Nach Protesten in Bulgarien Rücktritt als Chance

Noch im Rücktritt verhält er sich wie ein echter Populist. Bulgariens Ministerpräsident Bojko Borissow hat seinen Abgang nach Protesten gegen die hohen Energiepreise wie einen Theatercoup inszeniert. Bis zur Neuwahl hält er sich aus dem Regieren heraus - und hofft, dass ihm dann die Bürger seine Sünden schneller verzeihen.

Ein Kommentar von Klaus Brill

Vom Schaugeschäft versteht er etwas, das hat Bojko Borissow schon oft bewiesen. Auch seinen Rücktritt inszenierte der bulgarische Ministerpräsident jetzt als Theatercoup. Drei Tage war er abgetaucht, als das Land von Protesten überrollt wurde. Dann redete er die Krise klein. Jetzt aber tat er kund, er wolle kein Blut fließen sehen, und nahm die gar nicht so arg blutigen Zusammenstöße der Dienstagnacht zum Anlass, die Abdankung des ganzen Kabinetts mitzuteilen.

Dieser Schritt ist Borissow einzige - und offenbar wohlkalkulierte - Chance, den Volkszorn zu besänftigen und aus den Turbulenzen mit einem blauen Auge herauszukommen. Bis zur Neuwahl hält er sich aus dem Regieren heraus in der Hoffnung, dass ihm dann die Bürger seine Sünden schneller verzeihen.

Nach dreieinhalb Amtsjahren hat Borissow außer vorbildlicher Haushaltsführung nicht viel Positives vorzuweisen. Doch war das Sparprogramm offenbar zu rigoros, da doch die Bulgaren unter großer Armut leiden. Sie sind enttäuscht, dass die Regierung weder ihre Wirtschaftslage verbessert, noch den Kampf gegen Korruption und Mafia effektiv genug geführt hat.

Stattdessen verwandte Borissow viel Energie darauf, seine Macht abzusichern und Gefolgsleute in Justiz und Presse zu stärken. Nicht zuletzt agiert er sehr impulsiv und sprunghaft - noch im Rücktritt ein echter Populist. Dafür hat er jetzt die Quittung bekommen.