Nach Luftschlag Berlin fordert Informationen über Kundus-Opfer

Die Bundesregierung will die Hinterbliebenen des Luftangriffs in Afghanistan entschädigen - doch zunächst verlangt Berlin genauere Informationen über die Opfer.

Erst wenn die Zahl der bei dem Luftangriff in Afghanistan getöteten und verletzten Zivilisten feststeht, will die Bundesregierung über die Höhe der Entschädigung entscheiden. Das sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums an diesem Dienstag.

Fataler Luftschlag bei Kundus: Bei dem Angriff kamen bis zu 142 Menschen ums Leben

(Foto: Archiv-Foto: AP)

Man habe Karim Popal, Anwalt der Opfer, gebeten, Informationen und Belege über die Personen zu liefern, die er vertritt. Die Meldung der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, dass die Regierung drei Millionen Euro zahlen wolle, könne er daher nicht bestätigen.

Jede Aussage dazu sei Spekulation, fügte der Sprecher hinzu. Es gehe darum, einen langwierigen Rechtsstreit zu verhindern und eine schnelle und unbürokratische Lösung zu finden.

"Gespräche angeboten"

"Man hat uns keine bestimmte Summe angeboten, man hat uns nur Gespräche angeboten", sagte Popal. Einen Termin für die Verhandlungen gebe es noch nicht. Zugleich forderte er vom Verteidigungsministerium, den Gouverneur der nordafghanischen Provinz nicht in die Verhandlungen einzubeziehen.

Popal befürchtet, dass ein Teil der Hilfe bei den Opfern nicht ankommen könnte. "Dieser Mann ist dafür berüchtigt, dass er staatliche Gelder veruntreut."

Wegen der anstehenden Gespräche mit der Bundesregierung verschob Popal die geplante Reise nach Afghanistan. Eigentlich wollte er am Mittwoch nach Kundus fliegen, um seine 78 Mandanten zu treffen. Nun werde er wahrscheinlich erst am Wochenende dorthin aufbrechen, sagte Popal.

Bei dem Luftangriff auf zwei von den Taliban entführte Tanklastzüge am 4. September wurden nach Nato-Angaben bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt.