Nahost Papst fordert Erhalt des Status quo in Jerusalem

Papst Franziskus hat sich für den Erhalt des gegenwärtigen Status von Jerusalem ausgesprochen.

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  • Nach der umstrittenen Entscheidung von US-Präsident Donald Trump ruft Papst Franziskus zum Erhalt des Status Quo auf.
  • Auch zahlreiche Politiker kritisieren Trumps Entscheidung.
  • Der saudische König Salman sagte, ein solch "gefährlicher Schritt" würde Muslime weltweit provozieren.

Papst Franziskus hat sich für den Erhalt des gegenwärtigen Status von Jerusalem ausgesprochen. Er rief zu "Weisheit und Vorsicht" auf, um weitere Konflikte zu vermeiden. Damit reagierte er auf die von US-Präsident Donald Trump beabsichtigte Verlegung der Botschaft von Tel Aviv dorthin, was der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels gleichkäme.

Franziskus sei "zutiefst besorgt" über die jüngsten Entwicklungen, sagte er, und nannte Jerusalem einen einzigartigen und heiligen Ort für Christen, Juden und Muslime, der eine "besondere Berufung für Frieden" habe. Er rief dazu auf, "dass jeder den Status quo der Stadt respektiert", den Jerusalem gemäß UN-Resolutionen habe.

SPD-Chef Martin Schulz kritisierte den US-Präsidenten scharf: "Ich finde, Präsident Trump untergräbt mit seiner angekündigten Entscheidung die internationale Stabilität", sagte Schulz in Berlin. Diese Stabilität sei von den USA sehr lange geprägt und garantiert worden. "Erreichte Fortschritte sind damit in Gefahr", so Schulz. Die britische Premierministerin Theresa May regte an, den Status von Jerusalem im Rahmen eines Abkommens zwischen Israel und den Palästinensern und einer Zwei-Staaten-Lösung zu klären. Israel und ein künftiger Palästinenser-Staat sollten sich Jerusalem letztlich teilen, sagt May. Sie wolle mit Trump darüber sprechen.

Die Türkei richtete eine eindringliche Warnung an Trump. Mit seiner angekündigten Entscheidung könnte Trump "die Region und die Welt in Brand stecken, ohne dass jemand weiß, wie es endet", erklärte Regierungssprecher Bekir Bozdağ auf Twitter. Ein solcher Schritt würde keine "Stabilität und Frieden bringen, sondern eher Chaos und Instabilität", sagte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu kurz vor einem Gespräch mit US-Außenminister Rex Tillerson am Rande eines Nato-Treffens in Brüssel. Nicht nur Muslime seien dagegen und würden reagieren, "die ganze Welt ist dagegen", sagte er.

Tillerson erklärte seinerseits, dass der Friedensprozess in Nahost für US-Präsident Trump sehr wichtig sei. Die USA arbeiteten an neuen Ansätzen, sagt der US-Außenminister am Rande eines Nato-Treffens in Brüssel.

Arabische Länder sprechen sich gegen US-Pläne aus

Iran wertete das Vorhaben Trumps als Zeichen der Schwäche. Dieser Schritt werde die Befreiung Palästinas von israelischer Besetzung nicht stoppen, betonte Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei. "Jerusalem zur Hauptstadt des besetzten Palästinas zu erklären, zeigt lediglich die Verzweiflung und Handlungsunfähigkeit (der USA und Israels)", sagte er.

Zahlreiche arabische Länder hatten sich bereits am Dienstag vehement gegen die US-Pläne ausgesprochen. Der saudische König Salman sagte in einem Telefonat mit Trump, eine Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels ohne eine abschließende Regelung mit den Palästinensern schade dem Nahost-Friedensprozess und erhöhe die Spannungen in der Region. Ein solch "gefährlicher Schritt" würde Muslime weltweit provozieren.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi drängte Trump in einem Telefongespräch, die Lage in der Region nicht noch komplizierter zu machen. Man dürfe keine Schritte unternehmen, die die Chancen auf einen Frieden im Nahen Osten untergraben würden. Auch Marokko äußerte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur MPA "tiefe Sorge und scharfe Ablehnung".

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