Ein Kommentar von Rudolph Chimelli

Der Krieg im Gaza-Streifen hat kein Problem gelöst, sondern nur Hoffnungen zerstört: Den Traum von Frieden und Normalität hat Israel mit seiner Offensive auf lange Sicht zerstört.

Der Waffenlärm in Gaza ist verstummt, die Schreckensbilder verblassen. Obwohl kein Problem gelöst wurde, scheinen einige Resultate des Dreiwochenkrieges schon jetzt gewiss zu sein.

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Palästinensische Kinder spielen in den Trümmern zerbombter Häuser im Gaza-Streifen. (© Foto: dpa)

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Mehr denn je ist Israel in der arabisch-islamischen Welt zum Paria geworden, und nie war die Bereitschaft in der Region so gering, den jüdischen Staat auf Dauer als Nachbarn und Partner zu akzeptieren.

Dabei hatten Hoffnungen auf einen haltbaren Frieden, Sicherheit und Normalität gerade darauf beruht, Israel werde sich eines Tages als verträgliches Gemeinwesen in ein arabisches Umfeld integrieren lassen.

Diese Utopie liegt nun in den Trümmern von Gaza begraben, für Jahre, wenn nicht für die Frist einer Generation. Bis dahin freilich werden sich die demographischen und politischen Gegebenheiten wandeln - und nicht unbedingt zum Vorteil Israels.

Verbesserte Lage für die Hisbollah

Aus ihrer blamablen Schwäche angesichts des Krieges werden die arabischen Staaten kaum den Schluss ziehen, nun sei Einigkeit geboten: Vielmehr werden sie aufrüsten, um gegen Handlungsunfähigkeit, Druck durch rivalisierende Bruderstaaten und Bedrohung durch israelische Übermacht oder ihre eigenen Islamisten besser gewappnet zu sein.

Speziell im Libanon, der vor zwei Jahren eine israelische Invasion im Gaza-Stil erlebte, wird niemand mehr wagen, auf einer Entwaffnung der islamistischen Hisbollah-Bewegung zu bestehen. Die Chancen der Hisbollah und ihrer Verbündeten bei den Wahlen im Frühling dürften sich durch Gaza stark verbessert haben.

Zu den Opfern des Krieges gehören der berüchtigt-endlose Friedensprozess und das Zwei-Staaten-Projekt zur Beilegung des Jahrhundert-Konflikts um Palästina/Israel.

Friedensofferte im Schwebezustand

Die Pläne litten schon bisher daran, dass Israel einem Palästinenser-Staat mit begrenzter Souveränität neben Gaza nur Puzzle-Teilstücke des besetzten Westjordanlandes zugestehen wollte, während israelische Siedlungen ausgebaut wurden. Der Status des arabischen Ostteils von Jerusalem und die Grenzziehung werden nun noch schwerer zu regeln sein.

Im gleichen Schwebezustand befindet sich der von Saudi-Arabien initiierte Friedensplan, der die Anerkennung Israels durch sämtliche arabischen Staaten gegen Räumung aller besetzten Gebiete vorsieht. Jetzt droht Riad mit der Annullierung der Offerte.

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