Nach Wahlboykott Mehrere Tote bei Parlamentswahl in Bangladesch

Tödliche Gewalt und geringe Wahlbeteiligung: Die Parlamentswahl in Bangladesch gestaltet sich schwierig. Mehrere Menschen sind am Wahlsonntag getötet worden, darunter ein Mitarbeiter der Wahlkommission. Fast 300.000 Polizisten säumen die Straßen und liefern sich blutige Gefechte mit oppositionellen Aktivisten.

Die Parlamentswahl in Bangladesch hat mit tödlicher Gewalt und einer sehr geringen Wahlbeteiligung begonnen. Mehrere Oppositionelle der Jamaat-e-Islami-Partei wurden bei dem Versuch getötet, Wahlbüros zu stürmen. Sie und 20 weitere Parteien boykottieren die Wahl, weil im Vorfeld keine Übergangsregierung eingesetzt worden ist, die Wahlmanipulationen verhindern könnte. Wichtigste Oppositionspartei und treibende Kraft hinter den Protesten ist die Nationalistische Partei (BNP).

Nach offiziellen Angaben wurden fünf Anhänger der Jamaat-e-Islami-Partei getötet. Andere Quellen sprechen von drei. Ein Gericht hatte die Registrierung der islamistischen Partei für die Wahl vor einigen Monaten für ungültig erklärt. Die Jamaat ist ein Bündnispartner der BNP.

Im Nordwesten des Landes starb ein Mitarbeiter der Wahlkommission, nachdem mutmaßliche Jamaat-Anhänger einige Stunden vor Beginn der Abstimmung einen Molotowcocktail in ein Wahllokal in Thakurgaon geworfen hatten. Dabei seien sechs Mitarbeiter verletzt worden, einer sei später im Krankenhaus seinen schweren Brandwunden erlegen, sagte ein Polizeisprecher.

Tausende boykottieren die Wahl

Im Bezirk Bogra im Norden des Landes boykottieren Tausende Anhänger der Opposition die Parlamentswahl. Mehr als 100 Wahllokale seien seit dem späten Samstagabend angegriffen worden, sagte die Polizei - ebensoviele daraufhin geschlossen worden.

In vielen anderen Abstimmungszentren herrschte am Morgen weitgehende Leere: Wähler blieben zu Hause, weil sie die Gewalt fürchteten, trotz der insgesamt 270.000 Polizisten und Sicherheitskräfte auf den Straßen.

"Das ist eine tote Wahl, eine Nicht-Wahl", sagt Moyeen Khan, Mitglied des ständigen Ausschusses der BNP. Weil die Regierung die Abstimmung mit allen Mitteln durchgesetzt habe, sei sie nun für die Folgen verantwortlich. BNP-Anführer hatten immer wieder erklärt, die Abstimmung müsse um jeden Preis aufgehalten werden. Sie riefen dazu auf, alle Geschäfte geschlossen zu halten und Straßen und Schienen zu blockieren. Angesichts des Wahlboykotts kann Regierungschefin Sheikh Hasina der Awami-Liga mit einer klaren Parlamentsmehrheit rechnen.

Die USA und die Europäische Union hatten es abgelehnt, Beobachter in das südasiatische Land zu entsenden, weil "die wichtigen politischen Kräfte in Bangladesch nicht fähig waren, die notwendigen Konditionen für transparente und verlässliche Wahlen zu schaffen, trotz vieler Anstrengungen, wie kürzlich unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen", wie es von Catherine Ashton, Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik heißt. Ähnlich klang das Statement aus Washington.