Nahostkonflikt 15 Tote bei israelischem Angriff auf einen Markt

Schmerz nach dem Tod von 15 Menschen auf einem Marktplatz im Gazastreifen: Ein Mann trauert um seinen Angehörigen, der von israelischem Beschuss getötet wurde.

(Foto: dpa)

+++ Bei einem Angriff auf einen Markt sterben mindestens 15 Menschen +++ UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und die USA machen Israel nach Beschuss einer Schule schwere Vorwürfe +++ Drei israelische Soldaten sterben durch Sprengfallen +++

  • Bei einem israelischen Angriff auf einen Markt im Gazastreifen sterben nach palästinensischen Angaben mindestens 15 Menschen. Zuvor soll die Hamas trotz der von Israel erklärten Waffenruhe Raketen abgefeuert haben.
  • UN und USA machen Israel schwere Vorwürfe, nachdem bei Attacke auf UN-Schule mindestens 19 Menschen ums Leben kamen.
  • Drei israelische Soldaten sterben durch Sprengfallen.

Offenbar zahlreiche Tote bei Angriff auf Markt im Gazastreifen

Nach palästinensischen Angaben sind bei einem Angriff der israelischen Armee auf einen Markt im Gazastreifen mindestens 15 Menschen getötet und 150 weitere verletzt worden. Ziel der Attacke sei ein gut besuchter Markt in Schedschaija gewesen, einem Vorort von Gaza-Stadt, teilte ein Sprecher der palästinensischen Rettungskräfte mit. Eine israelische Armeesprecherin sagte, man prüfe den Vorfall.

UN-Generalsekretär und USA kritisieren Israel scharf

Nach dem Beschuss einer Schule der Vereinten Nationen im Gazastreifen am Mittwochmorgen hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moonn Israel scharf kritisiert. Israel sei der Standort der Einrichtung mehrfach mitgeteilt worden, letztmals wenige Stunden vor dem Treffer, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bei einem Besuch in Costa Rica. "Ich verurteile diesen Angriff auf das Schärfste. Er ist durch nichts zu rechtfertigen."

Bans Stellvertreter Jan Eliasson forderte nach dem Schul-Beschuss ein Ende des Grauens: "Wir hatten die israelische Armee immer wieder auf die genau Position der Schule und die Flüchtlinge darin hingewiesen", sagte der Schwede. Bei dem Angriff kamen nach UN-Angaben mindestens 19 Menschen ums Leben. Die UN seien schockiert vom Angriff. "Wir müssen dieses Grauen stoppen. Wir sind an dem Punkt, an dem man sagen muss: Genug ist genug."

Der Direktor des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA), Pierre Krähenbühl, sagte: "Kinder wurden getötet, als sie neben ihren Eltern auf dem Boden eines Klassenraumes in einer den UN zugewiesenen Unterkunft schliefen."

Auch die USA verurteilen den Angriff, wie eine Sprecherin des Weißen Hauses sagte. Dabei seien "unschuldige Palästinenser" ums Leben gekommen, darunter auch Kinder und humanitäre Helfer.

Kampf bis zum Untergang

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Nach Angaben des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNWRA) schlugen fünf Panzergranaten in der Schule im Flüchtlingslager Dschebalja ein, in der etwa 3000 Palästinenser Zuflucht vor den Kämpfen gesucht hatten. Mehr als 125 Menschen seien verletzt worden. Bereits am 24. Juli waren bei einem Angriff auf eine UNRWA-Schule bei Beit Hanun mindestens 15 Menschen getötet und 200 verletzt worden.

Die israelische Armee rechtfertigte diesen Angriff damit, dass die Soldaten aus der Nähe des Gebäudes unter Beschuss genommen worden seien. Das berichtet die palästinensische Nachrichtenagentur Ma'an. Man habe auf das Feuer reagiert, hieß es von Seiten der israelischen Streitkräfte. Darüber hinaus würden die Schulgebäude wohl teilweise als Waffenlager genutzt. UN-Mitarbeiter bestätigten, in einer von ihnen verwalteten Schule tatsächlich Waffen gefunden zu haben. Die Sprecherin der US-Regierung erklärte, man verurteile auch diejenigen, die Verantwortung dafür tragen, dass Waffen in UN-Einrichtungen versteckt worden seien.

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Drei israelische Soldaten sterben durch Sprengfallen

Bei der Explosion von Sprengfallen sind drei israelische Soldaten getötet worden. Eine Armeesprecherin teilte mit, sie hätten in einem Haus einen verborgenen Tunnel entdeckt. Zwei in dem Gebäude versteckte Sprengsätze seien dann detoniert. Bei anderen Vorfällen im Verlauf des Tages seien 27 Soldaten verletzt worden. Damit stieg die Zahl der seit Beginn der israelischen Offensive getöteten Soldaten auf 56. Mehr als 100 Verletzte werden noch in Krankenhäusern behandelt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza kamen auf palästinensischer Seite mehr als 1240 Menschen ums Leben, mehr als 7000 wurden verletzt. Wie der Sprecher des UN-Hilfswerks UNRWA, Chris Gunness, mitteilte, starben auch fünf UN-Mitarbeiter, darunter drei für UNRWA tätige Lehrer.

Hamas soll Waffenruhe missbraucht haben

Israel warf der im Gazastreifen herrschenden Hamas vor, eine vierstündige humanitäre Waffenruhe missbraucht zu haben. Insgesamt seien 26 Raketen auf Israel abgefeuert worden. Zwei davon habe die Raketenabwehr abgefangen.

Die vorübergehende Einstellung des israelischen Beschusses sollte humanitäre Hilfe für die Menschen in der Palästinenserenklave ermöglichen, hieß es. Die Armee warnte die Einwohner des Gazastreifens allerdings davor, während der Kampfpause in die evakuierten Wohngebiete zurückzukehren.

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Bereits am Samstag hatten sich Israel und die Hamas auf eine zwölfstündige Waffenruhe verständigt. Wegen des anhaltenden Raketenbeschusses durch die Hamas nahmen die Streitkräfte aber vor Ablauf der Frist die Angriffe im Gazastreifen wieder auf.

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