Namensstreit Mazedonien vs. Mazedonien

Seit 1991 streiten die ehemalige Teilrepublik Jugoslawiens und der Nordteil Griechenlands, wer zu Recht den Namen Mazedonien führen darf. Doch nun kommt Bewegung in den festgefahrenen Konflikt.

Von Luisa Seeling

Matthew Nimetz ist 78 Jahre alt, ein erfahrener Diplomat, doch am Namensstreit zwischen Mazedonien und Griechenland hat er sich die Zähne ausgebissen. Und man kann wirklich nicht behaupten, dass er sich nicht bemüht hätte: Seit 23 Jahren versucht der UN-Sondervermittler, Athen und Skopje zu einer Lösung zu bewegen - ohne Erfolg. Seit einiger Zeit aber tut sich etwas in dem festgefahrenen Konflikt. Beide Länder signalisierten Gesprächsbereitschaft, und auch Nimetz hat sich eingeschaltet: Für diesen Mittwoch hat er Vertreter beider Seiten nach New York eingeladen, um auszuloten, ob es diesmal eine Chance gibt.

Der Streit begann 1991 und wurde mal mehr, mal weniger verbissen ausgetragen. Damals rief die jugoslawische Teilrepublik Mazedonien ihre Unabhängigkeit aus. Weil auch der nördliche Teil Griechenlands Mazedonien heißt, witterte Athen einen verdeckten Gebietsanspruch und verlangte eine Umbenennung. Auf Druck Athens und Brüssels verzichtete Skopje zwar schon 1992 auf jegliche Ansprüche und verankerte dies sogar in der Verfassung; seit 1993 firmiert das Land in internationalen Organisationen unter der sperrigen Bezeichnung "Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien", kurz FYROM. Doch der Namensstreit blieb ungelöst. Seit fast drei Jahrzehnten belastet er nun die Beziehungen zwischen den zwei Nachbarstaaten auf der Balkanhalbinsel.

Die neue Regierung in Skopje drängt in die EU und die Nato

Die Griechen haben dabei die stärkere Position. Das Land ist EU- und Nato-Mitglied, Mazedonien ist für beide Organisationen seit Jahren Anwärter. 2008 blockierten die Griechen Mazedoniens Nato-Beitritt; die national-konservative Regierung von Premier Nikola Gruevski reagierte mit einer Reihe von Provokationen. Spätestens 2014 gab es in dem Konflikt keinerlei Bewegung mehr. Nun aber zeichnet sich ein Tauwetter ab: Seit Juni regiert in Skopje der Sozialdemokrat Zoran Zaev und sendet versöhnliche Signale aus. Seine Regierung will endlich den Weg in die EU und die Nato ebnen. Auch Brüssel und Washington haben ein Interesse daran, das kleine Land dem Einfluss Russlands zu entziehen, und erhöhen den Druck auf Athen.

Für Nimetz, den geduldigen Diplomaten, ist der Moment also so günstig wie lange nicht. Berichten zufolge will Nimetz "Neu-Mazedonien" vorschlagen. Zeit, sich einen passenden Namen zu überlegen, hatte er ja genug.