Während die Kosovaren feiern und die EU diskutiert, setzen die Serben Zeichen: Aus allen Ländern, die den Kosovo als unabhängig akzeptiert haben, rief der Balkanstaat seine Botschafter zurück. Dazu gehören auch die USA und Frankreich.

Serbien ist im UN-Sicherheitsrat mit seinem Versuch gescheitert, die Abspaltung des Kosovo für ungültig erklären zu lassen. Es sei "bedauerlich", dass der Sicherheitsrat keine gemeinsame Position gefunden habe, sagte der serbische Außenminister Vuk Jeremic. Serbiens Präsident Boris Tadic warnte vor einem "Präzedenzfall" Kosovo und einer Gefahr für die internationale Ordnung.

Bild vergrößern

Serbiens Außenminister Vuk Jeremic (© Foto: Reuters)

Anzeige

Nach den USA erkannten unter anderem Großbritannien, Frankreich und Australien die ehemalige serbische Provinz als Staat an. Als Konsequenz zog Serbien Botschafter aus allen vier Staaten ab.

Serbien werde weiter alle diplomatischen und politischen Möglichkeiten nutzen, um gegen die "illegitime" Handlung des Kosovo vorzugehen, sagte Jeremic. Zu den diplomatischen Konsequenzen sagte er, wer sich dafür entscheide, internationales Recht sowie die Souveränität und territoriale Integrität der Republik Serbien mit Füßen zu treten, könne nicht weiter normale Beziehungen zu Serbien pflegen.

Tadic sagte im UN-Sicherheitsrat, die "eigenmächtige Entscheidung" des Kosovo vom Sonntag stelle einen "Präzedenzfall" dar, welcher der Weltordnung "irreparablen Schaden" zufügen werde. Es gebe "Dutzende Kosovos in der Welt", die alle darauf warteten, dass die Abspaltung anerkannt werde. Tadic versicherte aber gleichzeitig, dass Serbien nicht mit Gewalt gegen die Loslösung des Kosovo vorgehen werde. Es werde die Unabhängigkeit aber niemals anerkennen. Das serbische Parlament annullierte die Abspaltung des Kosovo am Montagabend in einer Sondersitzung in Belgrad durch ein einstimmiges Votum.

Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin sagte in New York, die Unabhängigkeit des Kosovo bedrohe den Frieden und die Stabilität auf dem Balkan. Er nannte das Vorgehen der kosovarischen Führung "illegal". Moskau werde weiter "die Republik Serbien in ihren international anerkannten Grenzen" anerkennen. Auch China sprach sich gegen eine Anerkennung des neuen Staates aus.

Die EU ist sich immer noch uneinig: Bei einem Treffen der EU-Außenminister in Brüssel stellten am Montag neben Großbritannien und Frankreich 16 weitere EU-Staaten, darunter Deutschland, die Anerkennung des Kosovo in Aussicht. Laut Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) will das Bundeskabinett bereits "am Mittwoch entsprechende Beschlüsse fassen". Eine Anerkennung verweigerten dagegen Spanien, Rumänien und Zypern. Spanien fürchtet mit Blick auf die Unabhängigkeitsbestrebungen der Basken einen gefährlichen Präzedenzfall mit Rückwirkungen auf das eigene Land.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(AFP/Reuters/bavo/gal)