Nahostkonflikt Britische Regierung warnt Israel vor Bodenoffensive

Israels Premier Netanjahu droht, den Militäreinsatz im Gazastreifen auszuweiten - die Angst vor einer Eskalation wächst: Großbritanniens Außenminister Hague warnt eindringlich vor einer Bodenoffensive. Israel könnte so Unterstützung "in aller Welt" verlieren. Bei einem Luftangriff auf ein Haus in Gaza kamen nach palästinensischen Angaben zehn Zivilisten ums Leben.

Nahe der Grenze zum Gazastreifen bereiten Israelische Soldaten Panzer auf einen möglichen Einsatz während einer Bodenoffensive vor.

(Foto: AFP)

Mahnung aus Großbritannien: Der britische Premierminister David Cameron hat in einem Telefonat den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu dazu aufgerufen, "alles nur Mögliche zu tun", um die Krise in Gaza zu beenden. "Der Premierminister hat seine Anteilnahme ausgedrückt für die israelische Zivilbevölkerung, die unter den Raketenangriffen leidet", sagte eine Sprecherin. Er sei besorgt, dass der Konflikt weiter eskalieren könne.

Außenminister William Hague bekräftigte am Sonntag auf dem Fernsehsender Sky, dass Israel riskiere, internationale Sympathien zu verlieren, sollte es eine Bodenoffensive im Gazastreifen starten. "Eine Bodenoffensive könnte dazu führen, dass Israel Unterstützung und Sympathien in aller Welt verliert."

Hague und Cameron sehen die Hauptverantwortung für die Eskalation der Gewalt allerdings bei der radikal-islamischen Hamas.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drohte mit einer massiven Ausweitung seiner Offensive im Gazastreifen. Im Kabinett sagte er, die Hamas und andere extremistische Organisationen müssten einen hohen Preis für die Raketenangriffe auf Israel bezahlen. Die israelischen Streitkräfte bereiteten erforderliche Schritte vor. Die Möglichkeit einer Bodenoffensive gegen das Palästinenser-Gebiet erwähnte er nicht explizit.

Netanjahu stellt Bedingung

Verteidigungsminister Ehud Barak wurde noch deutlicher. Er sagte, eine Fortsetzung der Militäroperation sei "selbstverständlich. Wir werden die Operation notfalls verstärken und auch vor einer Bodenoffensive nicht zurückschrecken, wenn es sein muss". Das Wichtigste sei, dass der Militäreinsatz seine Ziele erreiche.

Netanjahu sprach auch über die Möglichkeit einer Waffenruhe, stellte dafür aber eine Bedingung an die Hamas. "Erst mal müssen die Raketenangriffe aufhören, und dann können wir über den Rest reden", sagte er nach einem Treffen mit dem französischen Außenminister Laurent Fabius, der sich um eine Waffenruhe in Nahost bemüht. "Halb Israels wird beschossen, und das kann nicht so weitergehen."

Fabius, der sich auch mit dem israelischen Außenminister Avigdor Lieberman traf, sagte in Jerusalem: "Wir müssen die Bedingungen für eine Waffenruhe schaffen. Wir müssen einen Krieg in Gaza verhindern."

Die israelische Luftwaffe fliegt seit Mittwoch Angriffe gegen den Gazastreifen. Bei einem Angriff auf ein Haus in Gaza kamen an diesem Sonntag nach palästinensischen Angaben zehn Zivilisten ums Leben. Ein Sprecher des Hamas-Gesundheitsministeriums teilte mit, unter den Toten seien fünf Kinder und zwei Frauen. Zehn Menschen seien verletzt worden.

Obama äußert Verständnis für Israel

Auch US-Präsident Barack Obama äußerte sich abermals zum Nahost-Konflikt. Allerdings setzte er einen anderen Akzent als die Briten. Obama verteidigte das Selbstverteidigungsrecht Israels in der jüngsten Gaza-Krise. Kein Land würde es tolerieren, dass von außerhalb seiner Grenzen immer wieder Raketen auf sein Territorium abgefeuert würden, sagte er während seines Besuchs in Thailand.

Auf die Frage, ob die USA Bodentruppen in Gaza tolerieren würden, antwortete er nicht direkt. Die USA bemühten sich, den Konflikt ohne weitere Eskalation beizulegen. Bei einer Zuspitzung des Konflikts sei es umso schwieriger, den Nahost-Friedensprozess zügig wieder in Gang zu setzen. "Lasst uns abwarten, was für Fortschritte wir in den nächsten 24 bis 36 Stunden erzielen können", sagte Obama.