspolitik festlegen wird.
Dass Obama Merkel als erste im Weissen Haus empfangen wird, sollte sie sich aber schon einmal vorsorglich abschminken.
Gut, dass Sie schon so weit sind, dass Sie anerkennen die Erde ist nicht eine Scheibe.
Es gab Zeiten, da galt die Aussage von Aristotoles als größte Verschwörungstheorie!
Der Vorschlag von piyuedame sich mal in der Bibliothek einzulesen ist sehr ratsam. Lesen können heißt noch nicht gebildet zu sein. Man sollte auch selbstständig denken können.
Anstatt nur zu behaupten, dass dieses oder jenes Argument hier Lüge ist und für Sie nicht nachvollziehbar ist, sollten Sie mal versuchen eigene Argumente aufzubringen.
Genauso "klever" meinen die westlichen Politiker zu sein mit der einfachen Behauptung Kosovo sei mit Abchasien und Südosetien nicht zu vergleichen. Mehr als nur die Behauptung kommt aber nicht. Ich konnte allerdings noch nirgends eine vernünftige Erklärung dafür lesen oder hören.
Paging