Nach Steuerflucht Depardieu kritisiert russische Opposition

Steuerflüchtling Gerard Depardieu im Januar in Montenegro.

(Foto: dpa)

Der derzeit prominenteste Neu-Russe, Gérard Depardieu, hat die russische Opposition angegriffen. In einem TV-Interview warf er den Bürgerrechtlern vor, kein Programm zu haben. Er verteidigte sogar den Umgang der russischen Justiz mit der Punkband Pussy Riot.

Der Schauspieler Gérard Depardieu hat Russlands Opposition kritisiert. "Die russische Opposition hat kein Programm, nichts", sagte Depardieu in einem Interview im russischen Fernsehen vom Sonntag. Zwar gebe es dort "intelligente Leute" wie den ehemaligen Schachweltmeister Garri Kasparow - "aber nur wenn es um Schach geht". Die Politik sei dagegen viel komplizierter, sagte Depardieu bei dem Interview laut der Agentur RIA Nowosti.

Depardieu hatte der sozialistischen Regierung in Frankreich wegen einer neuen Reichensteuer damit gedroht, die französische Staatsbürgerschaft abzugeben. Anfang Januar holte er sich in Russland persönlich seinen neuen russischen Pass ab, nachdem ihn Staatschef Wladimir Putin per Dekret zum Bürger seines Landes erklärt hatte. Beide bezeichnen sich gegenseitig als Freunde.

In einem Teil der Sendung äußerte sich Depardieu auch zur Verurteilung von Mitgliedern der Punkband Pussy Riot wegen eines Putin-kritischen Protests in einer Moskauer Kathedrale. Die Franzosen kritisierten gern wie im Fall der Frauen von Pussy Riot, sagte der Schauspieler. "Stellen Sie sich vor, dass diese Mädchen zum Beispiel in eine Moschee gegangen wären. Sie wären da nicht mehr lebend rausgekommen. Selbst in der katholischen Welt wäre das schrecklich geworden. Aber wenn ich das in Frankreich sage, dann hält man mich für einen Idioten."

Die Bandmitglieder Maria Alechina, Nadeschda Tolokonnikowa und Jekaterina Samuzewitsch waren im August wegen der Protestaktion zu jeweils zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Samuzewitschs Strafe wurde Anfang Oktober in einem Berufungsverfahren in eine Bewährungsstrafe umgewandelt, sie kam daraufhin frei. Die Haftstrafe der beiden anderen Frauen wurde dagegen aufrecht erhalten.