Nach Tod eines linken Rappers Premier Samaras ruft Griechenland zur Ruhe auf

Das Land befinde sich in einer "äußerst kritischen Phase": Der griechische Premier Samaras fordert seine Landsleute zur Besonnenheit auf. Kurz nach der Tötung eines linken Aktivisten durch einen Neonazi kam es zu schweren Ausschreitungen in mehreren Städten.

Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras hat nach dem tödlichen Anschlag auf einen linksalternativen Sänger durch einen Rechtsradikalen die Bevölkerung zur Ruhe aufgerufen. Griechenland befinde sich derzeit in einer "äußerst kritischen Phase", sagte Samaras in einer im Fernsehen übertragenen Rede. "Diese Regierung wird es den Nachkommen der Nazis nicht erlauben, die Gesellschaft zu vergiften, Verbrechen zu begehen, Schrecken zu verbreiten und das Fundament eines Landes zu untergraben, das die Wiege der Demokratie ist."

Der 34-jährige Rapper Pavlos Fyssas, Antifaschist und Sympathisant der linken Gruppierung Antarsia, war in der Nacht zum Mittwoch im Athener Vorstadtbezirk Keratsini erstochen worden. Ein Mitglied der fremdenfeindlichen Neonazi-Partei Goldene Morgenröte bekannte sich zu der Tat.

Daraufhin kam es in mehreren griechischen Städten zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Im Westen Athens gingen Antifaschisten mit Stöcken und Steinen auf Bereitschaftspolizisten los, die daraufhin Tränengas und Wasserwerfer einsetzten, wie die amtliche Nachrichtenagentur ANA berichtete.

Auch in Thessaloniki im Norden und Patras im Westen gab es Ausschreitungen. Das Stadtzentrum von Patras sei komplett abgeriegelt worden, berichteten örtliche Medien. In der Hafenstadt Volos und in Thessaloniki wurden die Büros der rechtsextremistischen Partei Goldene Morgenröte mit Steinen beworfen. In Thessaloniki protestierten nach offiziellen Angaben etwa 6000 Menschen gegen Faschismus, einige Fensterscheiben von Geschäften seien eingeschlagen worden.

In Athen beteiligten sich nach Polizeiangaben etwa 5000 Demonstranten im Vorstadtbezirk Keratsini an Protestmärschen gegen die Bluttat.

Gilt als bekannter Rechtsextremist: der geständige Täter

(Foto: AFP)

Regierung prüft Verbot von Neonazi-Partei

Griechischen Medien zufolge war der Rapper Fyssas gegen Mitternacht vor einem Lokal in einen Streit über Fußball geraten, der sich dann zu einer Auseinandersetzung über politische Themen entwickelte. Anschließend geriet der Musiker in einen Hinterhalt und wurde zusammen mit anderen Gesinnungsgenossen von mehreren schwarz gekleideten Neonazis mit Knüppeln angegriffen (mehr dazu hier). Nach Angaben der "Vereinten Front gegen Faschismus und rassistische Bedrohung" waren es 40, andere Quellen sprechen von 15 Personen.

Die Goldene Morgenröte dementierte, dass Mitglieder der Partei etwas mit diesem "Zwischenfall" zu tun hätten. Die Neonazi-Partei muss dennoch mit Konsequenzen rechnen. Die Regierung erklärte inzwischen, man werde mit den demokratischen Parteien Wege suchen, wie die Goldene Morgenröte als verbrecherische Organisation verboten werden könne.

Die Partei leugnet den Holocaust. Ihre Mitglieder zeigen den Hitlergruß (auch schon im Parlament) und treten in geschlossenen Reihen wie die Organisationen der Nationalsozialisten auf. Ihre Mitglieder hatten in den vergangenen Monaten wiederholt Ausländer attackiert. Nach jüngsten Umfragen käme die Goldene Morgenröte derzeit auf 13 Prozent der Stimmen; bei der Wahl 2012 waren es noch knapp sieben Prozent. Die Partei ist mit 18 Abgeordneten im 300 Sitze zählenden Parlament vertreten.