Linke-Mitschöpfer Lafontaine hinterlässt mit seinem Rücktritt eine Partei, die von ihrem Zenit aus abwärts schaut. Doch für die SPD kommt der Abgang des Rächers zu spät.
Zu den Fehlern in der Politik, die sich normalerweise nicht wiedergutmachen lassen, gehört der schlechte Abgang. Das letzte Bild bleibt in Erinnerung. Jenes vom aufgekratzt der Wirklichkeit entrückten Gerhard Schröder am Abend der Bundestagswahl 2005 ebenso wie das des plötzlichen Privatiers Oskar Lafontaine, wie er sich im März 1999 mit dem Sohn auf den Schultern im Fernsehen zeigt.
Oskar Lafontaine hat die Führung der Linkspartei aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben. (© Foto: ddp)
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Lafontaine aber ist eine Ausnahmefigur der deutschen Politik, und so hat er sich jene zweite Chance auf einen würdigen Abschied erarbeitet, die anderen verwehrt bleibt. Der Mitschöpfer der Linkspartei gibt ihre Führung auf. Nicht überstürzt, sondern nach reiflicher Überlegung. Nicht aus Wut und Enttäuschung, sondern, wie er sagt, aus gesundheitlichen Gründen, die respektiert werden müssen. Seine Flucht von 1999 kann Lafontaine nicht ungeschehen machen. Von wesentlicher Bedeutung aber ist, dass er sie nicht wiederholt.
Existenzbedrohende Probleme
Wie vor zehn Jahren die SPD, steht nun die Linkspartei vor der Frage, was aus ihr wird. Sie stellt sich ihr sogar in dramatischer Schärfe, weil Lafontaine den Markenkern nicht nur wesentlich bestimmt hat, sondern weil er selbst ein Teil von ihm ist. Ohne den Saarländer würde es die Linke in dieser Form nicht geben. Eine Galionsfigur vom Schlage Lafontaines war notwendig, damit aus der ostdeutschen Regionalpartei PDS und der westdeutschen Protest-Sammelbewegung Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) eine bundesweite Kraft werden konnte.
Ohne den Frust über Schröders Agenda-Reformen, ohne die Ermüdung der SPD und eine gemeinsame Anti-SPD-Stimmung in Ost und West hätte auch Lafontaine keine Partei formen können, die zur viertstärksten im Lande geworden ist. Naiv ist insofern der Glaube, mit Lafontaine werde nun auch die Linke verschwinden und das Parteiensystem zu alter Übersichtlichkeit zurückkehren.
Wahr ist indes, dass die Linke vor einer Vielzahl von Problemen steht, die in ihrer Gesamtheit sehr wohl existenzbedrohend wirken. Vor allem ist aus der vereinigten eben noch keine einige Partei geworden. Gravierender als die politischen Differenzen wirkt die kulturelle Kluft. In den Augen des ostdeutschen Genossen wird der westliche Weltverbesserer zum Spinner, der wackere Westlinke fühlt sich im Osten umgeben von Spießern.
In der jungen Partei werden mit Inbrunst alte Feindschaften gepflegt, Strömungen und Zirkel bekämpfen einander aufs Blut. Der schmutzige Machtkampf um den nun scheidenden Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch bescherte der Linken einen Blick in den Abgrund.
Auch strategisch steht die Partei nun zumindest vor einer großen Herausforderung. Sie hat bisher gut gelebt von dem Preis, den die SPD dafür zu bezahlen hatte, dass sie - in wechselnden Regierungen - soziale Einschnitte mitbeschloss. Nun aber regieren die Sozialdemokraten nicht mehr, weshalb sie einer natürlichen Links-Drift unterliegen. Das zwingt die Linkspartei, ganz im Sinne Lafontaines, zu einer aggressiven Positionierung.
Dies wiederum erschwert ihr im Osten das Geschäft, wo sie - wie in Brandenburg - an der Macht auch einem Personalabbau im öffentlichen Dienst zustimmt. Der Streit über Wunsch und Wirklichkeit wird in der anstehenden Debatte über ein Grundsatzprogramm erbittert geführt werden und die Anziehungskraft auf Wähler nicht stärken.
Und die SPD? Für sie, die den Abgang des Rächers Lafontaine herbeigesehnt hat, kommt dieser zu spät. Sie ist so tief gefallen, dass eine Schwächung der Linkspartei nur eine kleine Hilfe verspricht, nicht aber die große Rettung.
Es spricht dennoch nichts dagegen, wenn die Parteien links von Schwarz-Gelb nun ihrer Phantasie freieren Lauf lassen. Die Zeit beleidigter Sprachlosigkeit ist vorbei. Wenn die SPD sich von den Linken abgrenzen will, muss sie es inhaltlich tun. Gleichzeitig wird sie, will sie je wieder einen Kanzler stellen, mit ihnen auch Gemeinsamkeiten suchen müssen.
Eigene Zugewinne werden der SPD nichts nützen
Theoretisch bleibt der SPD die Hoffnung, dass Gregor Gysis Truppe sich zerlegt. Die Hoffnung wäre verständlich, aber kurzsichtig. Auch Sigmar Gabriel wird die SPD auf Dauer nicht von der Mitte bis sehr weit links spreizen können. Suchen die Sozialdemokraten ihr Heil am Rand, droht ihnen Unheil in der Mitte.
Die eine linke Volkspartei ist Geschichte, westdeutsche Geschichte. Zumindest auf absehbare Zeit besteht die einzig denkbare Mehrheit jenseits von Union und FDP aus drei Teilen. Gelassen können die Grünen abwarten, ob es dazu kommt. Sie werden eines Tages wieder regieren - sei es mit den Schwarzen oder mit Rot-Rot.
Die Wahlfreiheit der Grünen zwingt die SPD geradezu, auch in der Linken den potentiellen Partner zu suchen. Eigene Zugewinne werden der SPD nichts nützen, wenn es insgesamt nicht für ein Dreierbündnis reicht. Obschon es in den Ohren sozialdemokratischer Genossen absurd klingen mag: Die SPD muss sich deshalb trotz der eigenen Schwäche auch noch Gedanken machen über den Zustand der Linkspartei. Und der gibt in der Tat Anlass zur Sorge. Lafontaine hinterlässt kein gut bestelltes Feld, sondern eine Partei, die von ihrem Zenit aus abwärts schaut.
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(SZ vom 25.01.2010)
Die DIE LINKE gibt es nicht. Was sich dort versammelt hat, reicht von Betonköpfen verschiedener Fraktionen über Agenten des Staatsschutzes und des Kapitals bis hin zu Idealisten verschiedener Fraktionen.
Dass sich ausgerechnet der Politiker dieser Partei, der seinen Landesverband hinter seiner Politik hat wie kein anderer Politiker der Partei (außer evt. Lafontaine), nämlich Bodo Ramelow, vom Bundesvorstand verabschiedet hat, wirft auf die Bundespartei kein gutes Licht: Offensichtlich ist Bodo Ramelow davon überzeugt, dass es mehr Sinn macht, dass er sich in Thüringen für die von ihm als richtig erkannten Ziele einsetzt.
Dabei hat Bodo Ramelow etwas zu bieten, was von vielen in seiner Wichtigkeit und Richtigkeit noch gar nicht verstanden wurde: Er kämpft dafür, gerecht und vernünftig eingestellten (!) Frauen in politischen Fragen das letzte Wort zu überlassen.
Damit ist er im Grunde der Messias, der einem lange praktizierten Irrtum das entscheidende Mittel entgegensetzt: Zwar sind Frau und Mann gleich intelligent, alles andere wäre tragisch, doch die Natur gestaltet perfekt, ihre Hirne sind aber verschieden spezialisiert: Der Mann denkt "bedenkenloser" und stürmischer, ist damit der bessere Ideenproduzent, die Frau denkt umsichtig, vorausschauend und besonnen, ist damit die bessere Ideenbewerterin - die bessere Entscheiderin.
Wir Anarchistinnen und Anarchisten haben Bodo Ramelow und seinen Landesverband vor den Wahlen 2009 (Land und Bund) nach Kräften unterstützt, Dank unserer exzellenten Internetforce beherrschten wir die Google-Seiten der Thüringer Parteien maßgeblich. Das hätten wir für keinen anderen Politiker und keinen anderen Landesverband der DIE LINKE getan. Die beschriebene politische Zielsetzung des Bodo Ramelow ist mehr wert als der ganze Rest der DIE LINKE, und diese Zielsetzung entfaltet in allen politischen Lagern einen Charme, der letztlich unwiderstehlich sein wird. Winfried Sobottka, United Anarchists
der in sauberen Worten auf Sinn und Wert des politischen Zieles des Bodo Ramelow, vernünftig und gerecht eingestelltenFrauen in politischen Fragen das letzte Wort zu überlassen, einging, ist ein Beleg dafür, wo die Meinungsfreiheit einerseits der Systemko0nformismus andererseits von der SZ angesiedelt werden.
Der Tagesspiegel hat den selben Kommentar nach Prüfung geschaltet, und im Neues Deutschland/online habe ich mit diesen Positionen auch keine Veröffentlichungsprobleme, obwohl diese Tatsachen auch vielen "Linken" nicht passen. Winfried Sobottka, United Anarchists
Erstens bin ich kein "Herr", oder würden Sie eine Frau als "Herrin" anreden? Das wäre das Analogon.
Zweitens hatte ich sehr engen Kontakt mit Satanistinnen, die deutliche Hinweise darauf gaben, dass sie selbst schon heimtückisch gemordet hatten, jedenfalls die sexuelle Versklavung von Männern beherrschten. Wollen Sie behaupten, schlimmer zu sein?
In meinem Kommentar war von vernünftig und gerecht eingestellten Frauen die Rede, haben Sie das überlesen?
Winfried Sobottka, United Anarchists
Lieber Herr Sobottka,
Ihr Frauenbild ist antiquiert. Zu Ihrer Entlastung muss ich allerdings festellen, dass Sie michnicht kennen...
Die DIE LINKE gibt es nicht. Was sich dort versammelt hat, reicht von Betonköpfen verschiedener Fraktionen über Agenten des Staatsschutzes und des Kapitals bis hin zu Idealisten verschiedener Fraktionen.
Dass sich ausgerechnet der Politiker dieser Partei, der seinen Landesverband hinter seiner Politik hat wie kein anderer Politiker der Partei (außer evt. Lafontaine), nämlich Bodo Ramelow, vom Bundesvorstand verabschiedet hat, wirft auf die Bundespartei kein gutes Licht: Offensichtlich ist Bodo Ramelow davon überzeugt, dass es mehr Sinn macht, dass er sich in Thüringen für die von ihm als richtig erkannten Ziele einsetzt.
Dabei hat Bodo Ramelow etwas zu bieten, was von vielen in seiner Wichtigkeit und Richtigkeit noch gar nicht verstanden wurde: Er kämpft dafür, gerecht und vernünftig eingestellten (!) Frauen in politischen Fragen das letzte Wort zu überlassen.
Damit ist er im Grunde der Messias, der einem lange praktizierten Irrtum das entscheidende Mittel entgegensetzt: Zwar sind Frau und Mann gleich intelligent, alles andere wäre tragisch, doch die Natur gestaltet perfekt, ihre Hirne sind aber verschieden spezialisiert: Der Mann denkt "bedenkenloser" und stürmischer, ist damit der bessere Ideenproduzent, die Frau denkt umsichtig, vorausschauend und besonnen, ist damit die bessere Ideenbewerterin - die bessere Entscheiderin.
Wir Anarchistinnen und Anarchisten haben Bodo Ramelow und seinen Landesverband vor den Wahlen 2009 (Land und Bund) nach Kräften unterstützt, Dank unserer exzellenten Internetforce beherrschten wir die Google-Seiten der Thüringer Parteien maßgeblich. Das hätten wir für keinen anderen Politiker und keinen anderen Landesverband der DIE LINKE getan. Die beschriebene politische Zielsetzung des Bodo Ramelow ist mehr wert als der ganze Rest der DIE LINKE, und diese Zielsetzung entfaltet in allen politischen Lagern einen Charme, der letztlich unwiderstehlich sein wird. Winfried Sobottka, United Anarchists
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