In der CSU gilt es als sicher, dass der bayerische Innenminister neuer Ministerpräsident im Freistaat wird - falls Parteichef Stoiber nach Berlin wechselt. Becksteins Bonus: Er hat nicht den Ruf als Radikalreformer.
Innenminister Günther Beckstein wird aller Voraussicht nach Nachfolger von Edmund Stoiber als bayerischer Ministerpräsident. "Alles läuft auf Beckstein hinaus", hieß es gestern von mehreren Mitgliedern der CSU-Spitze.
Beckstein erhielt bei der Nominierung für die Bundestagsliste mehr Stimmen als Stoiber. (© Foto: dpa)
Anzeige
Nach Informationen der SZ rechnet die CSU für den Fall einer großen Koalition in Berlin mit nur noch zwei Ministerposten im Bundeskabinett: Einen davon soll Stoiber erhalten, den anderen ein Mitglied der CSU-Landesgruppe.
Für Beckstein, der in Angela Merkels Kompetenzteam als neuer Bundesinnenminister gehandelt wurde, bleibt damit kein Platz mehr. Damit ist auch eine wichtige Vorentscheidung über die mögliche Nachfolge von Stoiber gefallen.
Dass der Ministerpräsident in ein Bundeskabinett eintreten wird, falls eine große Koalition zustande kommt, gilt als sicher. Er hatte in den vergangenen Tagen mehrmals seine Bereitschaft zu einem Wechsel nach Berlin erklärt.
Neben Beckstein galt bisher auch Staatskanzleichef Erwin Huber als Anwärter auf das Amt des Ministerpräsidenten. Der 59-jährige ist der Architekt der bayerischen Reform- und Sparpolitik. Zudem war er maßgeblich an der Ausarbeitung des Wahlprogramms der Union beteiligt.
Nach dem schlechten Abschneiden der CSU bei der Bundestagswahl hat Huber jedoch Kritik auf sich gezogen. In der Partei, der Fraktion, aber auch im Kabinett wird ihm vorgehalten, er habe mit seiner Politik zu wenig Rücksicht auf soziale Belange genommen.
Beckstein hingegen gilt bereits seit den Landtagswahlen 2003 als Favorit der CSU-Fraktion für die Stoiber-Nachfolge. "Der ist besser aufgestellt bei den Menschen", hieß es gestern. "Er hat nicht den Ruf als Radikalreformer", begründete ein weiteres Mitglied der CSU-Parteispitze sein Votum für Beckstein.
Bei der Nominierung für die Bundestagsliste hatte Beckstein zuletzt sogar mehr Stimmen als Stoiber erhalten. Auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg war er von Delegierten gefeiert worden. Mit ihm als neuen Ministerpräsidenten verbindet sich in der CSU auch die Hoffnung auf eine Lockerung des rigiden Sparkurses und ein besseres Verhältnis zu den Kommunen.
Gerade an der CSU-Basis war in den vergangenen Monaten heftige Kritik an der Politik der Staatsregierung laut geworden. Der 61-jährige Beckstein gehört in der CSU zur Generation der so genannten 74er. In diesem Jahr wurde er erstmals in den Landtag gewählt. Seit 1993 ist Beckstein bayerischer Innenminister.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
Stockender Kita-Ausbau