Von Annette Ramelsberger

Mit einer ungewöhnlich jungen Mannschaft will die CSU ihre Personalkrise nach dem Rücktritt von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos überwinden.

Die CSU macht ihren erst 37 Jahre alten Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg zum jüngsten Wirtschaftsminister in der Geschichte der Republik. Nachfolger Guttenbergs wird der 38-jährige Bundestagsabgeordnete Alexander Dobrindt. Ihm wird die 30-jährige Dorothee Bär als Stellvertreterin zur Seite gestellt.

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Der designierte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). (© Foto: ddp)

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Das Chaos-Wochenende hat in der CSU Verletzungen hinterlassen, die zum großen Teil auch dem eigenen Parteichef angelastet werden. Horst Seehofer versuchte seine Auseinandersetzung mit Glos, die am Montag immer noch sichtlich an ihm zehrte, zu begraben: Er hege "keinen Groll" gegen Glos. "Da wird nichts zurückbleiben."

Er habe sich auch im Umgang mit Glos nichts vorzuwerfen. Innerhalb der CSU aber hat der Rücktritt von Glos erhebliche Turbulenzen ausgelöst und auch die Frage nach der Führungskompetenz von Seehofer aufgeworfen. Innenminister Joachim Herrmann mahnte im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung an, dass die CSU in den Monaten bis zur Wahl "Geschlossenheit und Solidarität zeigen muss - auch die CSU-Spitze, auch mit den eigenen Leuten, auch in Hintergrundgesprächen, zumindest in homöopathischen Dosen".

Herrmann brachte damit den Unmut der Parteibasis über Seehofer zum Ausdruck, dem angelastet wird, Glos durch monatelange Sticheleien zermürbt zu haben. Auch der Chef der CSU-Landtagsfraktion, Georg Schmid, sagte der SZ: "Wir müssen nun alle zusammenstehen. Es war immer die große Kraft der CSU, wenn wir zusammengehalten haben."

Selbst der ehemalige Ministerpräsident Günther Beckstein meldete sich zu Wort und sagte: "Glos hätte mehr Unterstützung von allen Beteiligten verdient." Der frühere Minister Eberhard Sinner, ein alter Weggefährte von Glos, warf Seehofer vor, er sei "nicht optimal in der Menschenführung". An diesem Dienstag will Bundespräsident Horst Köhler Glos entlassen und Guttenberg ernennen.

Die Europawahl im Juni und die Bundestagswahl im September sollen für die CSU nun zwei junge Bundestagsabgeordnete managen, die Guttenberg ersetzen müssen: Der 38-jährige Alexander Dobrindt und seine 30-jährige Stellvertreterin Dorothee Bär teilen sich das Amt des Generalsekretärs. Die Partei sei nun wieder "gut aufgestellt", erklärte Seehofer. "Wir wissen, dass viel auf uns zukommt", sagte Dobrindt bei seiner Vorstellung. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer lobte Dobrindt und Bär als Tandem, das sich hervorragend ergänze.

Nicht nur Zustimmung

In der Partei jedoch stößt diese Personalentscheidung nicht nur auf Zustimmung - zu unerfahren seien die Kollegen. Der Weggang des Generalsekretärs kurz vor wichtigen Wahlen bringt die CSU objektiv in eine prekäre Lage.

"Das ist eine Herausforderung. Ich hoffe, dass die Abstimmung zwischen den zwei Generalsekretären so perfekt läuft, wie es in einer so schwierigen Situation nötig ist", sagte die frühere Generalsekretärin Christine Haderthauer der SZ.

Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering bezeichnete den Umgang mit Glos als "unwürdig". Er hielt der CSU heuchlerisches Verhalten vor. Sie habe "mit Augenzwinkern" Glos nach außen für seine Arbeit belobigt, ihm aber "hinterrücks die Stuhlbeine abgesägt". Auch beanspruche Seehofer ein "Vetorecht" im Bundeskabinett. "Das geht aber nicht", sagte Müntefering.

FDP-Chef Guido Westerwelle äußerte Zweifel an der Führungsstärke von Kanzlerin Angela Merkel. Dass sich die Bundesregierung in der Wirtschaftskrise "in einem Schlüsselressort ein solches Durcheinander" erlaube, sei "ein wirklich schlechtes Zeugnis".

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(SZ vom 10.02.2009/gdo)