Die israelische Armee hat drei im Bau befindliche Hochhäuser der Palästinensischen Autonomiebehörde in der Nähe der jüdischen Siedlung Netzarim südlich von Gaza-Stadt gesprengt.Nach Armeeangabe wurden die Rohbauten von palästinensischen Terrorgruppen für die Auskundschaftung jüdischer Siedlungen genutzt.

(SZ vom 27.10.2003) Jerusalem - In den bereits 13 Stockwerke hohen Gebäuden sollten Unterkünfte für palästinensische Sicherheitstruppen eingerichtet werden. Es handelte sich nach israelischen Medienangaben um die größte Wohnhaussprengung im Gaza-Streifen seit Beginn der Intifada vor drei Jahren.

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Am Freitag hatten zwei Mitglieder der palästinensischen Terror-Organisationen Hamas und Islamischer Dschihad einen Armeeposten in Netzarim überfallen und zwei israelische Soldatinnen und einen Soldaten getötet. Ein Attentäter war von Soldaten getötet worden, der zweite floh.

Nach Angaben eines Armeesprechers haben die Terrorgruppen von den drei Hochhäusern aus die isoliert gelegene Siedlung vor dem Überfall ausgekundschaftet. In Netzarim leben 60 Familien, die von einem großen Aufgebot an israelischen Soldaten Tag und Nacht bewacht werden. Der israelische Justizminister Tommy Lapid erklärte am Sonntag bei der Kabinettssitzung, es müsse legitim sein die Frage zu stellen, ob eine Siedlung mit 60 Familien von einem "Bataillon" der Armee geschützt werden müsse. Eine Mehrheit der israelischen Bevölkerung sei für eine Auflösung Netzarims.

Vor der Sprengung hatte die Armee etwa 2000 Palästinenser zum Verlassen ihrer Wohnungen aufgefordert. Durch die Wucht der Detonationen wurden nach palästinensischen Angaben mehrere Fahrzeuge beschädigt und drei Menschen leicht verletzt. Die Siedler in Netzarim suchten während der Sprengung Schutz in Bunkern.

Aus israelischen Armeekreisen hieß es, dass die Sprengung als "Warnung" an die Autonomiebehörde zu verstehen sei. Diese solle ihre Gebäude nicht den Terror-Organisationen überlassen. Brigade-General Gadi Schamni, der die Sprengungen beaufsichtigte, bezeichnete die Zerstörung der Gebäude als eine "Lektion" für die Autonomiebehörde.

Demonstration gegen Scharon

Zuvor hatte die Armee zwei Krankenhäuser in Nablus im Westjordanland gestürmt und zwei mutmaßliche palästinensische Terroristen verhaftet. Nach palästinensischen Angaben durchsuchten vermummte Soldaten die Kliniken, drangen in Krankenzimmer ein und schlossen Ärzte und Pflegepersonal für mehr als eine Stunde ein.

Im Anglikanischen Hospital hätten die Soldaten einen schwer verletzten Palästinenser aus seinem Bett geholt und ihn in ein israelisches Krankenhaus eingeliefert. Israel werfe dem Hamas-Mitglied vor, an der Planung von Selbstmordanschlägen beteiligt gewesen zu sein. Der Mann sei bei der vorzeitigen Explosion eines mit Sprengstoff beladenen Wagens schwer verletzt worden. In dem anderen Krankenhaus hätten Soldaten ein Mitglied der "Al-Aksa-Brigaden" festgenommen. Der palästinensische Kabinettsminister Saeb Erekat kritisierte die Razzien und Festnahmen in den Krankenhäusern und sagte, diese verstießen gegen das Völkerrecht.

Etwa 4000 Anhänger der israelischen Friedensbewegung "Peace now" haben am Wochenende vor dem Amtssitz von Regierungschef Ariel Scharon in Jerusalem gegen dessen Politik gegenüber den Palästinensern demonstriert. Zuvor hatte die Regierung erstmals einen detaillierten Plan über den Verlauf des Sperrzauns veröffentlicht, dem zufolge mehrere zehntausend Palästinenser vom übrigen Westjordanland getrennt werden sollen. Dem Verlauf zufolge sollen mehr als 80 Prozent der 220.000 jüdischen Siedler im Westjordanland auf israelischer Seite des Zaunes bleiben.

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