Nahostkonflikt Israelische Marine entert Gaza-Hilfsschiff

Israelische Soldaten haben im Mittelmeer eine französische Yacht mit Kurs auf den Gaza-Streifen gestoppt. Die propalästinensischen Aktivisten sollen keinen Widerstand geleistet haben.

Die israelischen Streitkräfte haben eigenen Angaben zufolge vor der Küste des Gazastreifens ein Schiff propalästinensischer Aktivisten geentert. Die Personen an Bord hätten keinen Widerstand geleistet, sagte eine Sprecherin. Soldaten seien an Bord der Dignitié al Karama gegangen, alles sei ruhig abgelaufen. Es habe keine Verletzen gegeben. Das Schiff werde nun in den israelischen Hafen Aschdod geschleppt, berichtete Al-Dschasira.

Zuvor sei den 16 Besatzungsmitgliedern der französischen Yacht per Funk mitgeteilt worden, dass sie in Richtung eines gesperrten Gebietes unterwegs seien, sagte eine Armeesprecherin in Tel Aviv. Die israelische Marine hatte das Schiff nach eigenen Angaben zunächst aufgefordert, vor dem Gazastreifen abzudrehen. Israel habe zudem angeboten, dass die Hilfsgüter in Aschdod ausgeladen werden könnten.

Ein Sprecher der Organisation "Ein französisches Schiff für Gaza" sagte, er habe am Dienstagmorgen mit den Aktivisten an Bord gesprochen. Vor der Enterung des Schiffes folgten vier Marineschiffe der Dignité al Kamara. Um 9:15 Uhr sei der Kontakt zu der Mannschaft abgerissen, heißt es auf der Homepage der Organisation. Inzwischen teilten sie per Twitter mit, die Aktivisten würden nach Aschdod gebracht und dort verhört.

Die französische Yacht ist das bislang einzige Boot aus der Gaza-Hilfsflotte, das Kurs auf den Gazastreifen genommen hat. Sie hatte beim Auslaufen in Griechenland einen ägyptischen Hafen als Ziel angegeben. Die anderen Schiffe liegen in Griechenland fest und dürfen nicht auslaufen.

Israel begründet die Blockade des Küstenstreifens vor allem damit, dass Waffenlieferungen an die im Gazastreifen regierende radikale Hamas unterbunden werden sollen. Menschenrechtsgruppen dagegen bezeichnen die Abriegelung als unrechtmäßig. Sie verweisen darauf, dass die rund 1,5 Millionen Palästinenser, die im Gazastreifen auf engstem Raum leben, auf Hilfslieferungen aus dem Ausland angewiesen sind.

Bei der gewaltsamen Übernahme von Schiffen einer Hilfsflotte hatte ein israelisches Kommando Ende Mai vergangenen Jahres neun pro-palästinensische Aktivisten aus der Türkei getötet.