Das Auswärtige Amt, unter dessen stiller Steuerung sonst so widerstrebende Naturen wie die Briten und die Franzosen zu einer Linie gefunden hatten, bekommt den Kurs der Nahostpolitik nun vom Entwicklungsminister diktiert. Und in der deutschen Öffentlichkeit, wo die Freundschaft zu Israel aus vielen guten Gründen zur Staatsraison gehört, kippt die Stimmung.

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Israel gehen die Freunde aus. Nur wenige nutzen diese Schwäche so unverhohlen wie die Türkei. Die Regierung Erdogan ließ eine Friedensflotte auf große Fahrt gehen, um an Israels mangelnder Bewegungsfähigkeit ein Exempel zu statuieren. Die eigene Bedeutung als Vermittler, als Regionalmacht und Beweger wird mit israelischer Hilfe aufgeladen.

Zurück bleibt Israel, zunehmend isoliert, wachsend verbittert, verständnislos. Aus dem Opfer übermächtiger arabischer Kräfte wurde plötzlich ein Täter. Einst der islamistischen Terror-Willkür ausgeliefert, agiert Israel nun selbst immer wieder willkürlich. Auf der inzwischen veränderten Verbotsliste für den Gaza-Streifen standen sogar Süßigkeiten.

Wichtigstes Beweisstück für die regierungsamtliche Schizophrenie sind Trennzaun und Mauer: Sie halten den Terror fern, Israel wird seit zwei Jahren von schweren Anschlägen verschont. Aber gleichzeitig hat die Sperranlage die Machtverhältnisse verschoben: Zu sehen ist nicht mehr nur der demokratische David, sondern ein militärischer Goliath.

Die neue israelische Überlegenheit findet keine politische Übersetzung. Israel bewegt sich nicht - aus vielerlei Gründen. Der Sicherheitsapparat erstickt die Politik, das Land hadert nicht mehr mit den Palästinensern über eine Friedenslösung, sondern allenfalls noch mit sich selbst. Der Einfluss radikaler, orthodoxer Kräfte im Land wächst.

Für Israel sind dies - wieder einmal - Schicksalsmonate. Die politische Dynamik in der Region und in der Welt wendet sich gegen das Land. Die Zeit wird knapp; bald werden die radikalen Kräfte in der arabischen Welt mit ihrem untrüglichen Machtinstinkt spüren, dass sie die Zeit auf ihrer Seite haben. Irans großer Moment - die Nuklearisierung - rückt näher. Deswegen muss die israelische Regierung schnell handeln und Initiativen vorantreiben, möglichst sogar noch vor der US-Zwischenwahl im November: mit den Palästinensern im Westjordanland, selbst in Gaza. Der Nahost-Konflikt wird nicht nur mit Zäunen beendet. Wichtiger sind die Sympathien.

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  1. Israel gehen die Freunde aus
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(SZ vom 22.06.2010/liv)