Nachfolge von Hillary Clinton Obama macht John Kerry zum neuen US-Außenminister

John Kerry bei einer Anhörung zum Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi am 20. Dezember 2012.

(Foto: AP)

Zweite Chance für John F. Kerry: US-Präsident Obama nominiert den ehemaligen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten als neuen Außenminister der Vereinigten Staaten. Ab Januar wird er die Nachfolge von Hillary Clinton antreten.

US-Senator John Kerry soll neuer Außenminister werden. Präsident Barack Obama nominierte den 69-Jährigen am Freitag als Nachfolger von Hillary Clinton. Es gilt als sicher, dass der Senat die Ernennung bestätigt. "Ich weiß, dass Sie ein hervorragender Außenminister sein werden", sagte Obama an der Seite Kerrys bei der offiziellen Ankündigung der Personalie in Washington.

Es ist die zweite Chance für John Forbes Kerry, der wie sein Vorbild John Fitzgerald Kennedy Präsident der Vereinigten Staaten werden wollte. Dass es für den drahtigen Katholiken von der Ostküste im Wahlkampf 2004 gegen George W. Bush nicht reichte, lag auch am elitären und mitunter steifen Auftreten des 1,93 Meter großen Diplomatensohns.

In der zweiten Reihe der US-Politik zählt der demokratische Senator aus Massachusetts seit Jahrzehnten zu den profilierten Außenpolitikern. Kerry hat nicht zuletzt mit schwierigen Missionen in Afghanistan und Pakistan Vertrauen gewonnen. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses war der erste US-Politiker, der Ägyptens neu gewählten Präsidenten Mohammed Mursi traf.

Präsident Barack Obama hatte Kerry im vergangenen Wahlkampf als Trainingspartner für die TV-Rededuelle gegen den republikanischen Herausforderer Mitt Romney ausgewählt.

Als US-Außenministerin Hillary Clinton ihren Rückzug von der Politik ankündigte, musste es sich Kerry dennoch gefallen lassen, nicht die erste Wahl für die Nachfolge zu sein. Als Obamas Wunschkandidatin wurde die UN-Botschafterin Susan Rice gehandelt. Die scharfzüngige Diplomatin gab ihre Karrierepläne aber auf, nachdem die Republikaner ihre Informationspolitik nach einer Attacke auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi massiv attackiert hatten. Rice hatte noch fünf Tage nach dem Anschlag, bei dem der Botschafter Chris Stevens und drei seiner Mitarbeiter getötet wurden, die Einordnung der Tat als Terrorakt verweigert.

Eheliches Parlieren auf Französisch

In den vergangenen 30 Jahren hat sich Kerry im Senat nicht nur Freunde gemacht. Die Unterstützung der Opposition für den erklärten Israel-Freund dürfte nach Einschätzung von Experten aber sicher sein. Die Eloquenz Kerrys, der eine Privatschule in der Schweiz und die Elite-Uni Yale besuchte, ist legendär.

Ein volksnaher Politiker ist Kerry aber bis heute nicht. Dass der Freund edler Rotweine etwa im Wahlkampf 2004 bekannte, mit seiner zweiten Frau, der Millionärin und Ketchup-Erbin Teresa Heinz, auch mal auf Französisch zu parlieren, war vielen US-Patrioten nicht geheuer. Der Hobbypilot musste sich im Wahlkampf 2004 einer perfiden Kampagne von Kreisen der Republikaner erwehren, die ihm unterstellte er habe sich als US-Soldat in Vietnam hohe Kriegsorden erschlichen. Kerry, der später als Kriegsgegner in die Politik einstieg, ließ die Vorwürfe durch Kameraden von einst widerlegen.

Im Gegensatz zu Obama lassen sich in Kerrys Biografie viele Anknüpfungspunkte mit Europa finden. Sein Vater war als US-Diplomat auch in Berlin tätig, das der 1943 geborene Kerry in der Nachkriegszeit mit dem Fahrrad erkundete. Als der Junior in den sowjetischen Sektor radelte, gab es daheim Hausarrest, erzählte Kerry Jahrzehnte später.

Clinton ist nicht die einzige, die in der neuen Amtszeit Obamas nicht mehr dem Kabinett angehören möchte. Auch Finanzminister Timothy Geithner und Verteidigungsminister Leon Panetta scheiden voraussichtlich aus.