Nach einem blutigen Überfall auf einen türkischen Grenzposten denkt Regierungschef Erdogan über eine neue Bodenoffensive im Rückzugsgebiet der PKK-Rebellen nach.

Drohungen aus Ankara: Nach einem Übergriff der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK schließt der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan eine Bodenoffensive im Irak nicht aus.

Bild vergrößern

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan schließt einen Armeeeinsatz im Nordirak nicht aus. (© Foto: AFP)

Anzeige

Einziges Ziel eines möglichen Angriffs in dem Nachbarland werde die PKK sein, sagte Erdogan in Ankara vor Abgeordneten seiner islamisch-konservativen AKP. Die Türkei werde Zivilisten schonen und die politische Einheit Iraks achten.

Zugleich warnte er davor, im Kampf gegen die PKK nur auf Polizei und Militär zu setzen. Es müsse auch politische, wirtschaftliche und soziale Maßnahmen geben.

Bei dem PKK-Überfall waren am Freitag nach neuen Angaben des türkischen Generalstabs insgesamt 42 Menschen getötet worden. In dem Kampfgebiet seien am Dienstag die Leichen von zwei weiteren PKK- Kämpfern gefunden worden. Die PKK war aus dem Irak auf türkisches Gebiet vorgedrungen.

Überlegungen zu einer Pufferzone

Türkische Kampfflugzeuge flogen am Dienstag erneut Angriffe auf mutmaßliche Stellungen der PKK im Nordirak. Die insgesamt 21 Ziele seien in einem Berggebiet nahe der irakischen Grenze zur Türkei unter Feuer genommen worden, teilte der türkische Generalstab in Ankara mit.

Türkische Politiker brachten die Errichtung einer Pufferzone auf irakischer Seite der gemeinsamen Grenze ins Spiel. Diese soll die Türkei gegen weitere Angriffe der PKK abschirmen. Am Mittwoch sollte das türkische Parlament debattieren, ob der Armee für ein weiteres Jahr grenzüberschreitende Kampfeinsätze gegen die PKK im Irak erlaubt werden.

Im Februar hatte die türkische Armee während einer einwöchigen Bodenoffensive gegen PKK-Lager im Irak nach eigenen Angaben 240 Kämpfer der Gruppe getötet. Auch 27 türkische Soldaten starben bei Kämpfen während der Offensive, die sich auf das kurdische Autonomiegebiet des Nordiraks beschränkte.

Die PKK wird in der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Sie kämpft seit Anfang der 80er Jahre für eine Unabhängigkeit oder größere Autonomie der Kurdengebiete von der Türkei. In dem Konflikt wurden nach Angaben der türkischen Armee mindestens 35.000 Menschen getötet.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(dpa/gal)