SZ: Sie behaupten auch, das UN-Warenlager in Gaza sei mit Phosphorgranaten beschossen worden.

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UNWRA-Chef John Ging (© Foto: Kati Eglau)

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Ging: Ja. Und ich kann es klar belegen. Ich will wissen, warum solche Waffen auf UN-Einrichtungen abgefeuert worden sind. Das ist beispiellos. Auch der UN-Generalsekretär verlangt eine unabhängige Untersuchung.

SZ: Israel sagt, Hamas missbrauche Zivilisten als menschliche Schutzschilde.

Ging: Wenn ein Bankräuber Geiseln nimmt, wirft die Polizei dann Handgranaten in die Bank? Wir verbieten der Polizei mit Grund, die Geiseln zu töten, um des Geiselnehmers habhaft zu werden. Es geht um den Einsatz verhältnismäßiger Mittel. Auch die Frage, wer ein Terrorist ist und wer kein Terrorist ist, beantwortet sich allein durch internationales Recht und Rechtsstaatlichkeit. Und niemand darf als Gruppe verurteilt werden, jeder muss einzeln gehört werden.

SZ: Gegen wen richtet sich der Krieg in Gaza?

Ging: Das Mantra der Regierungssprecher ist, dass die Luftangriffe die Infrastruktur der Terroristen treffen sollte. Nehmen wir die internationale amerikanische Schule in Gaza - sie wurde bombardiert und zerstört. Welche terroristische Infrastruktur bietet die US-Schule? An ihr werden 600 Kinder auf Englisch unterrichtet. Nach US-Lehrplan. Die Schule hat sieben Millionen Dollar gekostet. Und ist jetzt ein Schutthaufen.

Es fanden sich dort keine toten Militanten. Die einzige Leiche, die im Schutt gefunden wurde, war die des Hausmeisters.

SZ: Das kann auch ein Einzelfall gewesen sein.

Ging: Dis Liste ist lang. Das Außenministerium, der Präsidentenpalast, das Gästehaus der Regierung sind zerstört worden. Das ist nicht die Infrastruktur des Terrors, die da zerstört wurde. Was zerstört wird, ist die Infrastruktur eines zukünftigen Palästinenserstaats. Und jetzt müssen wir für hunderte Millionen Dollar das wieder aufbauen, was wir schon hatten.

SZ: Sie sind seit drei Jahren für die UNWRA in Gaza verantwortlich. Drei Jahre, in denen die Lage in Gaza immer dramatischer geworden ist.

Ging: Die Politiker reden sich ein, dass die Politik der Wirtschaftsblockade und des Bombardements des Gaza-Streifens ein notwendiger Teil des Krieges gegen den Terror sei. Das Gegenteil ist aber der Fall: Diese Politik schafft nur neue Extremisten und neuen Terror. Wenn wir keine anderen Antworten auf die Probleme von Gaza finden, werden wir den nächsten Krieg in einem Jahr oder schon in sechs Monaten erleben.

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(sueddeutsche.de/bavo)