Nach Terrorserie von Toulouse Spezialeinheiten nehmen mutmaßliche Islamisten fest

Sie haben ein "ähnliches Profil" wie Mohamed Merah: Spezialeinheiten der französischen Polizei haben bei Razzien in mehreren Städten zehn mutmaßliche Islamisten festgenommen. Auf die Spur der Verdächtigen kam die Justiz in Internetforen.

Zwei Wochen nach der Mordserie in Toulouse sind französische Anti-Terror-Ermittler erneut mit Razzien gegen mutmaßliche radikale Islamisten vorgegangen. Bei den Polizeieinsätzen am Morgen seien in Marseille, Pau, Roubaix, Valence und Carpentras insgesamt zehn Personen festgenommen worden, berichteten französische Medien unter Berufung auf Polizeikreise.

"Die Festgenommenen haben ein ähnliches Profil wie Mohamed Merah", sagte ein Vertreter der Polizei mit Bezug auf den Attentäter von Toulouse. "Es sind isolierte Personen, die sich selbst radikalisiert haben." Die Verdächtigen seien in Internetforen identifiziert worden, wo sie extremistische Ansichten geäußert hätten. Außerdem hätten sie Reisen nach Afghanistan, Pakistan und in die Sahel-Zone vorbereitet, um sich an einem "Heiligen Krieg" zu beteiligen. Eine direkte Verbindung zum Fall Merah soll es jedoch nicht geben.

Dieser hatte Mitte März sieben Menschen erschossen, darunter drei Kinder und einen Lehrer an einer jüdischen Schule in Toulouse. Bevor Merah bei der Erstürmung seiner Wohnung getötet wurde, hatte er sich selbst als Mudschahed (Gotteskrieger) bezeichnet und erklärt, dem Terrornetzwerk al-Qaida nahezustehen.

Ermittlungsverfahren gegen weitere 13 Verdächtige

Im Zuge der Ermittlungen gegen andere mutmaßliche radikale Islamisten hatte die französische Justiz bereits am Freitag knapp 20 Personen festgenommen. Gegen 13 von ihnen wurde nun ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Neun wurden in Untersuchungshaft genommen. Darunter ist auch der Anführer der verbotenen salafistischen Gruppe Forsane Alizza, Mohammed Achamlane. Die anderen vier Islamisten wurden unter Justizaufsicht freigelassen.

Allen 13 Verdächtigen wird die Gründung einer verbrecherischen Vereinigung mit terroristischem Hintergrund sowie Waffenbesitz vorgeworfen. Einige der Verdächtigen planten die Entführung eines Untersuchungsrichters, wie der für Terrorismus zuständige Staatsanwalt von Paris, François Molins, sagte. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen handelt es sich um einen jüdischen Untersuchungsrichter, der für den Fall eines der Verdächtigen zuständig war.

Präsident Nicolas Sarkozy hatte nach den Anschlägen eine harte Vorgehensweise gegen mutmaßliche Islamisten angekündigt. Die Mordserie von Toulouse hatte das Thema Innere Sicherheit in den Fokus des Wahlkampfs gerückt. Wenige Wochen vor den Vorwahlen am 22. April konnte Sarkozy in Umfragen seinen Rückstand zu seinem größten Herausforderer, dem Sozialisten Francois Hollande, verkürzen.