Nahostkonflikt Mike Pence ist im Nahen Osten nicht erwünscht

Auf die Mauer zwischen israelischen und palästinensischen Gebieten hat jemand geschrieben: "Mr. Pence, Sie sind nicht willkommen".

(Foto: AFP)
  • US-Vizepräsident Mike Pence hat seine Reise nach Israel verschoben.
  • Der offizielle Grund ist eine Abstimmung über die Steuerreform in den USA Anfang kommender Woche.
  • Mike Pence, der als Vertreter der evangelikalen Christen gilt, wollte in der Vorweihnachtszeit in Israel christliche Stätten besuchen.
  • Aber nach Trumps Jerusalem-Entscheidung wird Pence als "persona non grata" behandelt - nicht nur von Muslimen, sondern auch von Christen.
Von Alexandra Föderl-Schmid, Tel Aviv

US-Vizepräsident Mike Pence hat seine Reise nach Israel verschoben, möglicherweise findet sie gar nicht statt. Er hätte eigentlich am Sonntag in Israel eintreffen und bis Dienstag bleiben sollen. Offiziell ist der Grund dafür die Abstimmung über die Steuerreform in den USA Anfang kommender Woche. Im Senat haben die Republikaner nur eine knappe Mehrheit, es könnte daher auf die Stimme des Vizepräsidenten ankommen, der gleichzeitig Präsident des Senats ist.

Der andere Grund dürfte sein, dass Pence sein ursprünglich geplantes Programm nach der Jerusalem-Erklärung von Präsident Donald Trump nicht so durchziehen kann wie gewünscht. Denn eigentlich wollte sich der evangelikale Christ in Israel zur Vorweihnachtszeit mit Christen treffen und christliche Stätten besuchen. Aber nach der Entscheidung der USA, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, wird Pence als eine Art "persona non grata" behandelt - nicht nur von Muslimen, sondern auch von Christen.

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Als Reaktion auf Raketen aus dem Palästinensergebiet fliegt Israel außerdem Luftangriffe. US-Vizepräsident Mike Pence verschiebt seine Nahost-Reise - vorgeblich aber nicht wegen des Konflikts, sondern aus einem ganz anderen Grund. mehr ...

Zuerst kündigte der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas an, er wolle sich nicht mit Pence treffen. Dann teilte man ihm mit, er sei auch in Bethlehem nicht erwünscht - höchstens als einfacher Pilger, richtete ihm Bürgermeister Anton Salman aus. Bethlehem ist zwar nur acht Kilometer von Jerusalem entfernt, liegt aber im Westjordanland und damit im Einflussbereich der Palästinensischen Autonomiebehörde.

Am Mittwoch erregte ein offener Brief des Schlüsselverwalters der Grabeskirche, eines zentralen Ziels der christlichen Pilger in der Jerusalemer Altstadt, Aufsehen: Kustos Adeeb Jowdeh al-Husseini rief dazu auf, Pence abzuweisen und forderte auch die Vertreter anderer Religionen zu einem Boykott auf. Pences Sprecherin versicherte daraufhin, ein Besuch in der Grabeskirche sei gar nicht geplant gewesen. Der Schlüssel der Grabeskirche wird seit Jahrhunderten von muslimischen Familien verwaltet.

Aus dem Lichter-Anzünden zu Chanukka wird definitiv nichts

In den vergangenen Tagen haben sich demonstrativ Priester und Vertreter der christlichen Kirchen den palästinensischen Protesten gegen die US-Entscheidung angeschlossen. Bereits zuvor hatten Vertreter der Kopten und des Großimam erklärt, sie wollten Pence bei dessen Visite in Kairo, wohin er aus Israel kommend reisen wollte, nicht treffen.

Auch der ursprünglich fest eingeplante Besuch an der Klagemauer wackelte. Dass er dort Lichter anlässlich des jüdischen Chanukka-Festes anzündet, daraus wird definitiv nichts, denn er kommt - so er kommt - erst nach dem jüdischen Weihnachtsfest in Israel an. Die Jerusalemer Altstadt ist überdies eine Zone, in die seit der Trump-Erklärung Mitarbeiter der US-Botschaft aus Sicherheitsgründen nicht gehen dürfen.

Wenn er doch nächsten Mittwoch eintreffen sollte, dann steht außer den obligatorischen Treffen mit Regierungschef Benjamin Netanjahu und Staatspräsident Reuven Rivlin sowie einem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem noch eine Rede in der Knesset am Donnerstag im Programm. Für diesen Fall haben die arabischen Abgeordneten im israelischen Parlament bereits Proteste angekündigt. Im Frühjahr war wegen der befürchteten Protestaktionen Donald Trumps Knesset-Rede in ein Museum verlegt worden, wo nur ausgewähltes Publikum zuhören durfte.

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