Nahostkonflikt Waffenruhe im Gazastreifen hält

Nahostkonflikt: Palästinenser schauen zu, wie Rettungskräfte ein zerstörtes Haus im Süden des Gazastreifens nach Opfern durchsuchen.

(Foto: AFP)

+++ Israel und Hamas willigen in Feuerpause ein, um humanitäre Hilfe zu ermöglichen +++ Waffenruhe gilt seit Samstagmorgen +++ Außenminister beraten in Paris +++

  • Israels Regierung und die palästinensische Hamas haben sich auf eine Feuerpause geeinigt. Am Samstag soll ab sieben Uhr für zwölf Stunden nicht gekämpft werden.
  • Bundesaußenminister Steinmeier reist zu einem internationalem Krisentreffen in Paris.
  • Lufthansa und Air Berlin fliegen wieder nach und von Tel Aviv.

Konfliktparteien stimmen Waffenruhe im Gazastreifen zu

Israel und die Hamas wollen am Samstag für zwölf Stunden die Waffen ruhen lassen, um humanitäre Hilfe im Gazastreifen zu ermöglichen. Die Feuerpause trat um sieben Uhr (MESZ) in Kraft. Am Vormittag blieb die Lage Beobachtern zufolge ruhig. Die israelische Armee setzt nach eigenen Angaben allerdings das Lokalisieren und Zerstören von Tunneln der Hamas im Gazastreifen fort. Sollten palästinensische Militante die Feuerpause nutzen, um israelische Soldaten anzugreifen oder auf israelische Zivilisten zu schießen, werde die Armee dies beantworten, hieß es.

In der Nacht hatte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zunächst US-Außenminister John Kerry über die Annahme des Vorschlags informiert. Dann stimmte auch die Hamas zu. In Kairo hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zuvor eine siebentägige Waffenruhe für den Gazastreifen vorgeschlagen, um die Menschen dort mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen. Sie soll mit einer Feuerpause von zwölf Stunden beginnen, die dann ausgeweitet werden soll, sagte Ban. Diesem Vorschlag steht die israelische Regierung allerdings offenbar skeptisch gegenüber.

Internationales Krisentreffen in Paris

Am Samstag soll auf einer internationalen Außenminister-Konferenz in Paris weiter über den Gaza-Konflikt beraten werden. Der französische Außenminister Laurent Fabius empfängt US-Außenminister John Kerry, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und seine Kollegen aus Großbritannien, Italien, Katar und der Türkei sowie die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton empfangen, verlautete aus Diplomatenkreisen.

Es gehe darum, die derzeit kursierenden internationalen Vorschläge für eine Waffenruhe zusammenzuführen. So sollen "möglichst schnell" die Bedingungen für eine Feuerpause im Gazastreifen ausgearbeitet werden, hieß es.

Deutsche Airlines fliegen wieder nach Tel Aviv

Die Lufthansa und Air Berlin wollen nach einer mehrtägigen Pause von Samstag an wieder Tel Aviv anfliegen. "Auf der Basis der neuesten uns vorliegenden Informationen und einer eigenen Bewertung der Sicherheitslage vor Ort" nehme das Unternehmen seine Flüge zum Flughafen Ben Gurion International Airport und zurück wieder auf. Nach Plan werde die Lufthansa allerdings erst im Laufe der kommenden Tage wieder fliegen.

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Kritik der UN an Angriff auf Schule mit Flüchtlingen

Die Vereinten Nationen kritisieren das israelische Militär für einen Angriff auf eine von den UN betriebene Schule im Gazastreifen. Bei Explosionen auf dem Gebäudekomplex in Beit Hanun waren am Donnerstag mindestens 15 Menschen getötet worden. Rettungskräften zufolge wurden zudem mehr als 200 Menschen verletzt. Sie hatten in dem Gebäude Zuflucht vor israelischen Angriffen gesucht. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bestätigte, dass auch UN-Mitarbeiter unter den Opfern sind.

Das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) erhob indirekt Vorwürfe gegen die israelischen Streitkräfte. UNRWA-Sprecher Chris Gunness sagte, man habe die israelische Armee extra über die genaue Lage der Schule informiert, um Treffer zu vermeiden. Eine Feuerpause sei abgelehnt worden.

Dagegen sagte ein Armeesprecher, es sei einer vierstündigen Feuerpause zugestimmt worden, um die Evakuierung der Schule zu ermöglichen. Ob die israelische Armee tatsächlich für den Beschuss verantwortlich war, blieb unklar.

Iran will Hamas aufrüsten

Die iranische Führung hat sich zur militärischen Aufrüstung der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen bekannt. "Sie brauchten die Technologie für die Waffenproduktion, die wir ihnen bereitgestellt haben", erklärte der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani nach Angaben des Senders al-Alam. Inzwischen seien die Kämpfer in Gaza in der Lage, sich selbst mit Waffen zu versorgen, sagte Laridschani demnach.

Bislang hatte sich die Führung in Teheran aber nicht explizit zu konkreten Militärhilfen bekannt. Die israelische Regierung hatte Iran 2012 vorgeworfen, Raketen mit einer Reichweite von etwa 75 Kilometern an die Hamas geliefert zu haben.

Hintergrund der aktuellen Krise

Bei der Gewalt zwischen Israelis und radikalen Palästinensern sind seit dem 8. Juli insgesamt mehr als 800 Menschen gestorben, vor allem Zivilisten. Tausende wurden verletzt. Bei dem folgenreichsten israelischen Angriff am Donnerstag starben in einer UN-Schule voller Flüchtlinge nach palästinensischen Angaben mindestens 16 Menschen.

Israel begründet die Offensive mit dem fortwährenden Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen. Durch Angriffe auf Abschussrampen, Waffenlager und unterirdische Tunnel will das Militär die Raketenangriffe unterbinden.

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