Es wäre naiv, die Nato-Waffen aus Europa als Beitrag zur weltweiten Abrüstung ohne Gegenleistung abzuziehen.
Wenn Diplomatie die Kunst des Möglichen ist, wie es das Attaché-Lehrbuch sagt, dann kann es Außenminister Guido Westerwelle als Erfolg verbuchen, dass er in der Nato nach mehr als einem Jahrzehnt wieder eine Diskussion über den Abzug der noch in Europa stationierten 200 amerikanischen Atomwaffen angestoßen hat.
Es wäre ein Meisterstück der Diplomatie, die Waffen weg zu verhandeln: Die Nato-Außenminister bei ihrem Treffen in Tallinn. (© Foto: dpa)
Anzeige
Denn es war nicht zu erwarten, dass die Allianz, vertreten durch ihre Außenminister, jetzt schon Beschlüsse zu diesem schwierigen Thema fassen würde.
Vielmehr wurde deutlich, dass die USA ebenso wie etwa Polen zu einem Abzug nur bereit sind, wenn Russland sein zehnmal so großes Arsenal ebenfalls abbaut oder zumindest aus der Nähe des Nato-Gebiets verbannt.
Damit ist die Debatte auf dem richtigen Niveau angelangt. Es wäre naiv, die Nato-Waffen aus Europa als Beitrag zur weltweiten Abrüstung ohne Gegenleistung abzuziehen und daran Hoffnung zu knüpfen, Moskau werde eines Tages schon nachziehen. Russland will mit Atomwaffen seine konventionelle Unterlegenheit ausgleichen, außerdem betrachtet es die Nato als Bedrohung.
Im November will die Allianz ihre neue Strategie beschließen. Will Westerwelle sein Ziel erreichen und diese anachronistischen Waffen aus Europa entfernen, dann sollte er die Bedenken Osteuropas entkräften helfen. Deutschland beteiligt sich an der Luftraumüberwachung der baltischen Staaten.
Solidarität in der Allianz ist also kein leeres Wort - die Kooperationen lassen sich ausweiten. Wenn Deutschland dann noch seine guten Beziehungen zum Kreml nutzt, um Russlands harte Haltung aufzubrechen, dann könnte vieles möglich werden. Es wäre ein Meisterstück der Diplomatie, die Waffen weg zu verhandeln.
(SZ vom 24.04.2010/pfau)
"Undercover" bei Paketzusteller GLS