Nahostkonflikt Netanjahu kündigt Ausweitung der Angriffe auf Gaza an

Die neue Friedensinitiative ist gescheitert. Die Hamas lehnt eine Waffenruhe ab und feuert weiter Raketen auf Israel - dabei stirbt ein Zivilist. Als Reaktion spricht Ministerpräsident Netanjahu von einer "Intensivierung" der israelischen Offensive.

  • Eine Rakete aus dem Gazastreifen tötet einen Zivilisten in Israel - Ministerpräsident Netanjahu kündigt daraufhin eine Intensivierung der militärischen Einsätze an.
  • Außenminister Lieberman will, dass Israels Armee den Gazastreifen beherrscht.
  • Israel hat dem ägyptischen Plan für eine Waffenruhe zugestimmt, die Hamas allerdings sperrt sich.
  • Netanjahu feuert Vize-Verteidigungsminister wegen dessen Kritik am Kurs der Regierung.

Rakete tötet Israeli - Netanjahu kündigt stärkere Angriffe an

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat eine Ausweitung der Angriffe auf Ziele im Gazastreifen angekündigt. Israel habe keine andere Wahl als eine Ausweitung und "Intensivierung" seiner militärischen Einsätze, sagte Netanjahu am Dienstagabend. Erstmals wurde nach Militärangaben am Dienstag ein israelischer Zivilist durch eine Rakete getötet, die aus dem Gazastreifen abgefeuert worden war. Der Mann wurde laut Armee am Grenzübergang Eres tödlich verletzt. Demnach handelt es sich um einen 38-Jährigen, der in der Nähe der Grenze zum Gazastreifen Soldaten mit Nahrung versorgte. Seit Beginn der Offensive schlugen insgesamt 800 Raketen in Israel ein.

Die israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen starteten Anfang vergangener Woche, um den massiven Raketenbeschuss durch palästinensische Extremisten zu stoppen. Bei der israelischen Offensive wurden bereits fast 200 Palästinenser getötet, nach UN-Angaben ist jedes vierte Opfer ein Kind.

Lieberman fordert Eroberung des Gazastreifens

Bereits vor Netanjahus Ankündigung hatte der israelische Außenminister Avigdor Lieberman eine Wiedereroberung des Gazastreifens gefordert. "Der Staat Israel muss bis zum Ende gehen", sagte Lieberman. "Die Operation muss damit enden, dass die israelische Armee den Gazastreifen beherrscht." Die von Ägypten vorgeschlagene Waffenruhe beschrieb Lieberman als reine "Vorbereitung der nächsten Runde (der Gewalt)". Israel habe keine andere Wahl, als Krieg gegen die im Gazastreifen herrschende Hamas zu führen. Israels Armee hatte das Gebiet 2005 geräumt. Lieberman stimmte am Morgen im Sicherheitskabinett gegen eine Waffenruhe. Trotzdem sprach sich das Gremium für den ägyptischen Vorschlag aus.

Fatah für, Hamas gegen eine Waffenruhe

Auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, der im Westjordanland seinen Sitz hat, begrüßte den Vorstoß Ägyptens und rief der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa zufolge dazu auf, ihm zuzustimmen. Abbas und seine gemäßigte Fatah hatten im April mit der Hamas eine Einigung erzielt und eine Einheitsregierung gebildet.

Die Hamas reagierte mit deutlicher Ablehnung auf Ägyptens Vorschlag. Der bewaffnete Arm der militanten Palästinensergruppe, die Kassam-Brigaden, erklärte am Dienstag auf ihrer Internetseite, sie hätten zwar den Text des Entwurfs nicht erhalten. Aber die in Medien veröffentlichten Auszüge zeigten, dass es sich um eine Initiative der "Unterwerfung" handele. Auch der offizielle Sprecher der Hamas hat die Ablehnung einer Waffenruhe bekräftigt. Nach etwa sechsstündiger Feuerpause setzte Israel daraufhin seine Luftangriffe auf den Gazastreifen fort.

Netanjahu entlässt Vize-Verteidigungsminister Danon

Israels Ministerpräsident Netanjahu hat den stellvertretenden Verteidigungsminister Danny Danon entlassen. Das berichten übereinstimmend die Jerusalem Post und die Zeitung Haaretz. Anlass war demnach die Kritik des Politikers der rechten Regierungspartei Likud an der am Dienstag verkündeten einseitigen Feuerpause Israels. Danon hatte dies einen "Schlag ins Gesicht" für alle israelischen Bürger genannt. Schon in den letzten Wochen hatte Danon den Medien zufolge öfter Netanjahus Sicherheitspolitik kritisiert. Netanjahu ist Parteichef des konservativen Likud-Bündnisses, Danon Vorsitzender des Zentralkomitees.