Der wachsende Widerstand radikaler Siedler gegen eine Räumung des Gaza-Streifens könnte nach Ansicht von Israels Ministerpräsident Ariel Scharon einen Bürgerkrieg auslösen. Er kündigte ein gezieltes Vorgehen gegen "Aufwiegler" an.
Vor einer Massenkundgebung rechter Israelis in Jerusalem am Sonntag verurteilte der Premier das Vorgehen der Siedler scharf. Scharon rief sie dazu auf, die Armee nicht in ihr "hässliches Spiel" zu verwickeln. Er kündigte ein gezieltes Vorgehen gegen "Aufwiegler" an.
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"Ich würde sagen, dass manche Appelle direkt auf einen Bürgerkrieg hinauslaufen", warnte Scharon. Er spielte damit auf eine Aufforderung von Hardlinern unter den Abzugs-Gegnern an die Streitkräfte an, jeden Befehl zur Räumung des Gaza-Streifens zu verweigern.
Einige Siedlervertreter hatten am Freitag sogar direkt einen "Bürgerkrieg" angedroht. Sie kündigten an, sie wollten sich einer Räumung ihrer Wohngebiete widersetzen und Soldaten gewaltsam vertreiben. Am Sonntagabend wurden in Jerusalem mehrere Zehntausend Teilnehmer zu einer Demonstration gegen den Rückzugsplan erwartet.
Auch die israelischen Medien waren von der Furcht vor neuer Gewalt beherrscht. Die Zeitung Haaretz zitierte anonyme Sicherheitsbeamte mit der Einschätzung, dass es zu zwei gefährlichen Szenarien kommen könnte: Radikale Siedler könnten entweder ein Attentat auf Scharon verüben oder eine Moschee auf dem Jerusalemer Tempelberg angreifen.
Unterstützung für den Gaza-Rückzugsplan erhielt Scharon abermals von amerikanischer Seite. Der für den Nahen Osten zuständige Staatssekretär im US-Außenministerium, William Burns, sprach am Sonntag in Kairo von einem wichtigen Schritt zur Umsetzung der so genannten Roadmap zum Frieden.
Am Samstag hatte die israelische Armee eine viertägige Militäroperation im Gaza-Streifen beendet und ihre Panzer vorerst wieder abgezogen. Der Abzug wurde von anhaltenden Mörserangriffen militanter Palästinenser auf jüdische Siedlungen überschattet.
In Netzarim wurde dabei ein Haus getroffen, zwei Soldaten wurden von umherfliegenden Trümmerteilen leicht verletzt. Die Armee erklärte, sie habe die Wohngebiete des Autonomiegebiets verlassen, doch seien Soldaten weiterhin an strategischen Stellen positioniert.
Die Streitkräfte waren am Dienstag in den Gaza-Streifen eingerückt, um nach eigenen Angaben gegen Extremisten vorzugehen, die aus dem Gebiet Raketen auf israelisches Gebiet abfeuerten.
Bei der Militäroperation starben acht Palästinenser, darunter ein Mitglied der radikal-islamischen Hamas-Organisation, 110 Menschen wurden verletzt. Etwa 130.000 Bewohner hätten infolge der Offensive weder Strom noch Trinkwasser, erklärte der Bürgermeister von Beit Lahija, Adel Hammude. Nach Angaben der Behörden wurden 22 Häuser, zehn Geschäfte und fünf Fabriken zerstört.
(SZ vom 13.9.2004)
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