Nahostkonflikt Al-Qaida in Gaza

Vor allem im Gaza-Streifen positionieren sich immer extremistischere Gruppen. Für die Hamas ist das eine Herausforderung - und für die Welt eine große Gefahr.

Ein Kommentar von Peter Münch

Wenn westliche Politiker in den Nahen Osten reisen, sehen sie sich gern auf Friedensmission. Auch die Britin Catherine Ashton, der außenpolitische Azubi aus Brüssel, wollte auf ihrer ersten Reise in die Region einen Anlauf zu neuen Verhandlungen unterstützen.

Doch der Frieden ist fern, und eine der deprimierendsten Lektionen hat die EU-Außenbeauftragte Ashton nun mit dem Knall einer tödlichen Kassam-Rakete lernen müssen, die vom Gaza-Streifen aus auf Israel abgefeuert wurde. Die Lehre lautet: In diesem Konflikt wird längst schon nicht mehr nur an einer Front gekämpft, die Fronten sind überall.

Je länger die Auseinandersetzung zwischen Israelis und Palästinensern dauert, desto zerstörerischer wirkt sie sich auch auf das Innere der beiden Konfliktgesellschaften aus. In Israel wird der Kampf meist im weit gedehnten Rahmen der Demokratie geführt. Doch auch der jüdische Staat hat Erfahrung mit Siedlergewalt und internem Terror bis hin zum Mord an Premier Jitzchak Rabin. Die palästinensische Gesellschaft aber droht zunehmend in Einzelteile zu zerfallen - und auch das mit Gewalt.

Denn mittlerweile kämpfen nicht nur die moderate Fatah und die radikale Hamas gegeneinander. Vor allem im Gaza-Streifen positionieren sich noch extremistischere Gruppen, die nicht mehr dem nationalen palästinensischen Interesse verpflichtet sind, sondern sich als Teil der dschihadistischen Internationale verstehen.

Eine solche Gruppe hat sich nun wieder einer von der Hamas angeordneten Waffenruhe widersetzt und die tödliche Rakete auf Israel gefeuert. Für die Hamas ist das eine Herausforderung - und für die Welt ist es eine große Gefahr, wenn sich al-Qaida in Gaza festsetzt.