Libyen: Die Ereignisse zum Nachlesen Gaddafis Panzer attackieren Sawija
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Gaddafi lässt die Rebellen-Stadt Sawija erneut angreifen - Augenzeugen berichten von der Schlacht. US-Präsident Obama und Großbritanniens Premier Cameron verständigen sich auf eine härtere Gangart gegen den Diktator.
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Die blutigen Gefechte in Libyen halten an: Erneut lässt Gaddafi die Stadt Sawija nahe Tripolis angreifen. Derweil arbeiten westliche Regierungen an Plänen, eine Flugverbotszone einzurichten. Die Aufständischen bitten derweil vor Abgeordneten des Straßburger Europaparlaments um Anerkennung durch die EU - und um Waffenhilfe. Die Entwicklungen zum Nachlesen.
Ein graphischer Überblick über die Situation in Libyen und die Lage von US- und Nato-Marinestützpunkten im Mittelmeer.
(Foto: SZ-Karte)10:13 Uhr
Weitere Details zu dem angeblichen Rückzugsangebot Gaddafis an die Aufständischen: Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert den Medienvertreter des Rebellenrats, Mustafa Gheriani. Demnach hätte es Kontakt mit einem Vertreter des Gaddafi-Regimes gegeben. "Wir haben das Angebot ausgeschlagen. Wir verhandeln nicht mit jemanden, der libysches Blut vergossen hat und es weitherin tut. Warum sollen wir ihm jetzt trauen?" Allerdings hält es der Chef des Rebellenrats nach einem Bericht des Fernsehsender al-Dschasira für möglich, Gaddafi im Falle seines Rücktritts strafrechtlich nicht zu verfolgen.
10:29 Uhr
Nachdem libysche Kampfflugzeuge erneut die Stellungen der Rebellen nahe des Ölhafens Ras Lanuf angegriffen haben, berichtet ein Augenzeuge von einer anderen Front nahe Tripolis. Demnach hätten die Anhänger Gaddafis die Stadt Sawija eingenommen. Der Augenzeuge berichtet, Panzer und andere Kampffahrzeuge der Regierungstruppen fahren durch die Stadt und feuern willkürlich auf die Häuser. Sawija war vor wenigen Tagen von den Rebellen eingenommen worden und liegt nahe der Haupstadt Tripolis, wo sich der libysche Machthaber verschanzt.
10:55 Uhr
Die Bundeswehr-Fregatten "Rheinland-Pfalz" und "Brandenburg" mit 112 Flüchtlingen aus Libyen sind sind im ägyptischen Hafen Alexandria eingelaufen. Die Schiffe waren am Samstagabend im tunesischen Mittelmeerhafen Gabes gestartet und etwa 60 Stunden unterwegs. Bei den Flüchtlingen handelt es sich um ägyptische Gastarbeiter, die vor dem Bürgerkrieg nach Tunesien geflohen waren. Am Mittag wird auch der Einsatzgruppenversorger "Berlin" mit 300 weiteren Ägyptern an Bord in Alexandria erwartet, sagt ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr.
11:22 Uhr
Der CDU-Politiker Philipp Mißfelder fordert eine deutsche Beteiligung an einer Flugverbotszone über Libyen: "Im UN-Sicherheitsrat sollte Deutschland der Einrichtung einer solchen Zone zustimmen", sagt der außenpolitische Sprecher der Union der Nachrichtenagentur Reuters. In welcher Form sich die Bundeswehr beteiligen könne, ließ Mißfelder offen. Zuvor hatte die Nato bereits ihre Bereitschaft erklärt, ein Flugverbot durchzusetzen, sollte ein entsprechender Beschluss des UN-Sicherheitsrates vorliegen.
11:35 Uhr
Al-Dschasira berichtet, dass Gaddafis Truppen die Stadt Sawija nahe Tripolis umkreist haben. Zuvor hatte ein Augenzeuge geschildert, wie Regierungstruppen mit Panzern und anderen Kampffahrzeuge willkürlich auf die Häuser feuerten. Kämpfe melden Agenturen auch aus der westlibyschen Stadt Misrata. Seit Tagen verteidigen die Aufständischen diese Stellungen gegen Regimetruppen.
11:45 Uhr
Kühler Kommentar aus China zu der umstrittenen Flugverbotszone über Libyen: "Beim Entscheidungsfindungsprozess muss Libyens Souveränität, die territoriale Integrität sowie die Unabhängigkeit des Landes respektiert werden", sagt ein Sprecher des Außenministeriums. Frankreich und Großbritannien wollen eine Flugverbotszone einrichten und bereiten derzeit eine entsprechende UN-Resolution vor.
12:23 Uhr
Paris und London drängen weiter auf die Einrichtung einer Flugverbotszone: "Wir können nicht zusehen, wie die Bevölkerung massakriert wird", zitiert die französische Zeitung "Le Figaro" einen UN-Diplomaten. Noch in dieser Woche solle der Entwurf einer Resolution im UN-Sicherheitsrat eingebracht werden. Der Golf-Kooperationsrat habe bereits seine Unterstützung zugesagt.
12:46 Uhr
Bei den Luftangriffen auf Ras Lanuf ist nach Angaben eines Reuters-Korrespondenten auch ein Wohngebiet getroffen worden. Insgesamt habe es bislang fünf Luftangriffe gegeben, berichtet AP.
12:47 Uhr
Ein Vertreter des libyschen Außenministeriums bezeichnet Berichte, wonach Gaddafi den Rebellen seinen Rückzug angeboten haben soll, als "vollkommenen Blödsinn".
13:35 Uhr
Neue Details zu den wochenlangen Protesten in Ägypten, die zum Sturz von Präsident Mubarak geführt haben: Der ehemalige ägyptische Innenminister Habib al-Adli soll während dieser Zeit Schießbefehle gegen gewaltlose Demonstrationen erteilt haben. Dies belege ein elektronischer Datenträger, der in einer Geheimdienstzentrale sichergestellt werden konnte, berichtet die Tageszeitung "Al-Masry Al-Youm" und beruft sich auf Justizkreise. Der Datenträger enthalte Mitschnitte von Telefongesprächen des Vize-Innenministers Ahmed Ramsi mit Polizeikommandanten im ganzen Land.
13:37 Uhr
Die Wissenschaft im Sudan distanziert sich vom libyschen Machthaber: Die Universität in Sudans Hauptstadt Khartum erkennt Gaddafi den Ehrendoktor ab, den sie ihm 1996 verliehen hat. Die Entscheidung sei wegen des Vorgehens der libyschen Führung "gegen Zivilisten" gefallen, so die Hochschule.
13:42 Uhr
Die Stadt Sawija (Zawia) nahe Tripolis ist Augenzeugenberichten zufolge wieder unter Kontrolle von Gaddafi-Anhängern. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht. Panzer und andere Kampffahrzeuge der regierungstreuen Truppen patrouillierten durch die Straßen. "Die Stadt liegt in Ruinen", zitiert die Nachrichtenagentur AP den Augenzeugen. "Manche Gebäude sind völlig zerstört und in den Straßen wird auf jeden geschossen. Es gibt viele Verletzte, aber den Krankenhäusern geht das Material aus." Außerdem seien in Sawija alle Strom-, Telefon- und Internetverbindungen unterbrochen worden. Der Sender al-Dschasira berichtet, Regierungstruppen hätten die Stadt umstellt.
14:04 Uhr
Das UN-Flüchtlingskommissariat schlägt Alarm angesichts steigender Gewalt gegen Menschen aus den Ländern Subsahara-Afrikas, die in Libyen leben: Bewaffnete Libyer gingen von Tür zu Tür und drängten sie dazu, das Land zu verlassen, sollen in Libyen lebende Sudanesen dem UNHCR berichtet haben.
14:21 Uhr
Libyen will angeblich Beobachter der Vereinten Nationen und der Europäischen Union ins Land lassen. "Wir werden sie eskortieren, wir werden sie beschützen und sie werden die Möglichkeit haben, überall hinzugehen", zitiert ein hochrangiger EU-Diplomat einen Regierungsvertreter aus Tripolis. Die libysche Staatsführung habe in Gesprächen zugesichert, dass eine Untersuchungsmission sofort mit der Arbeit beginnen könne. Die noch in Libyen verbliebenen Diplomaten aus EU-Staaten betonten nach Angaben aus Brüssel die Notwendigkeit von unabhängigen Untersuchungen. "Wir wissen, dass es Menschenrechtsverletzungen gibt. Aber wir sind nicht in der Lage zu sagen, wer dafür verantwortlich ist", sagt der EU-Diplomat nach seiner Rückkehr aus Tripolis.
14:24 Uhr
Nach einem Sondertreffen der EU am Freitag soll es am Samstag auch ein Krisentreffen der Außenminister der Arabischen Liga geben, um über die Lage in Libyen zu beraten. Das Treffen werde am Sitz der Arabischen Liga in Kairo stattfinden, teilt ein Sprecher des Generalsekretärs der Liga, Amr Mussa, mit. Offen ist, wie sich die Liga bezüglich der diskutierten Flugverbotszone positionieren werde. Die Nachrichtenagentur AP zitierte einen Sprecher der Liga, wonach man keine Einmischung des Auslands in die inneren Angelegenheiten Libyens tolerieren werde.
14:35 Uhr
Nach dem Golfkooperationsrat spricht sich auch die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) für eine Flugverbotszone aus: "Wir schließen uns denen an, die sich für eine Flugsperre über Libyen einsetzen, und bitten den UN-Sicherheitsrat, das Flugverbot zu verhängen", schreibt OIC-Generalsekretär Ekmeleddin Ihsanoglu in einer Pressemitteilung. Ein militärisches Eingreifen aber lehne er strikt ab.
14:42 Uhr
Auf ein Hotel in der ostlibyschen Stadt Bengasi ist ein Anschlag verübt worden: Unbekannte warfen eine Handgranate in das Hotel, das hauptsächlich Journalisten bewohnen. Der Sprengkörper flog durch ein Fenster und explodierte in dem Gebäude, berichten Augenzeugen.
14:56 Uhr
Die EU-Länder haben sich auf Expertenebene auf mehrere Finanzsanktionen verständigt: Die Sanktionen zielen auf fünf wirtschaftliche Einheiten, darunter die libysche Zentralbank sowie den libyschen Staatsfonds Libyan Investment Authority (LIA), berichtet die Nachrichtenagentur AFP und beruft sich dabei auf einen EU-Diplomaten. Der Fonds verwaltet die milliardenschweren Einnahmen Libyens aus dem Ölgeschäft und hält beispielsweise etwa drei Prozent des britischen Pearson-Verlags, in dem die Zeitung "Financial Times" erscheint, sowie 2,5 Prozent an der italienischen Großbank Unicredit. Damit die Sanktionen gültig werden, sind weitere Beschlüsse nötig, die noch in dieser Woche erwartet werden.
15:03 Uhr
Die Aufständischen stellen Gaddafi ein 72-Stunden-Ultimatum, um die Angriffe gegen die Zivilbevölkerung zu stoppen und das Land zu verlassen. "Wenn er die Bombardierungen einstellt und das Land innerhalb von 72 Stunden verlässt, werden wir als Libyer davon Abstand nehmen, ihn strafrechtlich zu verfolgen", sagt der Vorsitzende des Übergangsrates in Bengasi, Mustafa Abdul Dschalil, dem arabischen Fernsehsender al-Dschasira. Zuvor gab es Berichte, wonach Gaddafi den Rebellen einen Rückzugs-Deal angeboten habe. Regierungsvertreter hatten diese Berichte als "Blödsinn" abgetan.
15:28 Uhr
Der ehemalige Außenminister Joschka Fischer (Grüne) wirft der Europäischen Union schwere Versäumnisse im Umgang mit den Revolutionen in der arabischen Welt vor. "In der Stunde größter Herausforderung versagt dieses Europa", zitiert die "Stuttgarter Zeitung" den Grünen-Politiker. "Es ist trostlos: keine Idee, kein Plan, keine Initiative." Er fordere vom Westen konkrete Maßnahmen zum Sturz des libyschen Machthabers. Auf ein militärisches Eingreifen will er sich jedoch nicht festlegen.
15:39 Uhr
Die Krise im Maghreb bringt Moskau und Washington wieder näher zusammen: Nach Inkrafttreten des atomaren Abrüstungsvertrags wollen Russland und die USA beim Besuch von US-Vizepräsident Joe Biden in der russischen Hauptstadt den "Neustart" ihrer Beziehungen vorantreiben. Kremlchef Dmitrij Medwedjew werde mit Biden auch über die Lage in Libyen sprechen, sagt Medwedjews Sprecherin. Die UN-Vetomacht Russland kritisiert die Gewalt gegen die Bevölkerung in dem nordafrikanischen Land scharf, lehnt aber eine internationale Militäraktion ab. Moskau hatte in den vergangenen Jahren mehrfach Waffen an Staatschef Gaddafi geliefert.
15:57 Uhr
Die Nachrichtenlage in Libyen ist so unübersichtlich, dass schon ein roter Teppich in der Hauptstadt Tripolis für Unruhe unter westlichen Journalisten sorgt: Die britische BBC berichtet auf Ihrer Website, dass vor dem Rixos-Hotel alle Autos abgeschleppt wurden. Weil in dem Hotel die Auslandspresse sitzt, halten einige Reporter eine Pressekonferenz Muammar al-Gaddafis für möglich. Die BBC berichtet weiter, dass Pressefotografen gewarnt wurden, keine Bilder aus den oberen Stockwerken heraus zu machen - sie könnten sonst erschossen werden.
16:02 Uhr
Während der außenpolitische Sprecher der Union, Philipp Mißfelder, die Durchsetzung einer Flugverbotszone über Libyen fordert, mahnt Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin zur Vorsicht: "Wer einen solchen Luftkrieg in Libyen möchte, tut gut daran, über die Folgen samt aller Kollateralschäden nachzudenken", sagt er zu "Spiegel Online". Die Einrichtung der Zone sei nur mit "massiven Luftschlägen" gegen die libysche Flugabwehr möglich. Er erinnert an das Beispiel Irak, wo US-Präsident "George W. Bush Saddams Truppen über Wochen und Monate massiv zusammengeschossen hatte".
16:15 Uhr
Drei Tage nach ihrem Ablegen in Tunesien sind drei Schiffe der Deutschen Marine mit mehr als 400 Flüchtlingen an Bord in Ägypten eingetroffen. Die Fregatten "Brandenburg" und "Rheinland-Pfalz" sowie der Einsatzgruppenversorger "Berlin" mit insgesamt 412 aus Libyen geflohenen Ägyptern haben laut Verteidigungsministerium die Hafenstadt Alexandria erreicht. Die Fregatten sollen den Hafen bereits wieder verlassen haben.
16:29 Uhr
Luxemburg friere Konten der libyschen Zentralbank und des Staatsfonds LIA ein, erklärt der luxemburgische Finanzminister Luc Frieden. Auf den Konten lägen weniger als eine Milliarde Euro, ergänzt ein Sprecher des Finanzministeriums. Der Staatsfonds Libyan Investment Authority (LIA) hat ein Volumen von umgerechnet rund 50 Milliarden Euro. Er besitzt Beteiligungen in vielen Branchen, darunter Finanzen, Energie und Immobilien. Der Fonds hält unter anderem Anteile der UniCredit, die der Mutterkonzern der HypoVereinsbank ist, und des Autobauers Fiat.
16:34 Uhr
Die EU scheut sich nach wie vor, eine Flugverbotszone über Libyen durchzusetzen: Großbritannien will seine gemeinsam mit Frankreich vorbereiteten Pläne diesbezüglich nur unter der Voraussetzung "einer klaren rechtlichen Basis" vorantreiben, heißt es nun aus London. Ferner bedürfe es einer "breiten internationalen Unterstützung", sagt Außenminister William Hague. Die "mit Frankreich und anderen Nationen" getroffenen Vorbereitungen seien "Notfallpläne", sagte Hague. Der britische Außenminister betont, es sei nicht akzeptabel, dass Gaddafi mit Gewalt gegen sein eigenes Volk vorgehe. Was sein Land konkret dagegen tun will, sagt er nicht.
16:46 Uhr
Ganz untätig ist die EU nicht: Sie bietet den Ländern in Nordafrika Milliardenhilfen an. Kommissionspräsident José Manuel Barroso stellte vor dem Europaparlament in Straßburg eine "Partnerschaft für Demokratie und gemeinsamen Wohlstand" mit den südlichen Mittelmeerländern vor. Sie wird am Freitag von den Staats- und Regierungschefs der EU offiziell beschlossen. Neben Justizreformen soll die Zivilgesellschaft gestärkt werden: Vor allem junge Menschen sollen mehr Kontakte zu EU-Bürgern bekommen. Schließlich soll auch die Schaffung von mehr Arbeitsplätzen für Jugendliche in Klein- und Mittelbetrieben unterstützt werden. Förderprogramme der EU in Höhe von vier Milliarden Euro bis zum Jahr 2013 sollen "neu ausgerichtet" werden.
17:09 Uhr
Der Stellungskrieg der letzten Tage erweckt den Eindruck, dass ein baldiges Ende der Herrschaft von "Bruder Führer" - wie sich Gaddafi gerne nennen lässt - nicht in Sicht ist. Zugleich wird aber die Luft um den Diktator immer dünner. Nun wird bekannt, dass zwei Weggefährten aus Gaddafis Jugendjahren unter Hausarrest gestellt wurden. Verteidigungsminister Abu Bakri Junis und der langjährige Geheimdienstchef Mustafa al-Charubi wollten die brutale Kampagne gegen die Zivilbevölkerung nicht mehr mitmachen, heißt es in Tripolis. Sowohl Junis als auch Al-Charubi gehörten jener revolutionären Zelle an, mit der sich Gaddafi vor 42 Jahren an die Macht geputscht hatte.
17:22 Uhr
Auch in Oman brodelt es, wenn auch ungleich weniger als im Maghreb: Mehr als 150 Demonstranten demonstrieren vor dem Hauptgebäude des omanischen Staatsfernsehens in der Hauptstadt Maskat für mehr Pressefreiheit. Die Kundgebung bleibt friedlich. Die Proteste in dem Sultanat haben bereits Wirkung gezeigt: Am Vortag ging Sultan Quabus bin Said bereits auf die Forderungen der Protestierenden nach mehr Arbeitsplätzen und politischer Öffnung ein, indem er das Büro für Wirtschaftsangelegenheiten auflöste. Außerdem entließ er mehrere Minister und veranlasste damit die dritte Kabinettsumbildung in zehn Tagen.
17:43 Uhr
Deutliche Worte von Dirk Niebel: Das massive und aggressive Vorgehen Gaddafis gegen sein Volk grenze an Völkermord, so der Bundesentwicklungsminister. Die Verbrechen, die in dem Land derzeit stattfänden, werde die internationale Staatengemeinschaft nach und nach abarbeiten müssen, sagt der FDP-Politiker zur Nachrichtenagentur dapd. Eine diskutierte Flugverbotszone sieht der Minister kritisch, Voraussetzung sei, dass die Staatengemeinschaft ein Startverbot für Kampfjets im Zweifel auch militärisch durchsetzen und die libysche Luftabwehr sowie Armeeflugplätze ausschalten müsse. Das hieße aber: "Die Bundeswehr und die USA müssten massivste Luftangriffe auf Libyen fliegen."
17:45 Uhr
Die Stadt Sawija steht weiter unter Beschuss durch Regierungstruppen. Ein Einwohner berichtet dem arabischen Dienst der BBC, die Kugeln der Angreifer träfen "jedes Gebäude in der Stadt". Die Rebellen behaupten, sie hätten in Sawija einen hochrangigen Offizier der Pro-Gaddafi-Milizen getötet.
18:02 Uhr
Ein zwielichtiger Waffenhändler hat französischen Journalisten ein Interview mit dem libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi verschafft. Der Libanese Ziad Takkiedine soll zudem nach Medienangaben auf dem Rückflug von Tripolis 1,5 Millionen Euro Bargeld nach Paris gebracht haben. Wie die Zeitung "Le Monde" berichtet, sei Takkiedine in Paris vorübergehend festgenommen worden. Frankreich hatte in der Vergangenheit wiederholt Waffen und andere Rüstungsgüter an die libysche Staatsmacht geliefert. Takkiedine ist in Frankreich als Unterhändler in der sogenannten Karatschi-Affäre bekannt. Bei einem Verkauf von U-Booten an Pakistan sollen Schmiergelder geflossen sein, die den Wahlkampf des konservativen Präsidentschaftskandidaten Edouard Balladur finanzierten. Takkiedine dementierte im französischen Rundfunk, dass er Bargeld nach Frankreich gebracht habe. Er bestätigte aber, dass er für die beiden Journalisten der regierungsnahen Zeitung "Journal du Dimanche" das Exklusiv-Interview mit Gaddafi eingefädelt habe. Der Unterhändler und die beiden Journalisten flogen in einer libyschen Regierungsmaschine von Tripolis nach Paris, in der sie die einzigen Passagiere waren. Bei ihrer Rückkehr am Samstag entdeckten die Zollbeamte das Bargeld im Gepäck des Libanesen.
18:49 Uhr
Gaddafi-Truppen greifen zur Stunde offenbar die west-libysche Stadt Sawija mit Artillerie und Panzern an. "Die Panzer schießen überall auf uns", berichtet ein Augenzeuge im Kurzmitteilungsdienst Twitter. "Sie verschonen kein Haus, keine Moschee, keine Schule." Die Details dieses Berichts können aus anderen Quellen vorerst nicht bestätigt werden. Sawija war aber bereits am letzten Wochenende heftig umkämpft. Die Regimetruppen waren mehrfach in das Zentrum der Stadt 50 Kilometer westlich von Tripolis eingedrungen, mussten sich aber wegen des Widerstands stets wieder zurückziehen.
18:52 Uhr
Offensichtlich gibt es auch in Teheran erneut Proteste gegen die Regierung: Iranische Sicherheitskräfte sollen nach Informationen einer Internetseite der Opposition eine Demonstration mit Tränengas aufgelöst haben. Zu den Protesten gegen die Regierung war im Internet aufgerufen worden. Diese hatte davor gewarnt, an illegalen Versammlungen teilzunehmen. "Mehrere Tränengas-Behälter wurden von den Sicherheitskräften auf den Revolutionsplatz gefeuert, um die Versammlung aufzulösen", berichtet die Internetseite Kaleme, die von Oppositionsführer Mirhossein Mussawi betrieben wird. Mussawi und der Oppositionspolitiker Mehdi Karubi sollen nach Informationen aus ihrem politischen Lager unter Hausarrest stehen. Die Regierung bestreitet dies.
18:59 Uhr
Der britische "Guardian" bestätigt die Berichte aus den sozialen Netzwerken. Frauen und Kinder sterben im Kugelhagel; Menschen verlassen ihre Häuser nicht mehr, weil auf den Straßen heftige Kämpfe toben. Gaddafis Truppen wollen Sawija zurückerobern – koste es, was es wolle. Der "finale Angriff" laufe, berichtet "Guardian"-Reporter Peter Beaumont. Die Stadt, so berichten ihm Augenzeugen, werde "dem Erdboden gleichgemacht".
19:23 Uhr
In Kuwait gärt es ebenso: Hunderte Demonstranten fordern den Rücktritt des Ministerpräsidenten Scheich Nasser al Mohammed al Sabah. Nachdem die zunächst geplante Besetzung eines zentralen Platzes in der Hauptstadt von Polizisten verhindert wurde, versammeln sich die Regierungsgegner vor dem Gebäude, in dem der Ministerpräsident sowie der Emir Scheich Sabah Ahmed al Sabah ihre Büros haben. Sicherheitskräfte überwachen die Kundgebung, ohne einzugreifen. Kuwait hat im Gegensatz zu anderen arabischen Staaten ein sehr starkes Parlament. Ministerpräsident al Sabah, der im Januar sein zweites Misstrauensvotum binnen 13 Monaten überstand, wird von der Opposition vorgeworfen, die politische Freiheit im Land einzuschränken und Dissidenten mundtot zu machen. Auf öffentlichen Druck hin entließ er im Februar seinen Innenminister. Die Proteste am Dienstag richteten sich zunächst nicht gegen den Emir selbst, der ein Onkel des Ministerpräsidenten ist. Dessen Dynastie regiert den ölreichen Staat seit über 250 Jahren.
19:48 Uhr
Für Libyens Gastarbeiter gibt es teilweise kein Entkommen: Nach einer Pro-Gaddafi-Demonstration am Grenzübergang Ras Ajdir hätten Gaddafis Soldaten 30.000 aus Bangladesch, Ägypten und afrikanischen Staaten südlich der Sahara stammende Arbeiter zurück nach Libyen gedrängt, sagt Ibrahim Osman von der Internationalen Vereinigung von Rotem Kreuz und Rotem Halbmond. Offenbar seien sie gezwungen worden zu ihren Arbeitsstellen zurückzukehren. Außerdem nehme die Gewalt gegen aus dem südlichen Afrika stammende Menschen zu, warnt das UN-Flüchtlingshilfswerk - auch wenn sie nicht zu den Söldnern gehören, die Gaddafi zur Niederschlagung der Proteste aus anderen afrikanischen Ländern hat einfliegen lassen.
19:53 Uhr
Führende Vertreter der libyschen Opposition kommen nach EU-Angaben mit der EU-Außenbeauftragten Chatherine Ashton in Straßburg zu einem Gespräch zusammen. Mahmud Dschebril und Ali Essawi, die beide dem Nationalrat der Aufständischen angehören, sollen auch den französischen Außenminister Alain Juppe treffen. Dschebril und Essawi sind von der Fraktion der Liberalen zur Sitzung des EU-Parlamentes am Mittwoch nach Straßburg eingeladen, um über die Lage in ihrer Heimat zu berichten.
20:24 Uhr
Außenminister Guido Westerwelle lehnt einen Alleingang der Nato bei der Errichtung einer Flugverbotszone über Libyen ab. Zwar müsse man diese Möglichkeit ernsthaft prüfen, sagt Westerwelle dem "Straubinger Tagblatt". Allerdings sei sie schwer durchzusetzen. "In Libyen gibt es zum Beispiel eine Luftabwehr, die man zunächst neutralisieren müsste." Deutschland dürfe aber am Ende nicht in einen militärischen Konflikt geraten. "Insbesondere ist es zwingend erforderlich, dass die Vereinten Nationen alle Maßnahmen jenseits der gezielten Sanktionen mandatieren und dass Einvernehmen mit der Arabischen Liga, also den übrigen arabischen Nationen, besteht", sagt Westerwelle.
20:32 Uhr
Gaddafis Sicherheitskräfte behindern die Berichterstattung aus dem umkämpften Sawija offenbar massiv: Journalisten verschiedener Medien, darunter auch Reuters und der BBC, sind laut "Guardian" kurzzeitig festgesetzt worden. Es sei "praktisch unmöglich", von der Hauptstadt Tripolis nach Sawija zu gelangen, um zu berichten, wird ein BBC-Reporter zitiert.
21:03 Uhr
US-Präsident Barack Obama und der britische Premierminister David Cameron wollen nach Angaben der amerikanischen Regierung die Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen weiter vorantreiben, berichtet Reuters. Cameron sagt der BBC: "Wir müssen uns darauf vorbereiten, was wir tun müssen, wenn Gaddafi weiter seine eigene Bevölkerung brutal behandelt."
21:35 Uhr
Die libysche Opposition will von der EU so schnell wie möglich als einzig legitime Autorität in dem Land anerkannt werden. Das fordert der frühere libysche Planungsminister und Gründungsmitglied des Nationalrats, Mahmud Dschebril, in einer Rede vor Abgeordneten des Europaparlaments in Straßburg. Zugleich bittet er die EU um Militärhilfe sowie um wirtschaftliche, humanitäre und medizinische Unterstützung. "Wir würden jede Hilfe schätzen, die es dem libyschen Volk ermöglichen würde, dieser Revolution ein glückliches Ende zu setzen", sagt Dschebril laut der Nachrichtenagentur AFP.
21:44 Uhr
Neue Details der Abstimmung der Strategie von US-Präsident Barack Obama und dem britischen Regierungschef David Cameron: Das Weiße Haus teilt mit, dass beide Seiten Pläne für eine Reihe "möglicher Antworten vorantreiben" wollten, auch bei der Nato. Dazu sollen Überwachung, humanitäre Hilfe, das Durchsetzen des Waffenembargos und eine Flugverbotszone gehören. Beide stellten sich auf das "volle Spektrum möglicher Reaktionen" ein, heißt es.
22:10 Uhr
US-Außenministerin Hillary Clinton sagt in einem Fernsehinterview, es sei wichtig, dass die Vereinten Nationen über Libyen entschieden und nicht die USA, berichtet Reuters.