Nach Wahl zum neuen Parteichef Die große Sarko-Show geht wieder los

Muss erst noch beweisen, dass er der richtige für die Zukunft der konservativen UMP ist: Der neu gewählte Partei-Vorsitzende Nicolas Sarkozy.

(Foto: AP)

Der kleine Mann mit dem großen Ego ist zurück - Nicolas Sarkozy ist wieder Chef der konservativen UMP. Allerdings ist der Wahlsieg zugleich eine Niederlage für den neuen Vorsitzenden. Auch die Partei muss sich fragen, ob er der Richtige ist.

Kommentar von Stefan Ulrich

Vorwärts in die Vergangenheit - so lautet der Marschbefehl der größten französischen Oppositionspartei UMP. Die Mitglieder wählten am Freitag und Samstag einen Mann zum neuen Parteichef, den sie schon einmal, im Jahr 2004, zum Vorsitzenden bestimmt haben: Nicolas Sarkozy. Der kleine Mann mit dem großen Ego will das Amt nun, wie damals, dazu nutzen, um die französische Präsidentschaft zu erringen. Er möchte 2017, wie 2007, in den Élysée-Palast einziehen und so die Schmach von 2012, die Niederlage gegen den Sozialisten François Hollande, vergessen machen. Sie geht also wieder los, die große Sarko-Show. Déjà-vu in Paris.

Allerdings ist der Sieg vom Samstag zugleich eine Niederlage für den neuen UMP-Vorsitzenden. 2004 hatten noch 85 Prozent der Parteimitglieder für ihn gestimmt, nun sind es nur noch 64,5 Prozent. Das ist deutlich weniger, als sich Sarkozy und seine treuen Anhänger erhofft haben. Und es ist nicht genug, um reinen Tisch zu machen und seine zahlreichen Gegner in der eigenen Partei hinwegzufegen. Sarkozy wird kämpfen müssen, um 2016 bei Urwahlen zum Präsidentschaftskandidaten des konservativen Lagers bestimmt zu werden. Sein fähigster Gegner, der Bürgermeister von Bordeaux und Ex-Premier Alain Juppé, wird ihm einen harten Kampf liefern.

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Mit Sarkozy in die Zukunft?

Die UMP aber muss sich fragen, ob Sarkozy wirklich der richtige Mann für die Zukunft ist. Gewiss: Der Ex-Präsident hat Talent, Energie, Schneid und in starken Stunden Charisma. Er kann reden und versteht es, Wähler zu mobilisieren. Er ist viel dynamischer als der gegenwärtige sozialistische Präsidenten Hollande; und er ist, trotz seiner nervigen Egozentrik, weitaus vertrauenswürdiger als Marine Le Pen, die Anführerin des rechtsextremen Front National.

Doch Sarkozy hat - von 2007 bis 2012 - schon einmal seine Chance im Élysée gehabt. Er versprach damals viel und hielt zu wenig. In seiner Amtszeit bekamen die Franzosen, wie jetzt unter Hollande, mehr Steuern, mehr Schulden und mehr Arbeitslose. Die Wähler haben Sarkozy bei der Präsidentschaftswahl 2012 gewogen und für zu leicht befunden. Er wird noch sehr an sich arbeiten müssen, um dieses Urteil bis 2017 zu ändern.