Nahostkonflikt Palästinenser begehen Nakba-Tag mit Staatstrauer

Frauen schwenken palästinensische Fahnen und rufen Parolen in der Nähe des israelischen Grenzzauns anlässlich des Nakba-Tags, an dem die Palästinenser der Vertreibung und Flucht von Hunderttausenden während des ersten arabisch-israelischen Krieges 1948 gedenken.

(Foto: dpa)
  • Am 15. Mai begehen die Palästinenser den Tag der Nakba (dt.: Katastrophe).
  • Als solche bezeichnen sie die Flucht Hunderttausender im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948.
  • Die israelische Armee bereitet sich auf neue Ausschreitungen vor.

Der Montag war an den Grenzen zwischen Gaza und Israel der blutigste Tag seit Ende des Gazakriegs 2014. An diesem Dienstag werden die 59 Toten in Gaza beerdigt. Drei Tage Staatstrauer hat Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nach den gewaltsamen Geschehnissen ausgerufen, dazu einen Generalstreik. Der 15. Mai ist ein besonderer Tag für die Palästinenser, seit 70 Jahren schon.

Denn während Israel den Vortag, den 14. Mai, als Tag der Staatsgründung feiert, begehen die Palästinenser den Tag danach als Tag der Nakba, der Katastrophe. Sie gedenken an diesem Tag der Flucht Hunderttausender Palästinenser aus dem Gebiet des heutigen Israels im Zuge des ersten Nahostkrieges, in dem mehrere arabische Staaten den neugegründeten Staat Israel angriffen.

Der ehemalige palästinensische Minister Ghassan Khatib sagte dem Onlineportal Arab News: "Die Nakba ist ein Wendepunkt für alle Palästinenser. Der Nakba zu gedenken bedeutet, für den Widerstand einzutreten, besonders für Selbstbestimmung und Staatlichkeit." Der Kampf um ein Rückkehrrecht für die damals Geflohenen ist auch 70 Jahre später ein wichtiger Fixpunkt der palästinensischen Politik.

Der Begriff ist umstritten

In diesem Jahr wird der Tag im Gazastreifen und im Westjordanland politisch wie emotional umso aufgeladener - die israelische Armee hatte am Montag bei gewalttätigen Protesten Dutzende Palästinenser getötet und mehr als 2700 verletzt. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas sprach von einem "Massaker". Die Proteste bildeten den bisherigen Höhepunkt einer sechswöchigen Kampagne, in dem die Palästinenser unter dem Motto "Großer Rückkehrmarsch" gegen Israel demonstrierten.

Die Einordnung der Nakba und der Begriff selbst ist umstritten. Noch in der Nacht der Unabhängigkeitserklärung Israels vor 70 Jahren erklärte eine Allianz mehrerer arabischer Staaten Israel den Krieg. Im Zuge dieses Krieges verließen bis zu 700 000 Palästinenser das Gebiet des heutigen Israels. Die Palästinenser nennen das "Vertreibung". Israel weist diese Darstellung zurück und spricht davon, dass die Menschen vor dem Krieg geflohen oder der Aufforderung der arabischen Armeen zur Flucht gefolgt seien.