Nato-Außenministertreffen Schunkeln für den Weltfrieden

Die Außenminister des mächtigsten Militärbündnisses der Welt treffen sich in einem türkischen Badeort - und beschließen, gemeinsam "We Are the World" zu singen. Ein Erklärungsversuch.

Von Christoph Meyer

Lässt man einen sympathischen Menschen im Stich, wenn er meint, eine peinliche Idee in die Tat umsetzen zu müssen? Oder macht man mit - und sich selbst damit ebenfalls zum Gespött?

Als vor nicht allzu langer Zeit ein Journalist der Bundeskanzlerin auf einer Pressekonferenz ein Ständchen zum Geburtstag sang, bevorzugten es seine Kollegen, ihn alleine ins Messer laufen zu lassen.

Beim Treffen der Nato-Außenminister am Mittwochabend war das anders. Gleich eine ganze Reihe von Politikern, Diplomaten und Militärs folgten der Aufforderung des türkischen Sängers Behzat Gerceker, der mit seiner Band beim Bankett für Stimmung sorgen wollte: Gemeinsam sollten alle "We are the World" von Michael Jackson und Lionel Richie singen.

In dem dazugehörigen Video ist zu sehen, wie Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ungelenk den Arm im Rhythmus schwenkt und mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini auf der Bühne eines Hotels im türkischen Belek schunkelt. Dazu schallt es aus Lautsprechern: "We are the world, we are the children, we are the ones who make a brighter day, so let's start giving". Diplomaten und Militärs in Ausgehuniform tanzen dazu im Hof des Hotels.

"Betrachtet man das Video, stellt sich die Frage: Was haben die Nato-Diplomaten eigentlich beschlossen? Der Weltfrieden kann es ja nicht gewesen sein.

Eine Erklärung liefern türkische Medien: Auf der Bühne hatten sich der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu und sein griechischer Amtskollege Nikos Kotzias die Hände gereicht und gemeinsam gefeiert. Bemerkenswert, hatten die beiden Länder ja bislang weniger Anlass zum gemeinsamen Tanzen als mehr zu Krisengesprächen, etwa über die Zypern-Frage.

Das mag zwar nicht zum Weltfrieden reichen, kann aber als Schritt in die richtige Richtung gelten.