Von Andreas Oldag

Nach mehren Attentatsversuchen im Land befürchtet Premier Brown eine langfristige Gefährdung durch al-Qaida. Deutschlands Innenminister Schäuble sieht nun ,,Europa im Fadenkreuz''.

Nach den versuchten Bombenanschlägen in London und Glasgow befürchtet die britische Polizei, dass es zu weiteren Terrorakten kommt. Die Regierung verhängte die höchste Terrorwarnstufe über das Land. Fünf Verdächtige wurden festgenommen. Der neue Premierminister Gordon Brown sprach von ,,einer langfristigen Gefährdung'' durch das Terrornetzwerk al-Qaida.

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Höchste Terrorwarnstufe: Polizisten am Flughafen Heathrow. (© Foto: AP)

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Für Brown, der erst am Mittwoch das Amt des Regierungschefs von Tony Blair übernommen hatte, wird die Fahndung zur ersten großen Bewährungsprobe. Das Sicherheitskomitee Cobra der Regierung trat am Sonntag unter Leitung der neuen Innenministerin Jacqui Smith erneut zusammen, nachdem am Samstag zwei Männer mit einem brennenden Jeep auf den Flughafen Glasgow zugerast waren. Höchste Terrorwarnstufe bedeutet, dass sich die Bevölkerung auf strengste Kontrollen einstellen muss. Die Möglichkeit, mit dem Auto zum Flughafen zu fahren, wurde weitgehend eingeschränkt.

Brown stellte klar, dass die Bedrohung ,,nicht in den nächsten Wochen oder Monaten verschwinden'' wird. ,,Wir müssen gegen den Terror auf vielfältige Weise ankämpfen - militärisch, durch Sicherheitsmaßnahmen, mit der Polizei und dem Geheimdienst, aber auch, indem wir einen Kampf um die Köpfe und Herzen führen'', sagte der Premier. Er warnte vor einer pauschalen Verurteilung von Muslimen. Nur ein kleiner Teil sei extremistisch und pervertiere die Religion. Opposition und Bürgerrechtler würdigten die ,,besonnene Reaktion'' Browns.

Der Premier sagte im BBC-Fernsehen, ,,wir haben es mit Leuten zu tun, die mit al-Qaida verbunden sind''. Browns Anti-Terror-Berater Lord Stevens stellte klar, dass der Einfluss von islamistischen Terroristen in Großbritannien gewachsen sei. Die Fahndung nach den Bombenlegern lief auf Hochtouren. Nach Einschätzung der Polizei besteht zwischen der Tat in Glasgow und den am Freitag entschärften Autobomben im Zentrum Londons eine ,,eindeutige'' Verbindung.

Am Sonntag durchsuchte die Polizei Häuser nahe des Flughafens Glasgow. Bisher wurden fünf Verdächtige festgenommen. Am Samstagnachmittag waren zwei Männer mit einem brennenden Geländewagen auf den Terminal des Flughafens Glasgow zugerast. Sie wurden durch Barrieren vor der Eingangshalle gestoppt. Wäre der Jeep durchgebrochen, hätte es vermutlich hunderte Tote gegeben. In dem Gebäude hielten sich etwa 2500 Menschen auf.

Die beiden Männer wurden von Polizisten überwältigt. Ein Täter hat schwere Brandwunden und befindet sich in Lebensgefahr. Die Polizei dementierte Berichte, wonach der Mann einen Sprengstoffgürtel getragen habe. Am Sonntag sprengte sie ein verdächtiges Auto, das vor dem Krankenhaus stand, in dem der Verletzte behandelt wird.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sagte am Sonntag, es gebe ,,keinerlei Erkenntnisse'', dass die Anschlagsvorbereitungen einen Bezug nach Deutschland hätten. Sie zeigten aber, dass Europa ,,im Fadenkreuz'' des internationalen Terrors stehe. Deutsche und britische Behörden stünden in engem Kontakt. Die Flughäfen Glasgow und Liverpool nahmen am Sonntag eingeschränkt wieder den Betrieb auf. Passagiere müssen aber weiter mit Behinderungen rechnen. Das gilt nach Angaben des Flughafenbetreibers auch für Heathrow, Gatwick und Stansted. An Bahnhöfen wurden ebenfalls weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen.

Auch die USA weiteten ihre Vorsichtsmaßnahmen aus. In New York wurde am Sonntag ein Terminal des Flughafens ,,John F. Kennedy'' kurzzeitig geräumt, nachdem ein verdächtiges Paket gefunden worden war. Es enthielt Parfüm. Mehrere Länder, darunter Australien, gaben Reisewarnungen für Großbritannien heraus.

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(SZ vom 2.7.2007)