Nahostkonflikt Netanjahu kündigt längere Militäroffensive an

Nahostkonflikt: Der Gazastreifen wird nach einem israelischen Angriff von einer Explosion erschüttert.

(Foto: dpa)

Deutliche Worte von Israels Ministerpräsident Netanjahu: Die Offensive im Gazastreifen werde andauern, "bis ihre Ziele erreicht sind". Auch ein erneuter Einsatz von Bodentruppen steht im Raum.

  • Laut Israel Ministerpräsident Benjamin Netanjahu könnte sich der Gazakrieg noch länger hinziehen. Außerdem fordert er die Bewohner des Gazastreifens auf, "sofort jedes Gelände zu verlassen, von dem aus die Hamas Terrorattacken auf uns startet".
  • Presseberichten zufolge erwägt Israel, auch wieder Bodentruppen in den Gazastreifen zu schicken.
  • Hamas-Kämpfer schießen Dutzende Raketen aus dem Gazastreifen ab. Aus dem Libanon wird auch der Norden Israels beschossen.
  • Im Gazastreifen lässt die Hamas weitere angebliche Kollaborateure hinrichten.

Netanjahu kündigt längere Militäroffensive an

Israel wird seine Militäroffensive gegen radikale Palästinensergruppen im Gazastreifen nach Angaben von Regierungschef Benjamin Netanjahu fortsetzen, bis von dort kein Beschuss mehr zu erwarten ist. Damit stellt sich Israel nach den Worten des Regierungschefs auf eine Fortsetzung des Gaza-Kriegs auch im kommenden Monat ein.

Zu Beginn einer Sondersitzung des Kabinetts sagte der Ministerpräsident: "Die Operation Schutzlinie wird erst enden, wenn ihre Ziele erreicht wurden - auch wenn dies einige Zeit kosten kann."

Warnung an die Bewohner des Gazastreifens

Außerdem wiederholte Netanjahu eine Warnung, die zuvor schon von der Armee per Flugblattabwürfen und mit Botschaften an Mobiltelefone an die Bewohner des Gazastreifens gerichtet worden war: "Ich rufe alle Bewohner Gazas auf, sofort jedes Gelände zu verlassen, von dem aus die Hamas Terrorattacken auf uns startet. Diese Orte sind allesamt für uns ein Angriffsziel."

Medien: Erneuter Einsatz von israelischen Bodentruppen in Gaza

In Israel wird derzeit laut Presseberichten auch wieder erwogen, mit Bodentruppen in den Gazastreifen einzurücken. Eine am 17. Juli gestartete Bodenoffensive war am 4. August beendet worden, um inzwischen gescheiterte Friedensgespräche in Kairo aufzunehmen.

Bombardierung eines Hochhauses

Im Krieg gegen die radikalislamische Hamas hat die israelische Armee zwei Bomben auf ein Hochhaus in Gaza-Stadt abgeworfen und das 13-stöckige Gebäude dem Erdboden gleichgemacht. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden dabei 17 Menschen verletzt. Zwei Stunden vor der Bombardierung des Hochhauses in Gaza-Stadt warnte das Militär die Bewohner mit Flugblättern und Telefonanrufen. Sie wurden aufgefordert, das Gebäude zu räumen.

Grund war der Armee zufolge, dass Hamas-Kämpfer daraus operiert hätten. Israel warnte am Samstag auch die gesamte Bevölkerung im Gazastreifen vor neuen Angriffen. Die Armee warf Flugblätter ab, auf denen sie die Menschen aufrief, sich von Orten fernzuhalten, an denen militante Palästinenser Raketen abschießen. Jedes Haus, das Ausgangspunkt militärischer Aktionen sei, werde attackiert. Die Armee beschoss nach eigenen Angaben am Samstag Dutzende Ziele im Gazastreifen.

Hinrichtung von mutmaßlichen Kollaborateuren

Die radikal-islamische Hamas verfolgt im Gazastreifen weiter mutmaßliche Kollaborateure. Hamas-Kämpfer erschossen am Samstag vor Dutzenden Zeugen im Hof einer Moschee in Dschabalija vier Männer, die der Zusammenarbeit mit Israel bezichtigt wurden, wie die Nachrichtenagentur Maan meldete.

Den mutmaßlichen Spitzeln wurde der Hamas zufolge zuvor der Prozess gemacht. Bereits am Donnerstag und Freitag hatten die Extremisten mindestens 21 Männer getötet, die mit Israel zusammengearbeitet haben sollen. Das Vorgehen gegen die angeblichen Informanten könnte im Zusammenhang mit den gezielten Tötungen von Hamas-Funktionären durch die israelische Armee stehen.

Neue Raketenangriffe auf Israel

Auch Israel geriet unter Beschuss: Eine Armeesprecherin sagte, militante Palästinenser hätten bis zum Abend mehr als 50 Raketen abgefeuert. Auf den von Israel besetzten Golanhöhen schlugen nach Angaben des israelischen Militärs am Sonntag mehrere aus Syrien abgefeuerte Raketen ein. Mindestens fünf Raketen seien an verschiedenen Orten der Golanhöhen niedergegangen, teilte die Armee mit. Auf den Golanhöhen, die Israel seit dem Sechstagekrieg 1967 teilweise besetzt hält, ist die Lage seit dem Beginn des Bürgerkriegs in Syrien vor über drei Jahren angespannt. Nach israelischer Darstellung waren bereits Mitte Juli Raketen aus Syrien in einem von Israel besetzten Gebiet der Golanhöhen eingeschlagen.

Im Norden Israels war am Samstag auch eine aus dem Libanon abgefeuerte Rakete eingeschlagen. Dabei gab es offenbar ebenfalls keine Opfer oder Schäden. Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, die Rakete sei aus Dheira nahe der Grenze abgeschossen worden. Hinweise auf die Urheber des Angriffs gab es zunächst nicht.

Forderung nach diplomatischen Bemühungen

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas forderte ein Ende der Kämpfe. Die Konfliktparteien müssten sobald wie möglich an den Verhandlungstisch zurückkehren, sagte Abbas in Kairo. Zuvor hatte er sich mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi getroffen, dessen Regierung in dem Konflikt zu vermitteln sucht.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon telefonierte erneut mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und forderte, die Konfliktparteien müssten bald eine dauerhafte Feuerpause vereinbaren sowie erneut "ernsthafte Verhandlungen" über eine Zwei-Staaten-Lösung aufnehmen.

Der jüngste Gazakrieg

Seit Beginn des Gazakriegs vor etwa sechs Wochen kamen nach palästinensischen Angaben in dem Küstengebiet etwa 2100 Menschen um, mehr als 10 500 wurden verletzt. Auf israelischer Seite starben bislang 64 Soldaten und vier Zivilisten, Hunderte mussten medizinisch versorgt werden.