Nahost-Konflikt Jüdischer Pilger am Josefgrab erschossen

Der Nahost-Konflikt hat ein neues Todesopfer gefordert: Ein Palästinenser erschoss am Josefgrab in der Westbank den Sohn einer Likud-Abgeordneten. Der Vorfall löste in der ganzen Region Unruhen aus.

Tragischer Zwischenfall im Westjordanland: Ein junger Israeli ist am Sonntag am Grab des Patriarchen Josef von einem Mann in einer palästinensischen Polizeiuniform erschossen worden. Vier seiner Begleiter seien bei dem nicht genehmigten Besuch des in Nablus gelegenen Grabs verletzt worden, teilten die israelischen Streitkräfte mit. Die knapp 130.000 Einwohner zählende Stadt Nablus liegt im Norden der palästinensischen Autonomiegebiete, die für Israelis nicht ohne weiteres zugänglich sind.

Das Josef-Grab in Nablus: Nach dem gewaltsamen Tod eines Israelis an der biblischen Stätte verwüsten Palästinenser den Gedenkort: Sie legen Feuer in dem leeren Gebäude und werfen Steine.

(Foto: REUTERS)

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hat den tödlichen Angriff auf verurteilt. Die Autonomiebehörde müsse den Schützen, einen palästinensischen Polizisten, zur Rechenschaft ziehen, forderte Netanjahu nach der Beerdigung des Opfers. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak sprach von einem Mord. "Kein Koordinierungsproblem kann solch einen Zwischenfall und das Schießen auf unschuldige Leute rechtfertigen", sagte Barak in einer Pressemitteilung.

Der palästinensische Gouverneur von Nablus, Dschibril al Bakri, sagte, die palästinensischen Behörden hätten Ermittlungen aufgenommen. "Das Hauptproblem ist, dass sie (die Israelis) die Stadt ohne Koordinierung betreten haben", sagte er.

Jüdische Gläubige werden oft von einer Militäreskorte zum Grab Josefs mitten in Nablus geleitet. Die israelischen Streitkräfte hatten zuvor mitgeteilt, die palästinensischen Behörden hätten erklärt, dass die Israelis "von einem palästinensischen Polizisten beschossen wurden, der - nachdem er verdächtige Bewegungen bemerkt habe - in ihre Richtung gefeuert habe".

Israelis und Palästinenser arbeiten in Sicherheitsfragen im Westjordanland in der Regel eng zusammen. Konflikte ergeben sich oft an biblischem Stätten wie dem Grab Josefs in Nablus, dem Grab der Patriarchen in Hebron und Rachels Grab bei Bethlehem.

Getöteter war Neffe einer Likud-Abgeordneten

Nach dem Zwischenfall verwüsteten Palästinenser das Grab: Sie legten Feuer in dem leeren Gebäude und warfen Steine. Jüdische Siedler griffen bei Nablus palästinensische Autofahrer an; ein Auto wurde in Brand gesteckt und andere Fahrzeuge mit Steinen beworfen.

Ihr Dachverband Jescha erklärte, die Schüsse zeigten, dass der palästinensischen Autonomiebehörde nicht getraut werden könne.

Bei dem Getöteten handelt es sich nach Polizeiangaben um Ben Josef Livnat aus Jerusalem, israelischen Medienberichten zuufolge ein Neffe der Likud-Abgeordneten Limor Livnat. Livnat wurde von der Online-Ausgabe der israelischen Zeitung Maariv mit den Worten zitiert, ihr Neffe sei von einem "als palästinensischer Polizist verkleideten Terroristen" getötet worden. Ben Josef Livnat war Mitte 20.

Nablus ging in den Neunziger Jahren im Rahmen des Friedensprozesses von israelischer in palästinensische Kontrolle über. Im Jahr 2000 zogen sich die israelischen Truppen von dem Grab zurück, die Grabstätte wurde anschließend geplündert und in Brand gesteckt.

Später wurde das Bauwerk wieder restauriert. Aufgrund der verbesserten Sicherheitslage und der weiteren Kooperation zwischen israelischen und palästinensischen Sicherheitskräften waren in den vergangenen Jahren jüdische Pilger in organisierten Gruppen dorthin gereist.